Was ist das da auf dem Bild?
Jeder, der schon einmal in einem mehrstöckigen Wohnhaus in Schweden war, hat sie wahrscheinlich gesehen: diese silbernen, fast immer gleich aussehenden Luken im Treppenhaus. Dahinter verbergen sich – unschwer zu erraten – Müllschächte, die zur Tonne im Keller führen; besser gesagt: geführt haben. Denn heutzutage wird auch in Schweden der Müll getrennt und ein einzelner Schacht ist da wenig hilfreich. Deshalb sind die meisten Müllschächte inzwischen zugunsten von Tonnen im Hof oder in Müllräumen stillgelegt.
Der Sopnedkast kam in den 1930er Jahren auf und wurde in Schweden schnell zur Baunorm. Erst in jüngeren Jahren baut man wieder ohne. Das Wort setzt sich aus sop (sopor (pl.) = Müll), ned (=hinunter) und kast (=Wurf) zusammen.
Das Beispiel im Bild ist aus unserem eigenen Treppenhaus und man erkennt am abmontierten Griff, dass der Schacht auch hier nicht mehr benutzt wird. Der Aufkleber erinnert noch daran, dass man die Mülltüten zuknoten sollte, bevor man sie in den Schacht warf.
Zwei Neuerungen zum Monatswechsel:
Gleichgeschlechtliche Paare können ab heute in Schweden heiraten, nicht mehr nur ihre “Partnerschaft registrieren”.
Ab sofort darf es in Schweden auch “richtige” Eigentumswohnungen geben, nicht nur das übliche Wohnrecht (Artikel überarbeitet). Vorerst jedoch nur bei Neubauten mit mehr als drei Wohnungen.
[Videolink](http://vimeo.com/4032860), [Band-Webseite](http://www.lacrosse.nu/)
Der Dorschbestand in der Ostsee ist in Schweden immer eine Nachricht wert und wurde ja auch an dieser Stelle schon öfter erwähnt. In den letzten Tagen las man allenthalben, dass sich der Bestand erholt hat und wieder auf dem Niveau der 60er Jahre liegt. Man brauche also kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, im Supermarkt zuzugreifen.
Die Journalistin Isabella Lövin, die für ihr Buch zur Überfischung der
schwedischen und angrenzender Gewässer den Großen Journalistenpreis
bekommen hat, relativiert jedoch die
Erfolgsmeldung:
Die Senkung der Fangquoten und die bessere Kontrolle illegaler Fischerei
hätten zwar sicherlich ihren Beitrag geleistet, aber man habe vor allem
Glück gehabt. Denn die Vermehrung des Ostseedorschs hänge stark von
Zuflüssen mit Salzwasser in die
Ostsee ab und 2003 und 2005 fanden eben diese statt, so dass es jetzt
wieder mehr erwachsene Fische gibt. Dorsch wird bis zu 20 Jahren alt.
In den 90ern gab es nur einmal einen solchen Zufluss und damit viele Jungfische. Dieser Jahrgang war mit den damaligen Quoten aber innerhalb weniger Jahre wieder weggefangen. Jetzt gilt es also, die Chance zu nutzen und den Bestand auch langfristig auf sicherem Niveau zu halten, was eigentlich auch im Interesse der Fischindustrie sein sollte, die jedoch immer den Eindruck erweckt, nur ans kurzfristige Geld zu denken.
Als Randnotiz sei noch die bizarre Geschichte erwähnt, wie deutsche Touristen vor ein paar Wochen eine dreiviertel Tonne (!) Dorschfilet aus Norwegen über Schweden schmuggeln wollten und vom Zoll erwischt wurden. Etwa drei Tonnen Fisch mussten für so viele Filets gefangen werden und die Polizei glaubte ihnen nicht wirklich, dass die illegale Fracht für Freunde zu Hause bestimmt war.
Noch bis Sonntag ist im Modernen Museum auf dem Skeppsholmen in Stockholm die bisher größte Ausstellung mit Fotos von Andreas Gursky zu sehen. Nichts wie hin, wer gerade in der Gegend ist.
Der April war ungewöhnlich warm und sonnig, so dass man mittlerweile zu Recht von Frühling sprechen kann. Die ersten Bäume blühen, das Thermometer traut sich über 15 Grad, die grau-braune Welt wird langsam grün und die Menschen zieht es nach sechs langen kalten Monaten in Parks, Cafés und auf die beliebten Spazier- und Joggingwege.
Die Daily Show mit Jon Stewart beleuchtet angesichts der
“sozialistischen Zukunft Amerikas” die erschreckenden Zustände in
Schweden: Teil
1,
Teil
2.
Sehr lustig.
Die Verkündung des harten Urteils im Prozess um die Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay hat seit letzter Woche große Wellen geschlagen. Es gab spontane Demonstrationen mit über 1000 Menschen (das ist viel für Schweden und für so ein recht kompliziertes Thema) und die schwedische Piratenpartei, die sich neben einer Reform des Urheberrecht auch gegen Überwachung einsetzt, hat ihre Mitgliederzahl seit dem Urteilsspruch mehr als verdoppelt.
Mit 35.000 Mitgliedern ist sie jetzt Schwedens viertgrößte Partei und bekommt derweil genug Aufmerksamkeit für ihre Kampagne zur Europawahl in ein paar Wochen, dass es nicht mehr so unwahrscheinlich scheint, dass sie ins Europaparlament einzieht.
Heute morgen kam eine weitere kleine Sensationsnachricht: Das schwedische Radio berichtet, dass es gute Gründe gibt, den Richter des PirateBay-Urteils, Tomas Norström, als befangen anzusehen:
Heute hat die schwedische Zentralbank zum wiederholten Mal den Leitzins gesenkt: von 1.0 auf 0.5 Prozent.
Derweil ist die Krone dabei, ihren Negativrekord von Ende Februar einzustellen. Elf und eine viertel Krone muss man heute für einen Euro hinlegen.