Neuigkeitenblitz

Was hat die schwedischen Nachrichten zuletzt beschäftigt?

  • Die Wohnungskosten in Innenstädten sinken nach jahrelangem starkem Anstieg zum ersten Mal wieder.
  • Die Regierung will endlich etwas gegen religiöse Schulen tun, die mit staatlicher Finanzierung Kinder indoktrinieren. Dazu später mehr.
  • Eheschließung ist in Schweden keine rein staatliche Sache, sondern die Kirche hat auch das Recht dazu. Und weil mit breiter Mehrheit wohl bald ein neues Gesetz zur gleichgeschlechtlichen Ehe kommt, muss sich die Kirche entscheiden, ob sie dieses Recht abgeben will, oder ob Priester gegen ihren Willen Homosexuelle trauen müssen. Die Diskussion ist lang und zur Zeit scheint es, als ob die Erhaltung des Privilegs schwerer wiegt.
  • Ein Elch ist ins Schwimmbad gefallen.

  • Schwedische Schulen haben Mängel im Unterricht über die EU. Das Thema ist zweifelsohne wichtig und verdient einen guten Platz in der Schule, andererseits kann ich mir kaum vorstellen, dass es hier mehr im Argen liegt als an meiner ehemaligen Schule. Als ich diese vor zehn Jahren verließ, hatte sich mein Geschichtsunterricht kaum über die Gründung der Bundesrepublik hinaus erstreckt. Bayerisches Abitur, ja ja.

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Gysinge

Vor zwei Wochen war ich mit ein paar anderen Fotografen eine Stunde nördlich von hier am Dala-Strom im Nationalpark Färnebofjärden bei Gysinge.

Meine Bilder von dort sind jetzt online und einige von diesen werden im Laufe der Zeit sicherlich auch einzeln an dieser Stelle zu sehen sein.

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Wort der Woche: Jympa

Es gibt einen Sportverein in Schweden, der vier Prozent der Bevölkerung als Mitglied zählen kann und dessen 150 Filialen an einigen Orten mehr als jeden zehnten Einwohner in Bewegung bringen.

Dieser Verein nennt sich Friskis & Svettis und der Name ist alleine schon eine kurze Erklärung wert. Der Endung -is ist eine der Arten, im Schwedischen Substantive zu bilden beziehungsweise umgangssprachlich abzukürzen und zu verniedlichen. Das bekannteste Beispiel dürfte kompis sein, das Herkunft (Kompagnon) und Bedeutung mit dem deutschen “Kumpel” teilt. Friskis & Svettis sind auf die gleiche Art von den schwedischen Wörtern für “gesund” und “Schweiß” abgeleitet, mir fällt aber leider keine gute Art ein, die mitschwingende Bedeutung zu übersetzen.

Auf jeden Fall ist das Hauptanliegen des ideellen Vereins F&S, so vielen wie möglich eine leicht zugängliche Art der Bewegung anzubieten und das passiert vor allem mit jympa oder, etwas traditioneller geschrieben aber gleich ausgesprochen: gympa. Das wiederum ist zwar eine Kurzform von “Gymnastik”, dieses Wort würde einen aber in die Irre führen, wenn man dabei ans Turnen denkt.

Es geht im Prinzip darum, dass alle Teilnehmer eines Trainingpasses die Übungen nachmachen, die der Leiter angibt und vorführt. Es wird viel gehüpft und darauf Wert gelegt, sowohl Ausdauer als auch Kraft zu trainieren. Es gibt Abstufungen im Schwierigkeitsgrad und zahlreiche Varianten zu jeweils festen Trainingszeiten. Einen Überblick auf Deutsch bietet die hiesige Filiale an – es scheint als habe man sich auf die vielen deutschen Austauschstudenten eingestellt.

Wie oben schon erwähnt ist die gympa in Schweden sehr populär. Hinzu kommt noch, dass F&S nicht die einzigen sind, die diese Art des Trainings anbieten und dass es keine begrenzte Altersstruktur zu geben scheint. Alle, von jungen Menschen bis zum Rentner, können zur gympa gehen und man tut es zahlreich.

Bevor jemand fragt: Nein, ich selbst habe es noch nicht probiert…

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Povel Ramel - Mysko Medley

[Videolink](http://youtube.com/watch?v=2t2oRo0PimA)

Povel Ramel ist eines der wichtigen und hochgeschätzen Stücke schwedischer Kultur, von denen ich bisher sehr wenig weiß. Er starb diesen Juni und obiges Video ist einer seiner letzten Fernsehauftritte von letztem Jahr.

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Ericsson warnt

Da meldet der schwedische Telekommunikationsriese Ericsson gestern, dass er dieses Quartal nur fünfeinhalb anstatt über acht Milliarden Kronen Gewinn machen wird, die Börse schiebt Panik und der Aktienkurs fällt um 24 Prozent. Können sich 100 Milliarden Kronen innerhalb von 60 Sekunden in Luft auflösen? Offenbar.

Die Aufregung ist groß bei all denen, die so viel Bares haben, dass sie es in Spielgeld investieren.

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26:e Uppsala Internationella Kortfilmfestival

Nächste Woche findet das diesjährige Kurzfilmfestival in Uppsala statt. Vier Kinosäle mittlerer Größe, die alle innerhalb von 100m zwischen Fluss und Unibibliothek liegen, sind eingebunden und die über 300 Filme aus 50 Ländern werden in unterschiedlichen Kategorien von einer Jury bewertet und ausgezeichnet.

Die letzten Jahre habe ich es immer nur zu einer oder zwei Sessions geschafft, aber dieses Jahr bin ich Gastgeber für eine Regisseurin aus Australien und bekomme dafür freien Eintritt die ganze Woche. Ich freu’ mich schon.

Falls jemand aus Uppsala mitliest: Es ist keine dumme Idee, die Karten schon vorab zu kaufen. Noch bis Samstag ist Vorverkauf in der Stadtbücherei.

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Sture Linnér und Sverker Åström

Sture Linnér und Sverker Åström geben heute nachmittag die diesjährige Vorlesung zu Ehren von Dag Hammarskjöld, der aus Uppsala kam, unter anderem zweiter Generalsekretär der UNO war und den Friedensnobelpreis kurz nach seinem Tod erhielt (das ging damals noch).

Åström und Linnér sind beide über 90 Jahre alt und gehören zu den wichtigen alten Herren der schwedischen Außenpolitik. Linnér war unter anderem enger Mitarbeiter Hammarskjölds und saß im gleichen Flugzeug wie dieser auf dem Weg nach Rhodesien, bis Hammarskjöld ihn von Bord schickte, weil es ein Fehler sei, zusammen zu reisen. Der Flieger stürzte kurz vor der Landung ab und Hammarskjöld kam um.

Sverker Åström ist neben seinen zahlreichen diplomatischen Aktivitäten und Auszeichnungen auch präsent in öffentlichen Debatten, nicht zuletzt als Leitartikler für Dagens Nyheter. Außerdem ist er offen homosexuell und wegen seines hohen Alters und Status ein Aushängeschild der Bewegung. Er moderierte letztes Jahr sogar kurze Zeit die Fernsehsendung Böglobbyn (“Schwulenlobby”). Mehr Info zu den Vortragenden auch hier und hier.

Ich weiß noch nicht, ob ich selbst um 5 Uhr in die Aula des Unihauptgebäudes gehe oder stattdessen der Liveübertragung übers Netz vertrauen soll.

Nachtrag: Ich war doch selbst da und habe ein paar Fotos gemacht. Die Reden waren sehr interessant. Åström begann mit einem Schwerz, in dem er nebenbei seinen 22-jährigen Partner erwähnte, hielt dann eine brennende Anklage gegen den Angriff der USA auf den Irak 2003 und legte dar, wie Dag Hammarskjöld das Vorgehen verurteilt hätte. Er lobte den damaligen Generalsekretär Kofi Annan, der übrigens 2001 auch schon diese Gedächtnisvorlesung gehalten hat, dafür, meist in Hammarskjölds Sinn gehandelt zu haben.

Linnér erzählte von der Kongo-Krise, die ihn und Hammarskjöld die Monate vor dessen Tod beschäftigte und die leicht zu einem überregionalen Konflikt hätte werden können. Die damaligen Anfeindungen sowohl von sowjetischer als auch amerikanischer Seite fanden ebenso Erwähnung wie die letzte Diskussion vor dem Unglücksflug und das Argument, mit dem Hammarskjöld Linnér dann wieder aus dem Flugzeug aussteigen ließ. Später lud Kennedy Linnér zu sich ein, entschuldigte sich für den Druck von seiner Seite und nannte Hammarskjöld einen “größeren Mann als ich es bin”.

Beide Redner waren an den Stellen, an denen es um die Person Hammarskjöld ging, zu Tränen gerührt und für die zahlreichen Zuhörer bestätigte sich einmal mehr, dass Dag Hammarskjöld einer der Schweden des 20. Jahrhunderts war und dass man zu Recht auf ihn stolz ist.

Sverker Åström und Sture
Linnér

Sverker Åström und Sture Linnér – man beachte die Socken.

Nachtrag 071022: mehr Bilder hier.

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Wort der Woche: Gallimatias

Es war einmal im antiken Rom, dass ein Richter über einen Hühnerdieb zu entscheiden hatte. Er wollte von Matthias’ Hahn reden, versprach sich aber und sagte galli matthias anstatt gallus matthiae. Und da das stattdessen “des Hahns Matthias” bedeutet und wenig Sinn ergibt, wurde es zum sprichwörtlichen Ausdruck für einen unsinnigen Satz.

So geht zumindest die Legende und egal ob sie wahr ist (wahrscheinlich nicht) und ob das Latein überhaupt stimmt, ist gallimatias ein schwedisches Wort und bedeutet “unzusammenhängendes Geplapper”, “sinnlose Rede”, “Kauderwelsch”. Letzteres steht im Deutschen zwar eher für Geschwafel, aus dem man nicht einmal einzelne Wörter versteht, während gallimatias eher für inhaltlichen Unsinn steht, der grammatikalisch durchaus korrekt sein kann. Trotzdem ist es nicht weit entfernt.

Näher an “Kauderwelsch” und nicht weit von gallimatias liegt übrigens das Lehnwort rappakalja aus dem Finnischen, das wohl eigentlich so viel wie “gepanschte, schwach alkoholische Limonade” bedeutet.

Quellen: Hörensagen und ein Blick in die Wikipedia und auf susning.nu.

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