Aktivitäten am Schlosshügel.
(Bild vom letzten Jahr, gerade ist hier der Schnee wieder weggetaut.)
Gestern Abend im Katalin: Anna Ternheim. Sehr schönes Konzert, beeindruckende Stimme.
Wer noch mehr sehen will, schaue hier. :-)
Die Hochhäuser mit Studentenwohnungen in Flogsta, einem Stadtteil am westlichen Ende von Uppsala, werden für eine Milliarde Kronen verkauft (S). Ich habe dort selbst mit Unterbrechung fast zwei Jahre gewohnt, mir mit jeweils 11 Leuten die Küche geteilt und den Flogstaschrei genossen.
Jedes Haus hat eine Sauna auf dem Dach, in der nach der Renovierung jetzt nicht mehr alles erlaubt ist. ;)
Wie schon erwähnt fand neulich das jährliche Kurzfilmfestival (S) in Uppsala statt. Gewinner (S), sowohl beim Jury- als auch beim Publikumspreis, war Medianeras des Argentiniers Gustavo Taretto.
Diesen habe ich verpasst, dafür habe ich mir eine der zweistündigen Zusammenstellungen mit Schwedischen Kurzfilmen, die die Welt erschüttert haben (S) angesehen. Mit dabei waren:
Seltsam, dass ich noch nie ausführlicher über die Nationen hier in Uppsala geschrieben habe. Erwähnt wurden sie jedoch schon gelegentlich. Mit studentnation oder einfach nur nation meint man Studentenverbindungen, wie sie in an den Universitäten Lund und Uppsala im 17. Jahrhundert entstanden und noch heute fortbestehen. Alles Folgende bezieht sich vorwiegend auf die Situation in Uppsala.
Im Gegensatz zu den Verbindungen in Deutschland hat sich in den Nationen keine fragwürdige politische Richtung herausgebildet, was wohl daran liegt, dass alle Studenten Mitglied in einer der 13 Nationen sein müssen (siehe Liste am Ende des Artikels). Die Mitgliedschaft kostet etwa 40 Euro pro Semester und kann insofern mit den Studentenwerksgebühren in Deutschland verglichen werden, als dass die Nationen ähnliche Aufgaben übernehmen und Dienstleistungen für Studenten anbieten. Darunter befinden sich
Clubs mit unterschiedlichen Musikrichtungen und Konzerte
kulturelle Aktivitäten wie Chöre, Orchester, Theatergruppen…
Die Nationen werden von Studenten selbst verwaltet und bauen stark auf freiwilliges Engagement. Für einige Posten mit mehr Arbeit und Verantwortung nehmen Studenten sogar ein Semester oder ein Jahr Auszeit vom Studium und werden dann auch auf Niveau des normalen Studentenlohns bezahlt. Hier sind vor allem die Kuratoren zu nennen:
Der erste Kurator (förste kurator, abgekürzt “1Q”) ist der Chef und vorderster Repräsentant der jeweiligen Nation.
Der zweite Kurator (andre kurator, 2Q) kümmert sich um die Finanzen.
Der dritte (tredje kurator, 3Q) koordiniert die verschieden täglichen und Festaktivitäten.
Die Kuratoren und zahlreichen anderen Posten werden von den Mitgliedern (landsmän) auf Versammlungen (landskap) gewählt, die mehrmals jährlich stattfinden. Nicht wenige schwedische Prominente waren Kurator während ihrer Studentenzeit, zum Beispiel war Dag Hammarskjöld 1Q von Uplands Nation. Jede Nation hat außerdem eine kleine Anzahl Inspektoren, oft Professoren und langjährige Mitglieder, die den Studenten mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Die Nationen sind nach den klassischen schwedischen Regionen (landskap) benannt und geordnet, wobei es im Laufe der Zeit allerlei Zusammenschlüsse und Neugruppierungen gab. Die Mitgliederzahl und damit auch die Vielfalt der Aktivitäten variiert von Nation zu Nation. Norrlands Nation ist die größte und Gotlands die kleinste. Jede Nation besitzt ein Haus im Stadtkern von Uppsala, in dem alle Aktivitäten stattfinden und in dem auch das Herz jeder Nation liegt: der Pub.
Die Pubs sind mehr als nur Kneipe, denn es wird auch Essen serviert und sie dienen als sozialer Sammelpunkt. Wegen des eher symbolischen Lohns der freiwillig arbeitenden Studenten und dank einiger Steuerprivilegien sind alkoholische Getränke unschlagbar billig – 2-3 Euro für ein Bier anstatt der 5-6 Euro außerhalb der Nationen. Das ist der offensichtliche Grund, warum Studenten kaum abseits der Nationen ausgehen, und führt wiederum dazu, dass die Nationen bei Restaurant- und Barbetreibern recht unbeliebt sind und dass das Nachtleben in Uppsala außerhalb der Nationen einiges zu wünschen übrig lässt.
Wegen der Abgeschlossenheit der Nationen kann man fast von einer Zweiklassengesellschaft sprechen, Studenten und Nichtstudenten, denen der Zugang zu den Nationen verwehrt ist. Als Student spielt es jedoch keine große Rolle, in welcher Nation man Mitglied ist, denn alle haben Zutritt zu allen anderen Nationshäusern. Es ist jedoch nicht unüblich, dass man bei der eigenen Nation kein Eintrittsgeld für gewisse Dinge bezahlt.
Schweden wählen oft die Nation der Region, aus der sie ursprünglich kommen, aber nur wenige Nationen verlangen, dass man eine Verbindung zum entsprechenden Landesteil vorweisen kann, um Mitglied zu werden. Austauschstudenten habe freie Wahl und nutzen die angebotenen Möglichkeiten gern, auch um mit Schweden in Kontakt zu kommen anstatt nur mit anderen Austauschstudenten.
Der soziale Aspekt ist ohne Zweifel der Hauptanziehungspunkt der Nationen. Es sind Plätze, an denen man sich trifft und gemeinsam etwas auf die Beine stellt. Durch das breite Angebot gibt es für die meisten eine passende Möglichkeit, sich zu engagieren – sei es bei einem Fest, kulturell oder beim kostenloses Weihnachtsessen für die Armen und Einsamen der Stadt.
Eine Liste der Nationen in Uppsala:
Gotlands, die kleinste Nation.
Östgöta, gesprochen “öchöta”, siehe Västgöta.
Skånelands Nation nimmt ohne eigenes Haus, Aktivitäten und Mitgliedsgebühr eine Ausnahmerolle ein und bietet für diejenigen, die die Nationen ablehnen einen Ausweg. Die Mitglieder von Skånelands haben konsequenterweise auch keinen Zugang zu den anderen Nationen.
Der Verein Einwohner Uppsalas gegen Rassismus, der neulich auch die Demonstration mitorganisierte, ruft für den 9. November zu einem Fackelzug (S) auf, in Erinnerung an die Reichskristallnacht an diesem Datum 1938 in Deutschland. Interessant zu sehen, dass es so etwas (Gedenkveranstaltungen, nicht das Pogrom selbst) auch außerhalb Deutschlands gibt. Ich habe an diesem Abend allerdings schon etwas (S) vor.
Heute morgen bin ich zum ersten Mal diesen Herbst durch Schneematsch geradelt. :-(
Nachtrag 1. Nov: Heute ist Scheegestöber angesagt (für Bilder auf “weiterlesen” klicken). Schnee Ende Oktober oder Anfang November ist nichts Ungewöhnliches – der Schneesturm letzte Woche weiter nördlich hat uns hier in Uppsala nur knapp verfehlt. Heute haben jedoch viele in der Region mit Strom- und Telefonausfällen (S) zu kämpfen.
Mittlerweile ist es Abend und es hat den ganzen Tag geschneit. Die Schneehöhe lässt ich jetzt eher in Dezi- statt in Centimetern messen und es haben sich Verwehungen gebildet, die eher an Januar als an den üblicherweise grauen und tristen November erinnern. Ich habe es zumindest nicht bereut, heute den Bus anstatt des Fahrrades genommen zu haben.
Zum Vergleich – so sah es noch vor vier Tagen aus:
Mileva Marić war die erste Frau Albert Einsteins und hat mit ihm auch während seines “Wunderjahres” 1905 zusammengearbeitet. Es wird viel diskutiert, wie ausschlaggebend ihr Beitrag zur speziellen Relativitätstheorie tatsächlich war, aber es ist wohl nicht untertrieben zu sagen, dass sie mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
Ich weiß nicht, inwieweit Mileva Marić schon länger ein Symbol der (schwedischen?) Frauenbewegung ist, aber ich bin in letzter Zeit häufig über Bilder wie das Nebenstehende gestolpert, das mit einer Schablone auf Straßen und Wege geprüht ist. Der Text lautet “Mileva Marić e=mc^2^” und ich kann mir eigentlich keine andere Motivation dieser Kampagne vorstellen, als im feministischen Sinne zu suggerieren, dass es eine Frau war, die die berühmte Formel entdenkt hat.
Ich bin zwiegespalten in meiner Meinung zu dieser Aktion. Es ist sicherlich nicht die plumpeste Feministenaktivität, die man sich denken kann. Man muss nachdenken, bevor man den Gedanken versteht. Außerdem wird eben ein ungewohnter Name mit dem Symbol “e=mc^2^” verknüpft, der durchaus etwas damit zu tun hat. Anderseits behauptet die Darstellung zu viel, nämlich dass es Mileva Marić anstatt Albert Einstein war, die die spezielle Relativitätstheorie entwarf. Auch wenn vieles umstritten (E) ist, halte ich das doch für etwas weit hergeholt.