Buchbindungen

Tipps per Email sind immer willkommen, hier einer von Stefan: In diesem Video erklären zwei Verlagsmenschen, was es hierzulande an unterschiedlichen Buchbindungen gibt und welche wann üblicherweise angewendet wird. Wer schon immer wissen wollte, was der Unterschied zwischen pocket und häftad ist, bekommt da Antwort.

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Tote Nerze

Dieses Bild ist beileibe kein schöner Anblick. Es zeigt einen riesigen Berg toter, enthäuteter Nerze. Auch das ist Schweden.

Dass so etwas Empörung hervorruft, kann ich nachvollziehen, finde es aber wichtiger, wie die Tiere gelebt haben und gestorben sind, als dass. Das Anprangern von leidensvollen Zuständen in den Pelzfarmen ergibt Sinn, deren generelle Ablehnung nur, wenn man jegliche Art von Nutztieren schrecklich findet.

Außerdem verspielen selbsternannte Tierschutz-Aktivisten viele Sympathien mit Freilassungsaktionen, bei denen ein Großteil der Tiere stirbt und der umgebenden Natur schadet.

Siehe auch das Wort der Woche: Mink.

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Licht an, Licht aus

Schaut euch einmal dieses Bild von Europa bei Nacht an. Das ist in Falschfarben kodiert, die die Entwicklung von 1993 bis 2003 darstellen: Weiss/grau ist unverändert hell; blau markiert die schwächer gewordenen oder verschwundenen Lichter; gelb und orange sind die heller gewordenen Regionen (wobei letztere die absolut stärkeren sind) und rot sind die neu hinzugekommenen Lichtquellen.

Man kann größere Städte und Ballungszentren sehr schön ausmachen und sieht an den scharfen Kontouren, dass Menschen gerne an Küsten leben. Der Nil sticht in beindruckender Weise hervor.

In Bulgarien gingen die Lichter aus, in Rumänien an. In der Ukraine herrschte in den fraglichen zehn Jahren der Blues, ganz Irland leuchtete dagegen auf. Generell wurde Europa heller (viel gelb/orange) und ein paar Gas- oder Öfelder in der Nordsee scheinen zugemacht zu haben.

Was ist mit Schweden? Die drei Ballungszentren Stockholm, Göteborg und Malmö scheinen mir weniger gelb als viele Städte auf dem Kontinent und man sieht erstaunlich viel Blau: von Linköping westlich bis unter den Vänern, die Gegend Östersund und fast der ganze Küstenstreifen nördlich von Gävle. Gelb- und Rottöne findet man vor allem in einem breiten Band westlich von Stockholm, also dem Mälartal und Umgebung. Das alles passt mehr oder weniger ins Bild von der Verstädterung Schwedens, die – obwohl weit fortgeschritten – immer noch anhält.

Den Rest der Welt kann man sich in dieser Bildergalerie ansehen, über die ich auch darauf aufmerksam wurde. Asien ist besonders sehenswert und ein paar Minuten daraufstarren wert (die Koreas!).

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Skandal um privatisierte Altenbetreuung

Seit ein paar Wochen bringt Dagens Nyheter (DN) fast täglich etwas zu Missständen, die sie in privat geführten Stockholmer Altenheimen aufgedeckt haben; alle Artikel zum Thema hier.

Dazu muss man vorab wissen, dass in Schweden die Altenversorgung zwar in der Regel vom Staat bezahlt wird, aber die Ausführung der Tätigkeiten und der Betrieb der Einrichtungen “dem Markt geöffnet” wurde, so dass Firmen mit den kommunalen Anbietern konkurrieren. Die Idee war vorrangig, dass die Angestellten selbst Einrichtungen übernehmen können und so der staatliche Apparat geschrumpft wird. Außerdem verprach man sich mehr Effektivität und Qualität im Pflege- und Gesundheitsbetrieb; als eine Studie neulich keine Bestätigung dafür fand, wurde versucht, sie verschwinden zu lassen, was wiederum ein Skandälchen für sich war.

Kritiker der Privatisierung in Pseudomärkten, die ganz vom Staat finanziert werden – bei schwedischen Schulen ist das ganz ähnlich – können sich von DNs Enthüllungen bestätigt sehen. Der private Pflegedienstleister Carema ist einer größten Firmen in diesem Bereich und macht anscheinend das Senken von Kosten zur obersten Priorität – ich erspare euch die Details der Zustände. Kurz gesagt scheffelt Carema Millionengewinne aus Steuergeldern, anstatt seinen Auftrag ordentlich auszuführen.

Außerdem gehört Carema einer Investmentfirma, die alles versucht, um in Schweden keine Steuern zu zahlen, inklusive Zuhilfename von Steuerparadiesen. Einmal abgesehen von der Frage, was Risikokapital in einem risikofreien, weil staatsfinanzierten Markt verloren hat, ist eine besondere Perversion an dieser Geschichte, dass schwedische Pensionsgelder über Fonds in Caremas Mutterkonzern angelegt sind. In anderen Worten: Heutige Pensionssparer verdienen (zum geringen Teil, aber dennoch) daran, dass die jetzigen Rentner länger in ihren nassen Windeln liegen.

Weil dieser Skandal mitten ins Herz der Regierung und ihrer Ideologie trifft, tut sie sich schwer damit. Und DN spielt das Spiel sehr gut, das Thema lange am Leben zu halten, indem man Stück für Stück immer mehr preisgibt (heute zum Beispiel, dass IKEA-Gründer Ingvar Kamprad auch kräftig investiert hat). Gestern kam dann endlich die politische Reaktion. Man will die Kontrollen verschärfen, sowohl im praktischen Betrieb als auch in den Regeln zum Geldfluss. Und die gesetzlichen Möglichkeiten, Missstände öffentlich zu machen, sollen auch verbessert werden, denn die Mitteilungsfreiheit gilt erst einmal nur für staatlich angestellte.

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Stand der Entwicklung

Das UNDP hat den diesjährigen Bericht zum weltweiten Entwicklungsstand veröffentlicht, der Länder mit Hilfe des Entwicklungsindex HDI vergleicht, in den Einkommen, (Aus-)Bildung und Lebenserwartung einfließen.

In dieser Rangliste landet Schweden auf Platz 10, direkt hinter Deutschland und vor der Schweiz. Norwegen belegt die Spitze vor Australien. Interessant ist die Veränderung, wenn man den HDI auf Verteilungsgerechtigkeit korrigiert: Dann rutschen die USA von Platz 4 auf 23, Schweden steigt auf Platz 3 und Deutschland auf 7.

Ebenfalls im Bericht findet sich der Gleichberechtigungsindex und hier führt in der Tat Schweden die Welt an; vor Holland, Dänemark, der Schweiz, Finnland, Norwegen und Deutschland wieder auf Platz 7.

Die gresamte Tabelle findet man in der Kurzversion des Berichts (PDF) – was DN davon hält, steht hier.

Nachtrag 111117: Vor fünf Jahren hatte ich das Thema schon einmal, wie ich gerade zufällig entdeckte.

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9 von 10 bleiben weg

Wie erwartet hat die Einführung von Studiengebühren für Nicht-Euopäer an schwedischen Unis verheerende Auswirkungen: deren Anzahl ist von 16600 auf 1200 gesunken, die Einnahmen sind dementsprechend gering und Ausbildungsprogamme in Naturwissenschaft und Technik müssen deshalb gestrichen werden. Kompetenz geht verloren und man riskiert die Zukunft der hiesigen Hochtechnologie.

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