Wort der Woche: 1 X 2

Wo spielt sich die Handlung der Buddenbrooks ab?

  • 1. Berlin
  • X. Lübeck
  • 2. Frankfurt

So fragte Dagens Nyheter neulich seine Leser in einer Deutschlandbeilage, die an dieser Stelle schon zusammengefasst wurde. Richtig ist in diesem Fall Lösung X, aber das Kreuz markiert keineswegs immer die korrekte Antwort.

1 X 2, ausgesprochen “ett, kryss, två”, ist nämlich die in Schweden durchgängig übliche Nummerierung von möglichen Antworten auf eine Frage – also das Äquivalent zum in Deutschland üblichen a), b), c). Man sieht außerdem selten mehr als drei Möglichkeiten, denn das würde ja nicht mehr ins symmetrische 1 X 2-Schema passen.

Ihre Herkunft hat diese Aufzählungsweise bei Sportwetten, wo eben entweder Mannschaft 1 gewinnt, es unentschieden ausgeht (X) oder Mannschaft 2 gewinnt. Wie man am obigen Beispiel sieht, wird 1 X 2 aber allgemein verwendet. Es ist für Schweden so normal, dass viele keine Antwort auf die Frage geben können, warum man das so benennt, weil sie noch nie über diese Selbstverständlichkeit nachgedacht haben. Die Alternativen mit 1, 2, 3 oder a, b, c zu nummerieren ist auf jeden Fall ungewöhnlich, es sei denn es werden wirklich mehr als drei Antworten zur Auswahl gestellt, z.B. in Quizshows.

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Radio Königsberg

Wenn ich mich recht erinnere, habe ich in der Schule trotz der extensiven Behandlung des zweiten Weltkrieges im Geschichtsunterricht kaum etwas über die Rolle Skandinaviens erfahren. Ganz kurz gesagt wurde Norwegen von den Deutschen erobert und Schweden war offiziell neutral, erlaubte jedoch die Passage von Truppen und verdiente sehr gut mit Eisenerzlieferungen an Nazideutschland.

Niclas Sennerteg befasst sich in seinem neuen Buch Tyskland talar (“Deutschland spricht”) mit “Radio Königsberg”, dem Radiosender aus dem heutigen Kaliningrad, mit dem etwa 30 schwedische Kollaborateure nazifreundliche Nachrichten und Propaganda an ihre Landsleute verbreiteten. Gesendet wurde von 1940 bis kurz vor Kriegsende und bis zu 10% der Schweden sollen eingeschaltet haben.

Sennerteg betont die Rolle des Senders für die damalige nazifreundliche Einstellung vieler Schweden und die vielfältige Zusammenarbeit, die erst in den neunziger Jahren thematisiert wurde.

Quellen auf Schwedisch und Englisch.

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Zitat des Tages

Das Finanzamt schlägt vor, die Steuerpflicht für Kindermädchen abzuschaffen. Finanzminister Anders Borg findet die Idee interessant.

Heutiges Schlußwort (frei nach Gedächtnis) des Nachrichtensprechers von Rapport. Warum das witzig ist, steht hier.

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Rotes Haus auf dem Mond

Die falunroten Häuser sind eines der Wahrzeichen und Erkennungsmerkmale Schwedens. Der Künstler Mikael Genberg (S) befasst sich mit alternativen Wohnumgebungen und hat rote Holzäuser schon in Bäume und aufs Wasser verlagert. Das aktuelle Projekt, das er seit einigen Jahren verfolgt, ist, ein rotes Haus auf dem Mond aufzustellen.

Warum? Um zu zeigen, dass es möglich ist und um die zerbrechliche Stellung der Menschheit im Universum darzustellen. Die Schwedische Weltraumagentur (E) hat gerade eine Machbarkeitsstudie abgeliefert und würde sich an dem mit 500 Mio. Kronen teuren Projekt beteiligen, wenn das Geld aufgetrieben wird. Schweden wäre damit das dritte Land, das den Mond “erobert”.

Das Haus müsste selbstverständlich sehr leicht sein, und sich selbständig aufrichten, nachdem es gelandet ist. Angepeilt wird das Jahr 2011. Mehr bei der BBC oder the Local, beide Male auf Englisch.

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Fasanenkampf

Fasanenkampf

Was man doch für lustige Fotos im eigenen Archiv findet. :-)

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Ryanair bleibt in Västerås

Ich hatte neulich vermutet, dass die angekündigten Streckenkürzungen von Ryanair in Schweden nicht wirklich etwas mit der angekündigten Flugsteuer zu tun hatten, und zweifelte daran, dass sie rückgängig gemacht würden, weil die Steuer jetzt doch nicht kommt.

Da lag ich falsch. Denn Ryanair ersetzt nicht nur (S) die gestriche Linie Västerås-London/Luton durch eine nach London/Stansted, sondern wird ab Februar auch Dublin von Västerås aus anfliegen.

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Verurteilung wegen Musiktauschens

Heute wurde ein Mann aus Borås zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen^1^ verurteilt (S), weil er urheberrechtsgeschützte Musik über das Internet zugänglich machte. Die Klage kam wenig überraschend von Seiten der Plattenindustrie (IFPI), die trotz der Verurteilung unzufrieden ist. Denn das zu erwartende Strafmaß bestimmt, welche Maßnahmen die Polizei zukünftig in ähnlichen Fällen anwenden darf. Das Gericht hat damit also zukünftige Durchsuchungen der Computer von Privatpersonen erschwert.

Soll man das Urteil jetzt gut oder schlecht finden?

^1^Je nach Einkommen des Bestraften ist ein Tagessatz zwischen 50 und 1000 Kronen (5 bis 110 EUR).

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Mehr Skandal und die Blogger

Es ist kein Ende in Sicht im Skandal um Minister der neuen schwedischen Regierung, die Haushaltshilfen schwarz bezahlten oder sich um Fernsehgebühren drückten, und die daraus folgenden Rücktritte.

Immer noch in der Kritik ist Migrationsminister Tobias Billström, der seine Fernsehgebühren nach eigener Aussage aus Überzeugung nicht gezahlt hatte, und seit Neuestem auch Finanzminister Anders Borg wegen Schwarzanstellung von Hilfskräften. Die Schwere des Falls ist mir hier nicht bekannt, aber ich stelle mal die gewagte These auf, dass Frauen vielleicht genauer unter die Lupe genommen werden und eher zurücktreten müssen als Männer, die sich mehr erlauben können. Die Zahl der ausgewechselten Ministerinnen unter Göran Persson war auch sehr hoch, wenn ich mich recht erinnere.

Außenminister Carl Bildt mischt sich unterdessen weiterhin in Innenangelegenheiten ein und gibt wieder Kritikwürdiges von sich: Er könne viele TV-Reporter nennen, die ebenfalls schwarz bezahlte Putzfrauen haben, damit sie überhaupt arbeiten können. Das Steuersystem sei schuld und deswegen werde es geändert.

Daran ist gleich zweierlei falsch. Zum einen ist es Aufgabe der Medien, die Politiker zu beäugen, nicht umgekehrt. Dewegen tut es nichts zur Sache, ob Reporter auch schummeln. Als Politiker hat man sich an die Regeln zu halten, oder sie zu ändern. Punkt. Allerdings finde ich, dass das vor allem für die Amtszeit gilt und nicht alles aus frühren Zeiten eine Rolle spielen darf. Wenn, wie im Fall der beiden Rücktritte, die Verfahren aber gerade erst eingeleitet wurden, ist das sehr wohl aktuell. Außerdem kann man daran zweifeln, ob man das Steuersystem dahin ändern sollte, dass Besserverdienende mehr Geld übrig haben – genau das scheint aber im neuen Budget angepeilt zu werden.

Als Blogger möchte ich auch noch kurz die Rolle von schwedischen Politblogs im Zusammenhang mit Borelius’ Rücktritt herausstellen: Es war Blogger Magnus Ljungkvist, der sowohl Borelius’ Aussage, dass sie zuwenig verdient habe, zuerst widerlegte (S), als auch den Stein um ihr Sommerhaus, das einer Firma in einem Steuerparadies gehörte, ins Rollen brachte (S). Das heißt nicht, dass er alleine die Ministerin gestürzt hat, denn es war wichtiger, dass es die Massenmedien aufgriffen, aber es zeigt, wie “Bürgerjournalisten” zumindest beitragen können.

Dem Blogger hat das einige Aufmerksamkeit und eine Morddrohung (S) eingebracht.

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Mangel an Ökokühen

Schon gestern habe ich mich beim Einkaufen gefragt, warum es “meine” Milch, also die ökologische mit 3% Fett, nicht mehr zu kaufen gab und ich auf die ökologische Mellanmjölk (wörtlich: “Mittelmilch”; 1.5% Fett) ausweichen musste. Ich gab die Schuld meinem lokalen ICA – zu Unrecht. Der Molkereiriese Arla hat Lieferprobleme, weil die Nachfrage nach Ökomilchprodukten stark wächst und es in Schweden zu wenige Ökokühe gibt. Meine Milch wird es bis nach Weihnachten nicht mehr zu kaufen geben.

Arla will mehr Landwirte zur Ökowirtschaft bringen, unter anderem mit höheren Preisen für die Bauern. Ein guter Trend, finde ich, sowohl von Verbraucher- als auch Produzentenseite, trotz meines eigenen temporären Nachteils.

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