Ein weiterer Grund für einen Volvo

Manchmal zahlt sich die automatisch aktualisierte Suche nach allem Schwedischen in Blogs doch aus und jetzt ist es spät genug, so etwas zu schreiben: Eine englische Autoversicherung befragt seine Kunden nach fahrzeugbezogenen Sexgewohnheiten und ermittelt nebenbei das beliebteste Fahrzeug dafür. Der Gewinner ist ein Volvo (E) und verweist zwei deutsche Kleinbusse auf die Plätze.

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Forsmark, die unendliche Geschichte

Wie man Vertrauen aufbaut, dass Kernkraftbetreiber wissen, was sie tun:

  • Vor zwei Monaten: Störfall im Reaktor 1 von Forsmark, Abschaltung, Fehlersuche.
  • Vor zwei Wochen: Forsmark 1 und 2 sollen wieder ans Netz, doch diesmal hakt es im Reaktor 2.
  • Heute: Ein Routinetest der Notstromversorgung, [legt erneut](http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=967843) (S) Forsmark 1 lahm, weil sich der planmäßige Teilstopp nicht zurücksetzen ließ. Man lese auch in der ZEIT, warum [Kernengergie ins Technikmuseum](http://www.zeit.de/2004/32/Kernenergie?page=all) gehört.
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Offenere Einwanderung nach Schweden

Der SR schreibt über die neuen Regeln für ausländische Arbeitskräfte:

Ausländer, die nicht aus der EU kommen, [dürfen] drei Monate lang eine Anstellung in Schweden suchen. Wenn sie in dieser Zeit einen Arbeitgeber finden, dürfen sie nach schwedischen Tarifregeln angestellt werden. Nach Auffassung von Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt ermöglicht die Neuregelung sowohl Flüchtlingen als auch ausländischen Spezialkräften einen leichteren Zugang zum schwedischen Arbeitsmarkt.

Tolle Sache, finde ich. Neulich hatte schon der Chef der Handelsbank vorgeschlagen (S), Einwanderungsbeschränkungen ganz aufzuheben. Das würde Wachstum bringen und Schwarzarbeit verringern. Außerdem sieht er im schwedischen Klima eine natürliche Hürde, die den Zustrom an Menschen beschränkt.

Es gibt Tage, an denen ich das voll und ganz nachvollziehen kann.

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Rekapitulation

Gestern abend schrieb ich, ohne es zu merken, den Zweihundertsten Beitrag auf diesem Blog. Zeit für eine kleine Statistik.

  • Fiket.de startete am
    1. März, also vor rund 200 Tagen. Durchschnittlich ein Beitrag pro Tag ist mehr als ich mir ursprünglich vorgenommen hatte. Etwa 30 Artikel warten darauf, zu Ende geschrieben zu werden.
  • Gut 50 Mal wird aus anderen Blogs hierher verlinkt, danke dafür.
  • Die Besucherzahlen wachsen langsam, aber stetig. Zur Zeit kommen etwa 250 Leute pro Tag (unique visits), die sich jeweils fünf verschiedene Unterseiten ansehen. Allzeithoch waren 2000 Besucher innerhalb eines Tages als die deutsche Presse den [Störfall in Forsmark](http://www.fiket.de/2006/07/27/stoerfall-im-kernkraftwerk/) verschlafen hatte. Gelesen zu werden, ist sicherlich ein ein wichtiger Faktor, den Spaß am Blog zu erhalten und es weiterzuführen. Noch mehr gilt das für eure Rückmeldungen, sei es per Email oder in den Kommentaren. Deshalb möchte ich die Gelegenheit nutzen und alle, die das hier lesen, auffordern, einen [Kommentar zu schreiben](http://www.fiket.de/2006/10/11/rekapitulation/#respond). Kritik, Verbesserungsvorschläge oder Lob an Fiket.de sind willkommen, ebenso ein kurzer Hinweis, von wo, wie oft und warum ihr hierher kommt.
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Farbenfroh

Wohnhäuser am Rande von
Uppsala

Wohnhäuser am Rande von Uppsala, etwa 200m von meiner Wohnung in Flogsta.

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Der erste Skandal

Ein paar Tage nur ist die neue schwedische Regierung alt und schon muss sie sich mit dem ersten Skandal herumärgern. Handelsministerin Maria Borelius hat während der 90er Jahre Haushaltshilfen schwarz beschäftigt. Das war damals noch eher ein Kavaliersdelikt und hätte wohl nicht für übermäßiges Aufsehen gesorgt, wenn sie sich jetzt, da es rauskam, reumütig dafür entschuldigt hätte. Sie benutzte jedoch die Ausrede, dass sie aus Geldmangel so handelte und sich ansonsten keine Hilfe hätte leisten können.

Nun sind aber in Schweden alte Steuererklärungen aller Bürger öffentlich und Rapport hat sich die Mühe gemacht Borelius und ihren Mann in den fraglichen Jahren nachzuschlagen. Das geringste Jahreseinkommen der beiden lag bei über einer Million Kronen.

Solche Geschichten erregen natürlich die Gemüter und schwächen das Vertrauen in Politiker, die mit guten Beispeil vorangehen sollten und sich an die Regeln halten. Ministerpräsident Reinfeldt hat dieses Verhalten als klar inakzeptabel bezeichnet, hält jedoch an seiner Personalentscheidung fest. Mehr auf englisch oder schwedisch.

Nachtrag: Auch Kultur- und Sportministerin Cecilia Stegö Chilò wird kritisiert, nicht nur wegen schwarz bezahlter Haushaltshilfe, sondern auch, weil sie sich angeblich (S) seit 15 Jahren um die Rundfunkgebühren drückt.

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Gratis Busfahren

Anscheinend haben sich in letzter Zeit – sowohl hier in Uppsala, als auch in Stockholm – die Fälle gehäuft, in denen Busfahrer um des mitgeführten Bargeldes willen ausgeraubt wurden. Die Gewerkschaften machen Druck auf die Verkehrsbetriebe und so wurde heute für die Busse in Uppsala ein sofortiger Bargeldstopp beschlossen (S).

Außer ortsfremden bezahlt normalerweise keiner bar beim Fahrer, denn es gibt berührungsfreie und anonyme Karten, die man einfach an einen Kasten am Eingang hält und vielerorts aufladen kann. Mit dieser Karte kostet die Fahrt nur wenig mehr als die Hälfte des Barpreises.

Trotz der neuen Regel will man niemanden am Straßenrand stehen lassen und greift zur einzigen Alternative: Leute, die mit Bargeld bezahlen wollen, fahren kostenlos!

Ich fahre zwar normalerweise mit dem Rad, werde das aber bei Gelegenheit ausprobieren. ;-)

Nachtrag: Schon wieder vorbei (S), das ganze.

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Elchjagd eröffnet

Heute beginnt die Elchjagdsaison. In vielen Teilen Schwedens gibt es so viele Elche, dass sie ohne Probleme gejagt werden, ja sogar gejagt werden müßen, weil sie sonst den Baumbestand zu sehr schädigen. Trotzdem verstehe ich Jäger nicht, die daran ihren Spaß haben, anstatt es als eher als Bürde zu sehen.

Der Spaß am Jagen ist vermutlich auch der Grund, dass viele Jäger in Schonen den Aufruf des Jägervandes ignorieren (S), dieses Jahr auf die Jagd zu verzichten, um den dortigen Elchbestand sich erholen zu lassen.

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Wort der Woche: Kaja

Ich gebe zu, Hitchcocks Vögel nie gesehenzu haben. Trotzdem handelt das heutige Wort der Woche von jeden Tieren, und zwar ziemlich vielen. Kaja (Pl. kajor) ist nämlich der schwedische Name für die Dohle.

Dieser Vogel ist zwar in ganz Europa keine Seltenheit, aber hier in Uppland gibt es sie zuhauf. Im Sommer bemerkt man sie kaum, sobald es jedoch nachts kälter wird, bevorzugen sie die wärmeren Dächer der Stadt als Schlafplatz. Deshalb spielt sich hier in Uppsala kurz nach Sonnenuntergang oft ein interessantes Schauspiel ab: Die Dohlen fallen in großen Schwärmen in der Stadt ein und kreisen eine Weile um Häuser und Kirchtürme, bis sie sich geinigt haben.

Nicht alle finden das so gut und aufgrund von Beschwerden über Verschmutzung und Lärm setzt man stellenweise akustische Vogelscheuchen (S) ein, die den Warnlaut der sozialen Tiere missbrauchen. Ich bin jedoch nicht alleine mit der Ansicht, dass die Dohlen ein Wahrzeichen Uppsalas sind und dass es ziemlich heftig ist, wenn zum Beispiel ein Schwarm eng und lautstark um die Türme des Doms kreist und man aus der Nähe zusieht.

Genau das habe ich vorhin versucht zu fotografieren, aber obwohl ich über eine Stunde geduldig ausharrte und auch einige Schwärme über entfernten Häusern kreisen sah, kam diesmal leider keiner in die Nähe der Kirche. Deswegen müsst ihr euch in diesem Bild ein paar hundert schwarze Vögel selbst dazudenken. :-)
Dom in Uppsala ohne
Dohlen

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Reinfeldts Regierungserklärung

Premierminister Reinfeldt trat gestern sein Amt an und hat sein Kabinett vorgestellt, inklusive des vormaligen Staatschefs Carl Bildt als Außenminister. In der zugehörigen Regierungserklärung hat er auch die Eckpunkte der Politik dargelegt, die man von seiner Vierparteienkoalition in der nächsten Zeit erwarten darf. Eine Zusammenfassung.

Arbeitsmarkt, ein großens Thema im Wahlkampf. Ziel ist die Förderung mittelständischer Unternehmen, sowohl durch Steuererleichterungen als auch durch Abschaffung unnötiger und komplizierter Regeln. Die Einkommenssteuer soll um 37 Mrd. Kronen^*^ gekürzt werden, v.a. bei niedrigen und mittleren Einkommen. Die Immobiliensteuer soll zunächst eingefroren, dann gekürzt und zuletzt abgeschafft werden. Auch die Vermögenssteuer soll nach einer anfänglichen Halbierung verschwinden. Welche Ausgaben und Leistungen dafür gekürzt werden wurde nicht spezifiziert, aber es wird wohl an die Arbeitslosenhilfe gehen. Außerdem klingt das für mich, (der von Ökonomie zugegebenermaßen wenig versteht) als ob es mit dem langjährigen schwedischen Haushaltsplus bald vorbei ist.

Internationales. Reinfeldt äußerte sich für die EU und auch deren zukünfige Erweiterung. Internationale Organisationen, allen voran die UNO, sollen weiterhin nach Kräften unterstützt werden. Schweden soll aus der Globalisierung Gewinn ziehen und mit gutem Beispiel vorangehen, was Zusammenarbeit, Freiheit, Demokratie und Frieden angeht. Die Entwicklungshilfe wird zwar nicht erhöht, bleibt aber auf sehr hohem Niveau und soll besser auf ihre Wirksamkeit geprüft werden. Das anhaltende Töten in Darfur wurde angesprochen und die internationale Verantwortung betont. Das ist dadurch etwas heikel, dass der schwedischen Ölfirma Lundin Petroleum vorgeworfen wird (S), in Krisenregionen aktiv zu sein und auch im Sudan negativ auf den Verlauf des Konflikts eingewirkt zu haben. Carl Bildt (s.o.) ist seit 2001 Vorstandsmitglied bei Lundin Petroleum, hat aber immerhin eingesehen, dass er das als Außenminister nicht bleiben kann, und diesen Posten niedergelegt. (Zum Thema Darfur höre auch HR2 Der Tag vom 18.9.)

Weitere wichtige Themen, in denen natürlich auch alles besser werden soll, auf die ich aber jetzt nicht im Detail eingehen möchte, sind Gleichberechtigung, Gewalt gegen Frauen (höhere Strafen), Einwanderung (Ausgrenzung vermindern, Sprachkenntnisse fördern), Gesundheitspolitik (Alkoholkonsum eindämmen, mehr räumliche Flexibilität bei lokaler Überforderung der Krankenpflege), mehr Polizei, die auch mehr abhören dürfen soll.

Engergie und Umwelt. Kernkraftwerke sollen nicht vorzeitig abgeschaltet werden. Es soll zwar keine Laufzeitverlängerungen für bestehende Kraftwerke geben, aber der Neubau wird nicht ausgeschlossen. Generell soll dem Klimawandel entgegengewirkt werden, indem man den Zusammenhang zwischen Wachstum und mehr Energieverbrauch durchbricht. Dazu soll vor allem die effizientere Nutzung von Energie beitragen. Umwelttechnik soll mehr gefördert werden, auch mit Exportgedanken.

Ausbildung und Forschung. Auf dieses Thema hat die liberale Folkspartei mit Ausbildungs- und Schulminister ein Beinahemonopol. Es soll ein neues Schulgesetz geben, das Noten ab der 6. Klasse einführt und Lehrern und Schulen mehr Handhabe gegen Störer und Schulschwänzer verleiht. Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer sollen gestärkt werden und Lehrer besser qualifiziert. Auf Universitätsniveau soll der sozialdemokratische Trend zum Studium für alle gebrochen werden und Qualität statt Quantität an oberster Stelle stehen. Forschungsgelder sollen erhöht werden.

Einiges des oben Genannten klingt zugegebenermaßen recht gut – ist aber noch ziemlich vage. Man darf gespannt sein, wie die Taten aussehen werden und ob z.B. der Sozialabbau in Wirklichkeit so gering ausfallen wird, wie im Wahlkampf versprochen.

^*^ Das braucht man nicht in Euro umzurechnen, um eine Vorstellung der Größenordnung zu bekommen, denn der Faktor der Währung wird durch den der Bevölkerungszahl in etwa ausgeglichen.

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