SAS-Streik beigelegt

In den letzten Tagen streikte das Kabinenpersonal bei SAS und die schwedische Fluglinie hat mehrere Tage in Folge, auch heute noch, alle Flüge eingestellt. Jetzt hat man sich geeinigt, beide Seiten bekunden Zufriedenheit und ab morgen wird wieder geflogen.

Kann mir jetzt bitte noch jemand erklären, wie man es schafft 10% mehr Lohn herauszuhandeln, wenn der Streit eigentlich vor allem um die Arbeitsbedingungen ging? Dass in mehreren Branchen in Schweden zuletzt solche Gehaltserhöhungen beschlossen wurden, dürfte geholfen haben und ist wohl das deutlichste Zeichen, dass es der schwedischen Wirtschaft gerade sehr gut geht.

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Lieblingssill

Schweden sind zwar regelmäßig verwundert, wenn man ihnen erzählt, dass es eingelegten Hering auch in Deutschland gibt, aber der Variantenreichtum und die implizierte Feierlichkeit des Sill-Essens sind natürlich schon typisch schwedisch.

Ich mag ja am liebsten Senapssill (Senfsoße) und Skärgårdssill (cremige weiße Soße mit Kaviar). Und ihr?

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Überwachung vom Tisch - vorerst

Was ist eigentlich aus den Überwachungsplänen der schwedischen Regierung geworden? Zur Erinnerung: Man will der Radioanstalt der Streitkräfte (Försvarets Radioanstalt, FRA) erlauben, jegliche Telekommunikation über die schwedischen Grenzen hinweg abzuhören. Kritik daran ist zahlreich. Weder kann man im Internet Inland und Ausland trennen, noch sollen die gewonnenen Informationen ausschließlich geheimdienstlich verwendet werden, noch hat es Konsequenzen, dass laut Politikeraussagen schon ohne Rechtsgrundlage abgehört wird, noch ist überhaupt der Bedarf für mehr Überwachung gut motiviert, noch sollte man den im internationalen Vergleich schon sehr schlechten Schutz der Privatsphäre in Schweden weiter aushöhlen.

Initiiert wurde das fragliche Gesetz von der vorigen sozialdemokratischen Regierung und deren Innenminister Bodström, dessen Name ähnlich wie in Deutschland Schily und heute Schäuble sprichwörtlich für den Abbau von Freiheitsrechten verwendet wird. Dass ausgerechnet Bodström und seine Partei Bedenken wegen der Verletzung der Privatsphäre anmeldeten und sich jetzt dazu durchgerungen haben, die Verhandlungen mit der Regierung abzubrechen und ihre Sperrminorität im Parlament zu nutzen, um das Gesetz für ein Jahr auf Eis zu legen, ist seltsam.

Vielleicht sieht man in der Opposition ja die Gefahren klarer und gönnt den Machthabern diese Möglichkeiten nicht. Die bürgerliche Regierung prangert diesen Sinneswandel verständlicherweise an. Der Aufschub ist – unabhängig von der Motivation dahinter – natürlich gut, bedeutet er doch ein Jahr mehr Zeit für die Überwachungsgegner, Bewusstsein in der Bevölkerung für dieses Problem zu wecken. Selbiges ist nach einer neuen Studie unter schwedischen Jugendlichen trotz hoher Technikkompetenz leider nicht sehr ausgeprägt.

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Wort der Woche: Poltava

Poltava ist nicht wirklich ein schwedisches Wort, sondern eine Stadt in der Ukraine, gut 300 Kilometer südöstlich von Kiev. Die Verbindung zu Schweden liegt 300 Jahre zurück, als der junge schwedische König Karl XII. auf die Idee kam, Rußland zu erobern. Zu dieser Zeit war Schweden eine Großmacht im Ostseeraum. Die Schlacht von Poltava im Jahre 1709 markiert den Wendepunkt des Krieges zugunsten Russlands, an dessen Ende Schweden keine Großmacht mehr war.

Für die Geschichte Osteuropas ist die Schlacht ein wichtiges Ereignis, begründete sie doch unter anderem die jahrhundertelange Herrschaft Russlands über das Gebiet der heutigen Ukraine. “Wie ein Schwede bei Poltava” ist dort noch heute sprichwörtlich für Hilflosigkeit. Wer die Geschichte des stümperhaften Karl XII. in Osteuropa genauer wissen möchte, dem seien die Wikipedia-Artikel zum großen nordischen Krieg und natürlich zur Schlacht von Poltava selbst ans Herz gelegt.

Heute verehren Nationalisten Karl XII. als “Kriegerkönig”, andere nennen ihn schlicht einen Verlierer. Neue Ausgrabungen mit schwedischer Beteiligung sollen diesen Sommer auf dem Schlachtfeld von Poltava beginnen und mehr Licht auf die größte militärische Niederlage der schwedischen Geschichte werfen.

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Unschwedisch

Wir stehen zu zweit auf der Brücke. Mit Kinokarten in der Tasche unterhalten wir uns bis die Vorstellung anfängt und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Eine Frau mittleren Alters stellt sich ein paar Meter weiter und sieht glücklich aus. Sie sieht zu glücklich aus und schaut etwas zu sehr in unsere Richtung, als dass man nicht misstrauisch würde, sie wolle etwas. Schon fängt sie an zu reden. Welch wunderbarer Anblick das sei. All die Blumen in der Stadt. Und der japanische Kaiser. Und der Vortrag von Watson gestern, der habe sie ja so froh gemacht, wie dieser alte und hochdekorierte Mensch auf der Bühne gekichert hat und eine solche kindliche Neugier an den Tag legte. Das gebe ihr Hoffnung fürs Altwerden. Der Planetenforscher sei ja auch sehr gut gewesen. Aber anders, mehr effektiv. Er habe Wissen vermittelt und sie habe diese Wissensvermittelung wahrlich genossen. Aber der Kardinal später, der sei ja Deutscher gewesen und auch wenn er auf Englisch geredet habe, sei er ja so super-duper-deutsch gewesen. Ewig lang habe er geredet. Sie macht ein gequältes Gesicht. Ich schaue mitleidig, erwähne jedoch nicht, dass ich auch in diesen Vorträgen saß, sondern gebe ihr ein scherzhaft abfälliges “Katholiken!” als Antwort. Ach nein! Sie sei ja selbst katholisch, aber dieser Kardinal, ne, den mochte sie nicht.

Es ist Zeit, auf unseren Kinobesuch hinzuweisen, uns zu verabschieden und ein wenig über diese Begebenheit zu lächeln. Denn erst wenn jemand die ungeschriebenen Normen bricht, fallen sie einem auf. Es ist in Schweden ungewöhnlich, auf der Straße angesprochen zu werden, erst recht von Schweden.

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Stefan Sundström - Livet är liksom en fest

([YouTube DirektLink](http://youtube.com/watch?v=9L4lm5Yrhqs), [schwedische Wikipedia über Sundström](http://sv.wikipedia.org/wiki/Stefan_Sundstr%C3%B6m))

Ich bin erst neulich auf Stefan Sundström aufmerksam geworden, der ein schwedischer “Singer-Songwriter” mit eigensinnigen realitätsbeschreibenden beziehungsweise -kritischen Texten zu sein scheint. Sehr interessant.

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Die Tankstelle in Grissla

Wer schon einmal die E4 von Uppsala ein Stück nördlich gefahren ist, hat sie sicher gesehen, die alte verfallene Tankstelle am westlichen Straßenrand, etwas südlich von Tierp. Nach etwa 40 Jahren Betrieb wurde die Mack Ende der 80er Jahre eingestellt und seitdem verfällt das Gebäude. Es ist so herrlich fehlplatziert im ordentlichen Schweden, dass es eine gewisse Bekanntheit erlangt hat. Angeblich ist die Tankstelle sogar auf einem CD-Cover von Kent zu sehen, das ich jedoch weder kenne noch im Netz finden kann.

Erstaunlicherweise scheint sich die ganzen Jahre kaum jemand am Anblick gestört zu haben, aber jetzt haben Bewohner von Grissla sich in einem Brief an die Gemeinde beschwert. Leute würden dort Müll abladen und ihr Geschäft verrichten. Außerdem ist das Dach mittlerweile einsturzgefährdet. Vielleicht schaffe ich es ja noch zu einem “Fototermin” mit der Tankstelle, bevor sie verschwindet. Interessante Bilder dürften das werden, auch wenn ich nicht der erste mit dieser Idee bin.

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Ehrendoktoren II

Nach der ersten Runde mit Vorträgen am Morgen, hörte ich gestern nachmittag noch zwei weiteren Menschen zu, die heute ihre Linné-Ehrendoktoren verliehen bekommen.

Da war zuerst der deutsche Kardinal Walter Kasper, laut Begründung einer der international meistbekannten Theologen. Von meiner Ablehnung gegenüber Religion einmal ganz abgesehen, kann ein Theologe natürlich prinzipiell schon Interssantes von sich geben. Leider war dem nicht so bei Herrn Kasper. Neben Name-Dropping von berühmten Philosophen war seine Hauptaussage lediglich, dass es der heutigen Zeit an Vision und Hoffnung mangelt und dass Religion, vor allem natürlich das Christentum, dazu einiges beitragen kann. Das Ganze wurde äußerst verschwurbelt und in fast unverständlichem Englisch über eine Stunde lang vorgetragen. Leute verließen den Saal vorzeitig und ich gönnte mir zwischenzeitlich ein paar Minuten Schlaf. Kasper war der einzige der Redner gestern, der sich nicht für die Einladung und die Möglichkeit zu reden bedankte.

Auch der Ehrendoktor der juristischen Fakultät geht übrigens an einen Deutschen: Christian von Bar, der an der Uni Osnabrück lehrt.

Am späteren Nachmittag gab es dann das schon erwähnte Gespräch zwischen Kofi Annan und Jan Eliasson, die nach beiderseitiger Aussage eine besonders enge Zusammenarbeit aus der Zeit verbindet, als Eliasson Vorsitzender der UN-Vollversammlung war. In dieser Runde war es verzeihlich, dass sich alle gegenseitig Honig um den Mund schmierten. Sinn der Veranstaltung war kein Streitgespräch und auch nicht die Vermittlung von sonderlich viel Information, sondern die Möglichkeit, die entscheidenden Personen selbst ihre Sicht der Dinge erzählen zu lassen.

Die
Gesprächsrunde
(v.l.n.r: Peter Wallensteen, Professor für Friedens- und Konfliktforschung in Uppsala und Moderator des Gesprächs; Kofi Annan; Jan Eliasson; Anna Kläppe, Studentin)

Ein Schwerpunktthema war die von Annan initiierte “responsibility to protect”, die einerseits die internationale Gemeinschaft dazu anhält, nicht tatenlos Verbrechen gegen die Menschlichkeit zuzusehen, und gleichzeitig Regierungen ermahnt, dass sie sich nicht auf ihre staatliche Souveränität berufen können, wenn sie ihr Volk misshandeln, sondern dass sie mit Einmischung von außen zu rechnen haben. Bis dieses Prinzip konsequent angewandt werde, wird jedoch noch einige Zeit vergehen, bedauerte Annan.

Ich habe das Gespräch aufgenommen (MP3, 24MB), mit dem internen Mikrophon des MP3-Players und der vollbesetzten Aula wurde die Audioqualität jedoch leider ziemlich mies. Ich habe wenig Ahnung von Audiobearbeitung, aber wenn sich jemand, der sich damit auskennt, an der Originaldatei (WMA, 33MB) versuchen würde und mir das verbesserte Ergebnis zukommen ließe, würde ich (und alle späteren Hörer) mich natürlich freuen.

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Vitsippa

Vitsippa

Übrigens habe ich einmal alle Bilder, die ich hier im Laufe der Zeit zwischen die Texte gestreut habe, in einer eigenen Galerie zusammengefasst. So lassen sie sich bequemer anschauen und ein dunkler Hintergrund und der weiße Rahmen lassen Bilder noch einmal besser wirken.

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