Wort der Woche: Julrim

An Weihnachten (schw. jul) wird in Schweden gereimt (schw. rimma). Ganz traditionell auf dem Land würde man schon morgens gemeinsam beim Frühstück mit Reisbrei (gröt) reihum um den Tisch gemeinsam reimen. Wer die einzelne Mandel im Brei erwischt darf sich übrigens etwas wünschen (alternativ muss er/sie heiraten). Ein Schälchen des Breis wird vor die Tür gestellt, als Dank für den Wichtel (tomten).

Viel weiter verbreitet sind immer noch die Reime auf den Geschenken, mit denen der Schenkende dem Beschenkten einen Hinweis auf den Inhalt des Paketes gibt und seinen Gedanken mit dem Geschenk mitteilt. Vom Zweizeiler bis zu ganzen Geschichten ist alles erlaubt, solange nicht wörtlich verraten wird was es ist.

Das gemeinsame Geschenkeauspacken wird also zu einer kleinen Lesung aller Reime mit anschließender Auflösung des Rätsels – zumindest dort, wo die Tradition des julrims gepflegt wird.

Zeitungen und Radiosender haben jedes Jahr eine rimstuga (z.B. Dagens Nyheter), wo sich Leute Reime zu einem bestimmten Geschenken schreiben lassen können und wo selbige veröffentlicht werden. Zusätzlich gibt es lustige Aktionen wie die, dass alle Überschriften der Weihnachtsausgabe einer Zeitung in Reimform gehalten sind.

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Att åka på fin is

Heute Mittag bin ich mit einem Kollegen von der Arbeit ausgebüchst und nach Fjällnora (Karte) gefahren, nicht weit östlich von Uppsala. Der Eisbericht meinte nämlich, dort gäbe es schon gutes Eis. Schließlich wollte ich ja endlich meine neuen Langlaufschlittschuhe ausprobieren.

Und es war nicht zuviel versprochen. Der ganze lange See war befahrbar zugefroren und die spiegelglatte Eisfläche war nur teilweise mit Eisblumen bedeckt, die ein wenig bremsten. Eine bessere Fläche ist auf Natureis kaum zu finden und völlig schneefrei noch seltener. Dazu schien die Sonne und es war etwas milder heute (etwa -5 Grad). Herrlich.

Wir sind von etwa da, wo auf der Karte der Badeplatz eingezeichnet ist, die nordöstliche Strecke und dann um die Ecke bis ans nördliche Ende gefahren – etwa 8 km hin und zurück. Mich als ungeübten Eisläufer hat es schon noch ein paar Mal auf den Hosenboden geworfen und irgendwann wollten die Fußgelenke nicht mehr so stabil bleiben, aber all das wird sich diesen Winter hoffentlich schnell geben.

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Wintermorgen

Es ist kalt hier. Tagsüber etwas über minus 10 Grad, nachts darunter. Der Himmel ist überwiegend klar und die Sonne scheint für die wenigen Stunden, die sie es über den Horizont schafft. Es liegt zwar kein Schnee, aber der Frost überlebt die schwachen Sonnenstrahlen und wird Tag für Tag mehr, sodass trotzdem alles weiß von Eiskristallen ist.

Das ist sehr schön anzusehen, wenn man morgens dick eingepackt zur Arbeit radelt. Ab und zu bleibt man dann trotz der Kälte stehen und holt die Kamera heraus.

Weiss

3
Bäume

Eisblatt

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In aller Kürze

  • Das Internet ist in Schweden so verbreitet, dass die Anzahl der Nutzer nicht mehr wächst. Gut 80% der Menschen nutzen das Internet hierzulande und wenn ich mich recht erinnere, liegt diese Zahl in Deutschland etwa 10% niedriger.
  • Das Wappen der nordischen Schlachtgruppe wurde entmannt.
  • Ob es sich beim angeblich so großen Widerstand schwedischer Politiker gegen die Gaspipeline durch die Ostsee um mehr als Lippenbekenntnisse handelt, wird man wohl erst noch sehen müssen.
  • Am 21. Dezember wird Schengen um die baltischen Staaten und die östlichen Nachbarn Deutschlands und Österreichs erweitert. Das wusste ich bis eben nicht, finde es aber selbstverständlich gut.
  • Wenn Schweden reisen, bevorzugen sie den Pass, nicht den Personalausweis, den es zwar gibt und der in Europa auch gültiges Reisedokument ist, aber kaum nachgefragt wird, weil innerhalb Schwedens der Führerschein oder die ID-Karte von Post und Banken üblicher sind. Mehr zu dem Thema bei Fabian.
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Wulffmorgenthaler

Selbst wenn man zum Frühstück einmal keinen Käsehobel zur Hand hat, rate ich von dieser Methode dringend ab.

Auf der selben Seite erfährt man auch, wie Skandinavien gegründet wurde.

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Wort der Woche: Diskborste

Unsere
Spüle

Was wäre dieses Blog ohne die alltäglichen Dinge, die das Leben in Schweden ein wenig anders machen? Und was ist alltäglicher als Geschirr? Beim Abwasch gibt es gleich einen prinzipiellen Unterschied: Mein Eindruck ist nämlich, dass in Schweden öfter mit der Hand abgewaschen wird und dass Geschirrspülmaschinen weniger verbreitet sind als in Deutschland.

Wie spült man also in Schweden Geschirr?

Zuerst muss da die diskborste genannt werden. Disk ist das “Geschirr” und borste die “Bürste” – es handelt sich also um eine profane Spülbürste (hellblau im Bild). Diese ist das wichtigste Werkzeug und nicht irgendwelche Schwämme, Pads oder gar Schwammtücher (schw. trasa), die wir einige unserer Gäste schon zum Spülen benutzen sahen. Die Bürste hat vorne eine flache Kante, mit der man eingetrockneten Schmutz angeht, indem man sie umdreht. Einige haben statt der Bürste eine bizarre Mischung aus Schwamm und Spülbürste, eine Art Schwamm am Stiel, bei der der Griff hohl ist und mit Spülmittel gefüllt wird, das dann durch den Schwamm langsam freigegeben wird.

Ebenfalls typisch schwedisch ist es, eine Mischung aus Wasser und Spülmittel in eine Sprühflasche zu füllen (blau am rechten Bildrand). Diese verwendet man, wenn man nur ein paar Dinge abwaschen will, um diese einzusprühen und dann mit der Diskborste unter fließendem Wasser zu bearbeiten. Wassersparen wurde den Schweden nicht von klein auf eingetrichtert. In der Regel füllt man jedoch eines der beiden Spülbecken mit Wasser und handwerkt darin mit der Bürste.

Das zweite schmalere Becken (schw. diskhon) ist dabei sehr wichtig. Dieses hat statt des kleinen Abflusses, wie man ihn in Deutschland kennt, viele kleine Löcher über fast den ganzen Boden verteilt. Denn dorthin befördert man alle gröberen Essensreste oder spült etwas sehr schmutziges kurz ab, bevor man es ins Spülwasser gibt. Am Ende hat man dort also einen Brei aus organischem Material (schw. slask), der in den Kompost befördert werden will. Hier kommt ein weiteres typisch schwedisches Werkzeug ins Spiel, das meines Wissens nicht einmal einen guten eigenen Namen hat. Im Bild oben rechts (grünblau) ist der dünne Schaber aus härterem Plastik, der diese Aufgabe erfüllt und wegen der nicht existierenden Abflussvertiefung (Löcher, s.o.) auch gut dafür geeignet ist, zu sehen.

Hat man alles abgewaschen, lässt man das Spülwasser ab, spült das Geschirr unter fließendem Wasser nach und lässt es im diskställ trocknen. Das Abtrocknen versucht man zu vermeiden.

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Weniger Län

Die schon länger angestrebte Reform der schwedischen Verwaltungsregionen (län) scheint voranzukommen. Die vier flächenmäßig großen, aber bevölkerungsarmen Regionen Norrlands (Norrbotten, Västerbotten, Västernorrland und Jämtland) diskutieren von sich aus darüber, eine oder zwei Großregionen zu bilden.

Ähnliches ist im Süden im Gange und vielleicht werden Skåne, Blekinge und Kronoberg ja bald zu Sydsverige. Dass die Verwaltungsgebiete sowieso nur noch teilweise mit den klassischen schwedischen Landschaften übereinstimmen, könnte dabei helfen, eventuellen regionalpatriotischen Widerstand zu umschiffen, denn wenn überhaupt dann sind es die landskapen, mit denen sich Leute identifizieren.

Vor längerem habe ich auch einen guten Artikel gelesen (wahrscheinlich in der ZEIT), der dafür argumentierte, die Anzahl der deutschen Bundesländer auf etwa 6 zu reduzieren, aber die Chancen dafür sind wohl sehr gering. Den Artikel finde ich leider nicht im Netz.

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