Der zweite Rücktritt

Ich kann nicht immer schneller sein als die, die das beruflich machen. :-)

Unter anderem auf Tagesschau.de kann man lesen, dass Kultur– und Sportministerin Cecilia Stegö Chilò es heute Maria Borelius gleichtut und ebenfalls zurücktritt. Vielleicht überlegt sich ihr Nachfolger ja das mit den Museen nochmal.

Danke auch an Piet für den Hinweis.

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Wort der Woche: Mink

Mink ist das schwedische Wort für den “Nerz”, das mit dem Marder verwandte Tier, das wegen seines Pelzes so begehrt ist. In zweierlei Zusammenhang ist der Nerz in Schweden erwähnenswert.

Zum einen werden die Tiere auf Farmen gezüchtet und reißen von dort gelegentlich aus. Die Wildpopulation wurde und wird durch die größeren Zuchttiere vermehrt und ist ein Problem für andere Tierarten, darunter einige Vogelarten. Wilde Nerze werden daher als Schädlinge betrachtet und mit Fallen gejagt. Als ob das nicht reichen würde, gibt es selbsternannte Tierschüzter, die Nerzfarmen besonders schlimm finden und deshalb dort einbrechen und die Tiere freilassen. Einen Gefallen tut man ihnen damit aber nicht, wie Meldungen (S) von haufenweise überfahrenen Nerzen kurz nach einer solchen “Befreiungsaktion” zeigen.

Der zweite Punkt hat mit U-Booten zu tun. Russischen U-Booten. Diese tummelten (S) sich in den 80ern nämlich in der Ostsee und verletzten schwedische Gewässer. Das versetzte das schwedische Militär in helle Aufregung und es kam sogar zu U-Bootjagden, bei denen auch mal versehentlich ein altes Wrack mit Unterwasserminen angegriffen wurde. Ein russisches U-Boot kam tatsächlich in schwedische Hände, aber nur weil es auf Grund gelaufen war.

Ein Warnsystem wurde aufgebaut, das U-Boote an deren Geräuschen erkennen sollte – und hier kommt der Nerz wieder ins Spiel. Denn auch dieser macht Geräusche im Wasser, die wiederum ähnlich genug sind, um mit einem U-Boot verwechselt zu werden. Man hört ab und zu Scherze, wie die schwedische Marine Nerze jagte, wieviele falsche Alarme aber tatsächlich von Nerzen ausgelöst wurden, ist mir nicht bekannt.

Nachtrag: Kaum hat man darüber geschrieben, kommt die Nachricht (S), dass heute Nacht Einbrecher in Schonen 1000 Nerze freigelassen haben, die jedoch zum Großteil von Besitzer wieder eingefangen werden konnten.

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Demo gegen Rassismus

![Demo](/pic/demo1.jpg)

Ich war heute nachmittag auf meiner ersten schwedischen Demonstration. Dass ich das erst nach über vier Jahren in Schweden sagen kann. liegt wohl vor allem daran, dass in Schweden weniger demonstriert wird als in Deutschland oder gar Frankreich. Statistik habe ich dazu zwar keine, aber ich fand meine Vermutungen bestätigt.

Die heutige Demo war gegen Rassismus. Der Erfolg der Schwedendemokraten bei der Wahl vor einigen Wochen und natürlich auch deren Einzug ins hiesige Rathaus waren dafür ein guter Anlass.

Als Unterstützer wurden sowohl die etablierten Parteien und deren Jugendverbände, als auch unabhängige, meist linke, Jugendverbände genannt. Organisator war der Verein Uppsalabor mot Rasism (S), der dieses Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen feiert und schon nächste Woche ein “Volksfest gegen Rassismus” veranstaltet.

![Demo](/pic/demo3.jpg)

Das klang jetzt sicher alles sehr groß, war es aber leider nicht. Die wenigen hundert Teilnehmer wurden vor Abmarsch gebeten, in Viererreihen zu marschieren, so dass dann auch nur eine Straßenseite gebraucht wurde und der Zug wenigstens seine knappen hundert Meter lang war. Es reichten etwa fünf Polizisten als Begleitung und um an Kreuzungen den Verkehr aufzuhalten. Zwei Menschen mit Megafonen gaben Kampfparolen vor, die brav wiederholt wurden. Deren Texte reichten von harmlos (_Keine Rassisten auf unseren Straßen_) bis martialisch (_Der Kampf geht weiter – zermalmt den Rassismus_, oder so ähnlich).

Spruchbänder gab es weniger als zehn und die Aussagen darauf waren nicht sonderlich überraschend, bis auf Vernichtet den Staat – freie Einwanderung. Neben einer “Gegen Nazis”-Flagge (ja, auf Deutsch) wurden viele rot-schwarze Flaggen geschwenkt, die, wenn ich mich nicht irre, dem syndikalistischen Jugendverband (S) zuzuordnen sind, einer nach eigener Aussage “sozialistischen und freiheitlichen Vereinigung”.

Der Zug bestand zum Großteil aus Jugendlichen, Ältere und Kinderwägen waren jedoch keine Seltenheit. Man bewegte sich vom Schloßhügel in einer Schleife zum zentralen Marktplatz, dessen eine Ecke für die Abschlusskundgebung ausreichte. Ich war nicht sehr angetan von der ganzen Sache, wahrscheinlich am meisten wegen der geringen Anzahl Teilnehmer. Ich denke aber nicht, dass die Veranstalter unzufrieden waren. Schwedische Demos sind vielleicht einfach so.

Die restlichen Bilder gibt es hier.

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Handelsministerin tritt zurück

Eine gute Woche war sie im Amt, Handelministerin Maria Borelius. Jetzt tritt sie zurück (S). Ihren Anfang nahm die Affäre, die auch andere Minister betrifft, darin, dass Borelius ihre Haushaltshilfen schwarz bezahlt hat und trotz hoher Einkünfte behauptete, sich die Hilfe sonst nicht hätte leisten zu können.

Auch wenn sie für kürzere Zeit keine Fernsehgebühren zahlte als Kultur- und Sportministerin Cecilia Stegö Chilò, wurde sie zusammen mit dieser deswegen im Laufe der Woche angezeigt. Dazu kam noch, dass Borelius’ luxuriöses Sommerhaus einer Pleitefirma in einem Steuerparadies gehörte und Ministerpräsident Reinfeldt deswegen einen unabhängigen Gutachter beauftragte, ihre Finanzlage zu durchleuchten. Diese Prüfung ist mit dem heutigen freiwilligen Rücktritt, den Reinfeldt auch gleich annahm, hinfällig geworden.

Ein für die neue Regierung gefährlicher Eindruck ist in dieser Woche entstanden, nämlich, dass es für eine Oberschicht völlig in Ordnung zu sein scheint, sich die Regeln zurechtzubiegen. Das ist im egalitären Schweden ein Affront gegen die Durchschnittsbevölkerung und erregt viele Gemüter. Gefördert wurde das noch durch die Aussage Carl Bildts, dass man die Schwarzarbeit der Haushaltshilfen ja bei dem damaligen Steuersystem durchaus nachvollziehen könne. Das System als Ausrede vorzuschieben, passt aber leider überhaupt nicht zur Predigt für mehr Eigenverantwortung, für die die Moderaten stehen.

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Prästkragar

Margeriten im
Schärengarten

Dieses Bild ist eines der ganz wenigen aus meiner fotografischen Anfangszeit vor zwei Jahren, die ich immer noch mag. Es hängt im 80×60cm-Format in unserer Wohnung. Aufgenommen ist es im Schärengarten.

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Freitag, der 13.

Menschen mögen keine weltliche Erklärungen, die sind wohl zu langweilig. Deshalb gibt es Religion und sonstigen Aberglauben. Dabei ist es doch viel interessanter, die Erklärung hinter vermeintlich Unerklärlichem zu entdecken, als (an) eine unbeweisbare Geschichte zu glauben. Was steckt also zum Beispiel hinter der Tatsache, dass an Freitagen, die auf den 13. eines Monats fallen, statistisch mehr Unfälle (S) in Schweden passieren, als an anderen Freitagen.

Da ist zum einen der Effekt der selbsterfüllenden Prophezeiung zu nennen, also dass aufgrund der Erwartungshaltung oder übertriebener Vorsicht mehr passiert, als wenn man das Datum ignoriert. In Schweden kommt jedoch noch ein weiterer Aspekt hinzu, der die Statistik verfälscht. Jedes Jahr am 13. Dezember wird nämlich Lucia gefeiert. Zu diesem Anlass wird mit Feuer in Haaresnähe hantiert, was nicht nur zu einer Vielzahl an Unfällen führt, sondern damit auch zu einer Verschiebung der freitäglichen Unfallzahlen hin zum 13., weil eben alle sieben Jahre Lucia auf einen Freitag fällt.

Was genau es mit dem Luciafest auf sich hat, werde ich zu gegebenem Anlass schreiben, trotzdem hier der Ungeduldigenlink.

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Die Rundfunkgebühren und das Gewissen

Drei der neuen schwedischen Minister sind unter Druck, unter anderem weil sie keine Rundfunkgebühren gezahlt haben. Das ist in Schweden strafbar. Und da das in den letzten Tagen so sehr in den Medien war, wurden über 6000 Schweden jetzt von ihrem Gewissen gepackt und zum Anmelden des Apparates überredet.

Falls sich jemand fragt: Ja, wir haben einen angemeldeten Ferseher, obwohl ich mich schon manchmal frage, ob es 500 Kronen im Quartal wert ist, zweimal pro Woche Nachrichten zu sehen. Denn eigentlich haben Computer das Medium Fernsehen für mich vollständig ersetzt.

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Der Schwedische Wohlfahrtsstaat

Das schwedische Modell des Wohlfahrtsstaates wird weltweit viel beachtet, schließlich scheint hier das Kunststück gelungen zu sein, trotz hoher Steuern und einem ausgeprägten Fürsorgestaat, für eine wachsende Wirtschaft, geringe Arbeitslosigkeit und einen ausgeglichenen Staatshaushalt zu sorgen. Schon länger wollte ich die Gründe und Unterschiede zu Deutschland einmal zusammenfassen, habe mich aber bisher immer vor diesem weiten Thema gedrückt. Außerdem können andere das besser:

  • Gerade erschien ein [Artikel auf Telepolis](http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23728/1.html) zu ebendiesem Thema. Darin werden nicht nur alle wichtigen Zahlen genannt, sondern auch einige Hintergründe beleuchtet.
  • Im Allgemeinen mögen die Schweden ihren Wohlfahrtsstaat, doch einige sehen ihn eher pessimistisch und behaupten gar, er hätte [Schweden verdorben](http://limewoody.wordpress.com/2006/06/07/how-the-welfare-state-corrupted-sweden/) (E).
  • So weit geht der [Artikel im Tagesspiegel](http://blog.tagesspiegel.de/flatworld/eintrag.php?id=247) dann doch nicht, beleuchtet aber doch einige Kritikpunkte.
  • Ob die neue konservative Regierung ihr Wahlversprechen hält, am Sozialstaat festzuhalten, ist eine interessante und wichtige Frage, die die taz [mit Nein beantwortet](http://www.taz.de/pt/2006/09/21/a0163.1/text)
  • Auch andere Blogger [befassen sich mit dem schwedischen Modell](http://ascetonym.blogsport.de/2006/08/10/swedish-model/) und verlinken weitere lesenswerte Texte. So, und wer das jetzt wirklich alles liest, ist entweder Volkswirtschaftler oder sollte es werden. ;-)
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Museen sollen wieder kosten

Steuern sollen gekürzt werden, aber staatliche Museen in Schweden, die erst Anfang letzten Jahres kostenlos wurden, sollen (S) wieder Eintrittsgelder verlangen.

Ich finde das sehr schade, denn es geht um vergleichsweise wenig Geld und die Abschaffung der Eintrittsgelder hat zu einer Verdopplung der Besucherzahlen geführt. Sehr gut investiertes Geld, würde ich sagen.

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Fyr

Leuchtturm auf
Örskar

Der Leuchtturm (schwed: fyr) auf Örskar. Mehr Bilder.

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