[Videolink](http://www.youtube.com/watch?v=K8MkVIe9xGc), [Refused](http://de.wikipedia.org/wiki/Refused), [Umeå hardcore](http://en.wikipedia.org/wiki/Umeå_hardcore)
Die ZEIT schreibt über gesprengte Geldautomaten:
Wie in so vielen Dingen sind auch bei Attacken auf Geldautomaten die Skandinavier den Deutschen voraus. Weil Dynamit in Privathaushalten lange gebräuchlich war, jagte man in Schweden die Automaten von Anfang an in die Luft. [...] Die Stärke der Tresorwände spielt eine Rolle. In den USA stehen viele Geldautomaten in Geschäften, Restaurants und Bars. Dort gelten sie als wenig gefährdet – es sind, salopp gesagt, Sardinenbüchsen. Deutschland liegt mit Spanien und Frankreich im internationalen Mittelfeld. Die dicksten Tresore haben die Schweden.
Zugegeben, das Dynamit hat ein Schwede erfunden: Alfred Nobel. Ja, der mit den Preisen. Das mit dem “Dynamit in Privathaushalten” höre ich allerdings zum ersten Mal. Weiß dazu jemand mehr?
Früh aufstehen, das Boot geht schon um acht. Duschen; bis zur nächsten sollten ein paar Tage vergehen. Fertig packen, Zelt, Schlafsäcke, Essen für zwei Tage. Die Einkaufsmöglicheiten auf den Inseln sind begrenzt. Auf zum Strömkajen, dem Anlegeplatz gegenüber vom Stockholmer Schloss, von wo aus die Boote des Waxholmsbolaget in die Schären aufbrechen. Hunderte von Inseln warten darauf, erkundet zu werden. Zwei Stunden auf dem Boot. Das Wetter hält, was die Vorhersage versprach. Die wahrscheinlich letzten richtig warmen und windstillen Tage des Jahres. Erster Halt: Grinda. Fußmarsch und Suche nach einer netten Klippe zum Baden, abseits von den belagerten Stränden. Fündig werden, Gepäck und Kleidung ab-, Badehose anlegen, ab ins kühle Nass. Herrlich. Herausklettern, in der Sonne aufwärmen. Rastlos werden, Kamera hervorholen. Landschaft und vorbeifahrende Boote fotografieren. Wieder ins Wasser. Hungrig werden. Zurück zur Anlegestelle. Beim Anblick der Hundertschaften, die jetzt aussteigen, froh sein, das frühe Boot genommen zu haben und jetzt weiter zu ziehen. Mittagessen und ein kühles Helles auf dem Boot. Nächster Halt: Möja, eine der größeren Inseln, ehemals für Erdbeerplantagen bekannt und eine der wenigen auch-im-winter-bevölkerten. Durch die Idylle mit roten Holzhäusern streunen, Eis essen, das Heimatmuseum in zwei Hütten aus dem 18. Jahrhundert besuchen und sich von der gesprächigen Alten von damals erzählen lassen. Aufs letzte Boot des Tages warten. Hoffen, dass wir den Fahrplan richtig gelesen haben und dass es wirklich das Boot ist, auf dem wir unser Gepäck gelassen haben. Ist es. Kurze Überfahrt zum Granholmen. Abgelegener Ort. Dem linealbreiten, aber gut markierten “Hauptweg” über Stock und Stein folgen, um nach einer halben Stunde im Naturpark anzukommen, in dem man zelten darf und wo es Pump-Brunnen und Plumpsklo gibt. Und Schafe. Und eine Bucht mit perfekten Bade-Klippen. Zelt aufschlagen, das einzige weit und breit. Baden. Sich an einem Stück Glas in den Finger schneiden, Klippen vollbluten. Interessant, dass ein so kleiner Schnitt Spuren hinterlässt, als habe man eines der Schafe abgestochen. Pflastern, gut is’. Mitgebrachten Grill anzünden, essen, eine Flasche Wein. Abendspaziergang über die Kippen, Sonnenuntergang. Schlafen.
Vom Geblöke aufwachen. Vor dem Frühstück baden. Entdecken, dass zwei Deutsche um die Ecke mit ihrem Kajak angelegt und gezeltet haben. Frühstück unter Mückenattacken. Käse aus der Tube auf Polarbröd, schwedische Spezialitäten. Immerhin eine Tasse warmen Tee dazu. Der Pulverkaffee wurde wegrationalisiert. Packen, aufbrechen. Mit spürbar leichterem Gepäck zurück durch den Wald zur Anlegestelle. Merken, dass wir uns am Abend zuvor verlesen hatten. Das Boot kommt erst in einer Stunde. Ausharren, lesen, ein wenig auf den Klippen klettern. Auf dem Boot endlich Kaffee. Auf nach Finnhamn. Im Gegensatz zum verlassenen Granholmen ist dort Hochbetrieb. Eine Herberge, ein Restaurant, ein kleiner Supermarkt. Wege, auf denen Quads mit kleinen Anhängern fahren können. Ein bevölkerter Zeltplatz, inklusive lauten Teenagern, die die Nacht durchmachen, wie sich herausstellen sollte. Baden, in der Sonne liegen, Insel erkunden. Hier deutet sich die alte Kulturlandschaft an und man hält die kleinen Äcker und Wiesen frei, damit sie nicht bewalden. Essen für den Abend kaufen. Lachs und eingelegte Heringe, Kartoffeln und ein Folköl. Längerer Abendspaziergang über den Steg zur unbewohnten Nachbarinsel. Immer wieder erstaunlich, wie schnell die Landschaft wechselt. Von kargen, nur mit Flechten bewachsenen, von der Eiszeit plattgeschliffenen Felsen sind es oft nur wenige Meter bis in feuchte djungelartige Wälder. Ein Reh sehen, das sich angesichts der vielen Stockholmer offenbar nicht mehr um sie schert. Ab ins Zelt, Schlafenszeit.
Früh aufwachen, zusammenpacken, zum Steg. Frühstück an Bord, mit Kaffee. Richtung Stockholm, aber mit Aufenthalt in der einzigen Stadt im Schärengarten: Vaxholm. Schlendern, Badeplatz finden, zu Mittag essen, wie alles bisherige in bestem Wetter. Sonnencreme Faktor 40 ist übrigens super. Wieder aufs Boot, diesmal die über hundert Jahre alte Västan, die uns zurück nach Stockholm bringt.
Ein Tag daheim. Lockend ruft die noch gültige 5-Tages-Karte nach einem letzten Tagesausflug. Morgen soll schließlich das Wetter wieder schlechter werden. Gut zwei Stunden bis Lådna. Sommarpratare als Podcast hören. Ankommen. Insel durchqueren. Idyllische alte Siedlung. Anscheinend noch aktive Landwirtschaft. Auf der anderen Seite mit Hilfe des Båtluffarleden übersetzten: Je ein Ruderboot auf beiden Uferseiten zum allgemeinen Gebrauch. Damit wieder je eines auf beiden Seiten liegt, rudert man hinüber, holt das andere Boot, lässt es auf der Startseite zurück und rudert dann zum dritten und letzten Mal hinüber. Durch den Wald zur perfekten Klippe. Einen knappen Meter über dem Wasser, mit genug Tiefe zum kopfüber eintauchen. Drei Stunden Baden, Picknick, Sonne, Fotografieren, mehr Sommarpratare. Auf dem Rückweg daran erinnert werden, dass überreife Heidelbeeren lustige Spuren auf sandalbekleideten Füßen hinterlassen. Feststellen, dass jemand so unfreundlich war, nur auf die andere Seite zu rudern, ohne ein Boot auf unserer zu lassen. Zwei Menschen winken, die im Boot vorbei kommen und uns übersetzen. Echte Schärengarten-Bewohner, wortkarg, aber nicht unfreundlich, vor allem nachdem wir erwähnen, dass wir uns die Mühe machen werden, hin und her zu rudern, um wieder ein Boot auf die andere Seite zu bringen. Selbiges tun. Im Ruderboot einen Hinweis auf die Übeltäter finden: ein Kofferetikett vom Flug aus Italien. Zum Anlegesteg auf der anderen Seite der Insel laufen. Unter den anderen Wartenden halb belustigt nach Italienern Ausschau halten. Keine finden. An Bord der original dampfbetriebenen Storskär von 1908 gehen, Richtung Stockholm. Das Boot völlig überfüllt vorfinden. Es ist Sonntag Abend, prima Wetter, und für viele ist der Urlaub jetzt vorbei. Nach Hause schippern lassen. Äußerst zufrieden sein.
Links: Schärengarten, Waxholmsbolaget, Karte über den Stockholmer Schärengarten, Västan, Storskär, Finnhamn, Möja
Die schwedische Krone hat sich wegen ein paar guten Nachrichten aus der Wirtschaft gegenüber Dollar und Euro zuletzt ein wenig erholt und liegt derzeit bei etwa 10,25 Kronen/Euro.
Dass man in Schweden vielerorts mit Euro bezahlen kann und dass einige Gemeinden ihn sogar als offizielle Zweitwährung eingeführt haben, wusste ich. Äußerst interessant fand ich dagegen gestern, wie ich meine übrig gebliebenen Euro loswurde.
Die Wechselstube wollte mir nur 9,8 Kronen/Euro geben, was ich dankend ablehnte. Beim Kleidung kaufen, bekam ich einen viel besseren Deal: 11,25 Kronen/Euro! Das liegt weit über dem offiziellen Kurs, die Läden machen also Verlust dabei, besonders weil man das Wechselgeld in Kronen bekommt und damit die Geschäfte als Wechselstube missbrauchen kann. Den Grund für diese “Großzügigkeit” vermute ich darin, dass man einen über einen gewissen Zeitraum gemittelten Kurs verwendet und deshalb die aktuelle Stärkung der Krone noch nicht angekommen ist.
Mit diesem Kurs würde man sogar einen Gewinn machen, wenn man seine schwedische Kreditkarte in Euro belastet und die eigene Bank zurückrechnen lässt. Seltsame Welt.
[Videolink](http://www.youtube.com/watch?v=QfU-4Y4_akY)
Dieses Video hat 2007 einige Preise eingeheimst, darunter den schwedischen Grammy für bestes Musikvideo. Der Titel bedeutet übersetzt “Es dreht sich in meinem Kopf”.
Das Akronym HBT (gesprochen “hohbehteh”) steht für homosexuella, bisexuella och transpersoner, was wohl keiner Übersetzung bedarf. HBT ist damit das schwedische Pendant zur internationalen Abkürzung LBGT und durchaus gebräuchlich.
Die größte HBT-Veranstaltung des Nordens ist Stockholm Pride, das gerade zu Ende gegangen ist. Mit über 700 Programmpunkten in einer knappen Woche war das Festival sehr sichtbar. Der Kungsträdgården wurde zum Pride Garden, das große Kulturhuset am Sergels Torg zum Pride House und der Tantolunden auf Södermalm zum Festivalgelände Pride Park. Seminare, Diskussionsrunden mit Prominenten, Konzerte, Ausstellungen und natürlich jede Menge Feste – es sollte für jeden etwas dabei sein und das diesjährige Thema “Hetero” hat nicht nur in der Szene für Gesprächsstoff gesorgt, wie die Hetero-Norm unser aller Leben beeinflusst.
Ich hatte das Vergnügen, für die paar Tage ein lesbisches Pärchen aus Uppsala zu beherbergen, das mich überallhin mitnahm. Ich habe lange nicht mehr so viel getanzt und gelacht. Höhepunkt war zweifelsohne die Parade am Samstag Nachmittag. Dort sah man nicht nur die politischen Parteien inklusive Parteichefs und Ministern vertreten, sondern über 100 angemeldete Gruppen, von den “stolzen Eltern” bis zur schwedischen Kirche, die sehr schön zeigten, dass Schweden eines der Länder ist, in denen Beziehungen abseits der alten Normen am weitesten in der Gesellschaft angekommen sind und von großen Teilen der Bevölkerung als völlig normal angesehen werden.
Wir reihten uns in die 30.000 Leute ein, die die Parade mitliefen, und zogen hinter dem Wagen mit der lautesten Musik drei Stunden lang tanzend an 350.000 Zuschauern (von Kindern bis Senioren) vorbei – vom Humlegården über den Sergels Torg, durch die Altstadt und Södermalm.
Bilder gibt es unter anderem beim SvD oder im Pride-Blog des Aftonbladet.
Während in der alten Heimat die Ferien gerade erst anfangen, ist für viele Schweden heute der erste Arbeitstag. Passend dazu scheint nach einigen eher regnerischen und kühlen Wochen heute die Sonne und die ganze Woche soll schön und warm werden.