Vintergäck

Vintergäck

Weiß jemand, wie die auf Deutsch heißen?

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Im Herbst wählt Schweden

Am 17. September ist Wahl in Schweden und bis dahin werde ich versuchen, den Wahlkampf und das politische Geschehen auf Fiket zu begleiten und einige Hintergrundinformationen zusammenzustellen. Ich gehe davon aus, dass ich beim Recherchieren selbst noch einiges lernen werde, denn obwohl ich schon fast vier Jahre in Schweden lebe, verfolge ich die deutsche Politik bisher immer noch aufmerksamer als die schwedische, die mir oft ereignislos vorkommt. Natürlich werden die entsprechenden Artikel auch das Schlagwort Politik tragen, aber ich führe hiermit auch das Tag Wahl2006 ein, um sie leichter auffindbar zu machen.

Bevor ich zur schwedischen Parteienlandschaft und einzelnen Persönlichkeiten komme, möchte ich hier lediglich den groben Rahmen abstechen, in dem sich schwedische Politik abspielt. Das Konungariket Sverige ist eine parlamentarische Monarchie, d. h. es gibt einen König, der aber am politischen Geschehen nicht teilnimmt – im Gegensatz zur konstitutionellen Monarchie, wie es sie beispielsweise in Großbritannien gibt.

Die einzige Kammer der schwedischen Legislative ist das Parlament, der Riksdag. Dieser wird alle vier Jahre gewählt. Es gibt keine Erst- und Zweitstimme, sondern man stimmt für eine Partei und, wenn man möchte, auch für einen bestimmten Kandidaten dieser Partei. Anstelle der in Deutschland üblichen Stimmzettel zum Ankreuzen liegen Wahlzettel jeder Partei im Wahllokal aus und man legt den entprechenden ins Wahlkuvert. Oft nimmt man mehrere Wahlzettel mit in die Kabine, um die Wahl geheim auszuführen.

Das Parlament setzt sich aus allen Parteien, die mehr als 4% der Stimmen bekommen haben, zusammen und bestimmt nach der Wahl den Premierminister (_statsminister_), der dann die Regierung ernennt. Seit über 10 Jahren hat der Sozialdemokrat Göran Persson diesen Posten inne und er tritt auch im Herbst noch einmal an.

Gleichzeitig mit den Parlamentswahlen, werden im September auch die Kommunalwahlen in den Provinzen (_län_) durchgeführt, und zwar landesweit. Das heißt, dass in Schweden während der Legislaturperiode nicht ständig irgendwo Wahlkampf ist – ganz im Gegensatz zu Deutschland. Bei der Kommunalwahl darf ich auch als EU-Bürger mit abstimmen, nicht jedoch für das Parlament. Das ist insofern sinnvoll, als dass ich ja weiterhin für den deutschen Bundestag wählen darf. Anscheinend sind die EU-Länder sich darüber einig, dass man für Parlamentswahlen im Land seiner Staatsbürgerschaft wählt, aber für Kommunalwahlen dort, wo man lebt.

Fortsetzung folgt…

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Der Hamas-Minister und das Visum

Schweden hat sich in den letzten Tagen bei einigen europäischen Nachbarn unbeliebt gemacht. Es hat nämlich Atef Adwan, dem Flüchtlingsminister der Hamas ein Visum erteilt, um ihm die Teilnahme an einer Konferenz in Schweden zu ermöglichen. Nun ist Schweden aber Schengenland und somit gilt das Visum für Schweden auch für viele andere EU-Länder.

Das ist insofern problematisch, da die generelle Linie der EU gegenüber der Hamas recht strikt ist. Durch das Boykott war Hamas-Mitgliedern bisher die Einreise in die EU nicht möglich. Dass Schweden jetzt ausgeschert ist, hat Proteste von Frankreich, Deutschland und natürlich Israel hervorgerufen. Schweden legitimiert seine Entscheidung (S) damit, dass keine Bedenken gegen Adwan vorlagen und dass bei der Visavergabe über Personen als Einzelfall entschieden werde.

Das Thema hält sich schon seit Wochen in den hiesigen Medien, hat es jetzt aber auch in die deutschen geschafft, weil Adwan sein Visum nutzte, um auch nach Deutschland einzureisen. Ich habe das Thema bisher gemieden, weil ich keine eindeutige Meinung dazu habe. Zwei Dinge möchte ich aber anmerken:

  • Jemanden an der Weiterreise innerhalb der Schengenländer zu hindern, wäre falsch. Wenn man seinen Nachbarn soweit traut, dass man freien Grenzverkehr zulässt, wie es innerhalb der Schengenländer der Fall ist, muss man auch Konsequenzen von Entscheidungen anderer Länder mittragen.
  • Um Verstimmungen wie diese zu vermeiden, wäre es wohl an der Zeit, endlich eine EU-weite gemeinsame Außenpolitik zu machen.

    Hat Schweden richtig gehandelt oder verdient es seinen Rüffel? [Sagt eure Meinung!](http://www.fiket.de/2006/05/18/der-hamas-minister-und-das-visum/#respond)
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Norwegens Nationalfeiertag

Heute ist der 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag. Gefeiert wird die Unabhängigkeit von Schweden, deren hundertstes Jubiläum man letztes Jahr beging. Die ZEIT hatte damals auch einen guten Artikel darüber, wie es dazu kam und welche Rolle Deutschland dabei spielte.

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Noch einmal zur Citymaut in Stockholm

Den Autoverkehr in Großstädten einzuschränken, halte ich für eine gute Idee. Dass Stockholm eine Maut für den Innenstadtbereich eingeführt hat, habe ich neulich schon erwähnt und dabei auch den Überwachungsaspekt angeschnitten. Denn leider wurde die Maut nicht anonym umgesetzt, sondern es werden Nummernschilder gelesen und gespeichert.

Natürlich gibt es auch in Schweden ein Datenschutzgesetz (PUL (S)), aber sobald Daten über Personenbewegungen aufgezeichnet werden, entstehen eben auch Begehrlichkeiten von Seiten der Polizei, damit Bösewichte zu fangen – genauso wie bei der LKW-Maut in Deutschland. Nun sagt ja ein Nummernschild noch nicht notwendigerweise etwas über den Fahrer aus, aber obwohl es gesetzlich nicht erlaubt ist, können Gesichter mitfotografiert werden (S).

Alles in allem scheint der Verkehr in Stockholm aber tatsächlich weniger geworden sein und die baldige Volksabstimmung darüber, ob die Maut wieder abgeschafft werden soll, wird wohl fürs Beibehalten ausgehen (S). Das ist vielleicht nicht verwunderlich, weil nur Bewohner des Stadtgebietes abstimmen dürfen, die auch vom verringerten Verkehr profitieren, nicht aber die Pendler aus den weitläufigen Vororten, die weniger gut auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen können, und damit eher gegen die Maut sind.

In Göteborg ist ein ähnliches System geplant. Allerdings werden dort die Bewohner wahrscheinlich gar nicht erst gefragt (S).

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Wort der Woche: Snus

Snus ist eine Art Kautabak, es wird aber nicht gekaut sondern sich unter die Oberlippe gesteckt. Das Nikotin geht dann über die Mundschleimhäute ins Blut und man sagt, dass der Effekt sehr stark sein kann. Damit das Nikotin schneller eindringen kann, sind dem Tabak Salze beigemischt und angeblich früher auch kleine Glassplitter. Snus gibt es in kleinen runden Dosen, die entweder kleine Päckchen enthalten, oder den losen feuchten Tabak, den man selbst portioniert.

Wenn man aufmerksam ist, erkennt man viele Menschen in Schweden, v.a. Männer, an einer ausgebeulten Oberlippe oder der runden Dose in der Gesäßtasche als Snusbenutzer. Snus ist nach dem europäischen Tabakgesetz eigentlich verboten, aber in Schweden eben noch so wichtig, dass es sich eine Sonderregelung erkämpft hat.

Die Frage nach der Gesundheitsgefährdung ist nicht einfach zu beantworten. Anders als beim Rauchen wird die Lunge ja nicht gefährdet, aber Snus steht im Verdacht Mund- und Halskrebs hervorzurufen und schädigt zumindest das Zahnfleisch. Neuere Meldungen (S) gehen aber eher dahin, dass das Krebsrisiko überschätzt wurde.

Wer mehr wissen möchte, lese den erstaunlich guten deutschen Wikipedia-Artikel Snus. Meine persönliche Meinung zu Snus: eklig.

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Zurück in Deutschland

Wenn man lange Zeit in Schweden (oder anderswo im Ausland) gelebt hat und dann für kurze Zeit zurück nach Deutschland kommt, fallen einem allerlei Dinge auf, die man früher nie bemerkt hat. Ich bin zur Zeit in meiner alten Heimat bei Aschaffenburg und habe leider wenig Zeit, hier zu schreiben. Ab nächster Woche geht es aber im normalen Takt weiter und auch oben genannte Auffälligkeiten werden Erwähnung finden.

In der Zwischenzeit stöbert doch einfach im Archiv. :-)

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Breitband-Internet in Schweden

Hier wird nicht gekleckert sondern geklotzt, wenn man von einem Breitbandanschluss spricht: 100 Mbit/s für Downloads und 10 Mbit/s für Uploads bekommt man für umgerechnet 35 Euro. Das gilt zwar nur für Wohnungen, die mit einer Netzwerkdose ausgestattet sind, aber das sind sehr viele. Wer nur mit DSL über die Telefonleitung ins Internet kann, ist aber mit 24 bzw. 1 Mbit/s Down- bzw. Uploadgeschwindigkeit immer noch besser versorgt als jeder Deutsche, der es (für mehr Geld) bis auf 6 bzw. ein halbes Mbit/s bringen kann.

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Wort der Woche: Jantelagen

Das Jantegesetz (lag = Gesetz) ist nach dem fiktiven Ort Jante benannt, der im Buch Ein Flüchtling kreuzt seine Spur des dänisch-norwegischem Schriftstellers Aksel Sandemose vorkommt. Das Buch von 1933 ist nicht nur Namensgeber, sondern das Jantelagen selbst wird darin erfunden und hat seitdem einen festen Platz in der skandinavischen Kultur. Es besteht aus mehreren Geboten:

  • Du sollst nicht glauben, dass du etwas bist.
  • Du sollst nicht glauben, dass du schlauer bist als wir.
  • Du sollst nicht glauben, dass du besser bist als wir.
  • Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
  • Du sollst nicht glauben, dass du uns überlegen bist.
  • Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
  • Du sollst nicht über uns lachen.
  • Du sollst nicht glauben, dass sich jemand für dich interessiert.
  • Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

(Übersetzung von mir)

Im Alltag wird es oft vereinfacht im Sinne von Du bist nicht besser als alle anderen! gebraucht und die doch etwas depressiv lautenden Teile weggelassen. Das Jantelag spielt in der Mentalität der Menschen eine große Rolle, auch wenn es nicht immer bewusst mit diesem Begriff verknüft wird.

Zunächst einmal klingt es ja sympatisch, dass man sich selbst nicht für etwas besseres halten soll. Eine Ermahnung zur Bescheidenheit eben. Es hat in der positiven Bedeutung auch etwas mit lagom zu tun, dem Wort der Woche von vor zwei Wochen, das genau richtig bedeutet. Im Sprichwort lagom är bäst (genau richtig ist am besten) deutet sich aber schon an, wie das an sich bewundernswerte Prinzip, dass alle Menschen sozial gleich sind, sich ins Negative wenden kann.

Das geschieht dann, wenn der Wunsch, nicht herauszuragen, nicht nur auf sich selbst angewendet wird, sondern zur Norm wird, gegen die man nicht verstoßen darf. Die Tendenz, nicht aufzufallen, und alles, was nicht konform ist, misstrauisch zu beäugen, gibt es in der schwedischen Gesellschaft und trägt auch zum Gemeinschaftsgefühl der skandinavischen Länder bei. Ich habe das oben genannte Buch leider nicht gelesen, es ist aber meines Wissens satirisch gemeint und will aufzeigen, wie der einzelne von der Gemeinschaft, in der Konformismus als Ideal gilt, unterdrückt und an Selbstentfaltung gehindert wird.

Am besten tritt der Einfluss des Jantelag in Diskussionen zutage. Es ist generell unangemessen, laut zu reden oder das Gespräch an sich zu reißen. Es wird diskutiert bis zum Konsens und man merkt oft, dass Leute mit ihrer wirklichen Meinung nicht herausrücken. Denn wenn man auf seiner eigenen Meinung beharrt und sie vehement verteidigt, wirkt man nicht nur äusserst unhöflich, sondern bringt seine Gesprächspartner in Bedrängnis, weil ihnen diese Situation fremd ist. Solange man unsensibel für diese kleinen Unterschiede ist, die auch weniger ausgeprägt sind, wenn man nicht schwedisch spricht, kann es vorkommen, dass man ohne (nach deutschem Maßstab) harte Diskussion mit seiner Meinung Recht bekommt. In Wirklichkeit hat man allerdings seine Meinung lediglich den anderen aufgezwungen und das Jantelag hat verhindert, dass sie auf gleiche Weise antworten. Natürlich funktioniert es nicht auf Dauer, sich auf diese Weise durchzusetzen, sondern man wird gemieden und isoliert, wenn man es übertriebt.

Das Jantelag und der nahe damit verknüpfte Gleichheitsgedanke haben aber auch positive Seiten. Existierende Hierarchien treten beispielsweise weniger stark hervor. Der schwedische Sozial- und Fürsorgestaat hängt auch mit dieser Grundeinstellung zusammen. Obige Darstellung entspricht meiner Erfahrung, ich möchte aber betonen, dass es sich trotz allem um subtile Unterschiede handelt, die nur in gewissen Situationen auffällig werden.

Eine interessante Frage zum Schluss: Soll man sich als Einwanderer dem Jantelag unterwerfen und ein typischer Svensson werden? Zu einem gewissen Grad muss man dies wohl tun, denn sonst eckt man zu oft an. Dass Deutsche generell als laut und unhöflich gelten, kann man darauf zurückführen, dass sie das Jantelag oft missachten. Trotzdem wäre es nicht gut, als Einwanderer unglücklich zu werden, weil man sich eingeschränkt fühlt. Man muss sich des Jantelagen bewusst sein und, wie für alle Regeln, selbst entscheiden, wann man sie bricht und wann man es lässt.

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Endlich Frühling

Übers Wetter zu schreiben mag banal erscheinen, aber wenn man 8 Monate lang mit Jacke unterwegs war und plötzlich ein Tag mit Sonne und 20 Grad (plus!) kommt, dann ist das ein Ereignis. Die Menschen strömen nach draußen und die Stadt lebt auf. Die Bäume schicken endlich ihre Blätter nach draußen, um nichts vom kurzen Sommer zu verpassen und es ist alles völlig anders als noch vor einer Woche. :-)

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