Maut für Umgehungsstraße

Parallel zur Wahl im September wurde in und um Stockholm auch über die City-Maut abgestimmt, deren Testbetrieb schon vor der Wahl zu Ende ging. Das Ergebnis war zweideutig.

Die Diskussion ist mittlerweile fortgeschritten und es scheint, als ob die Maut schon im ersten Halbjahr 2007 wieder eingeführt werden soll (S, D). Welches Gebiet dann betroffen sein wird, ist noch unklar und wird sich wohl vom Testbetrieb unterscheiden. Der wirkliche Knackpunkt ist jedoch, wofür das eingenommene Geld dieser Steuer verwendet werden soll. Obwohl das Projekt nämlich als umweltfreundlich dargestellt wird, sollen die Einnahmen nicht dem Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, sondern ausschließlich dem Straßenbau zugute kommen, unter anderem auch einer Umgehungsstraße um Stockholm.

Das ist widersinnig, finde ich, denn auf diese Weise fördert man genau die Art des Transports, die man mit der Maut angeblich verringern möchte.

Verkehrsminister Andreas Carlgren schlägt außerdem vor, das Stockholmer Modell auf Malmö und andere Städte ausweiten (S).

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Falscher Held Persson

Schwedische Medien lachen (S) heute (E) über einen Bericht der WELT am Sonntag, in dem behauptet wurde, der damalige schwedische Ministerpräsident Göran Persson habe beim Unfall im Kernkraftwerk Forsmark letzten Juli persönlich den GAU verhindert, indem er die Erlaubnis gab, das “Wallmannventil” zu öffnen.

Persson dementiert seinen angeblichen Heldeneinsatz, denn erstens gibt es kein Ventil mit diesem Namen und zweitens geht es wohl um einen Mitarbeiter bei Forsmark, der den gleichen Namen trägt wie der ehemalige Staatschef. Ich hoffe, dass die Ursache solcher peinlichen Fehlinformationen bei der WELT liegt und nicht bei den “deutschen Regierungskreisen”, auf die man sich beruft.

Nachtrag 22.11.: Jetzt berichtet auch der Schwedische Rundfunk auf Deutsch und legt noch ein fünfminütiges Interview mit einem Vertreter der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit bei. Hier lang.

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Tassendiebstahl

Die Meldung, dass eine große Anzahl Polizisten in Schonen Jagd auf Diebe macht, die Tassen im Wert von 10 Millionen Kronen gestohlen haben, verwirrte mich etwas. Ich stellte mir LKW-Ladungen mit vielen Tassen vor. Bis es mir dämmerte, dass koppar nicht nur der Plural von kopp (“Tasse” auf Schwedisch) ist, sondern auch “Kupfer” bedeutet. :-)

Der in letzter Zeit stark gestiegene Kupferpreis sorgt vermehrt für Diebstahl dieses Rohmaterials.

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Wort der Woche: Ärtsoppa & Pannkakor

Ärtsoppa och pannkakor sind typisch schwedisch – aber gleichzeitig auch nicht. Schließlich sind Erbsensuppe und Pfannkuchen auch in den Küchen anderer Länder vertreten. In Schweden bilden sie jedoch ein gemeinsames Gericht, dessen Verzehr an einen bestimmten Wochentag geknüpft ist, den Donnerstag.

Donnerstags isst man in Schweden Erbsensuppe und Pfannkuchen. Natürlich tut das nicht jeder, aber es ist eine unweigerliche und gern gewählte Alternative im Tagesmenü von Kantinen und Restaurants, die Mittagessen anbieten. Die vegetarische Variante wird zwar immer beliebter, traditionell gehört in die Erbsensuppe jedoch Schweinefleisch. Je nach Geschmack ist es üblich, Senf oder rohe Zwiebeln in die zähflüssige Suppe zu geben, nachdem man sie in seinen Teller bekommen hat. Diesbezüglich gibt es sicher viele regionale Eigenarten.

Die Pfannkuchen, gelegentlich durch Waffeln ersetzt, werden nicht mit der Suppe gegessen, sondern danach. Sie sind jedoch eher der zweite Teil des Hauptgerichts als eine Nachspeise, denn in Verbindung mit der Marmelade und Sahne steht ihr Sättigungsgrad dem der Suppe nicht nach. Zum Mittagessen ist es zwar ungewöhnlich, aber wenn man Erbsensuppe und Pfannkuchen gen Abend zu sich nimmt, dann gehört auch ein Glas warmer süßlicher Arraklikör dazu, der Punsch.

Viele der Studentnationen in Uppsala bieten das Gericht Donnerstag nachmittags zu studifreundlichen Preisen an. Wer hier im Frack oder traditionellen Kleidern seiner Heimatregion erscheint, isst auf Kosten des Hauses.

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Google-News auf Schwedisch

Deutsch ist eine der ersten Sprachen, in die Computerprogramme übersetzt werden und auch für internetbasierte Firmen, die über den englischsprachigen Raum hinauswachsen wollen, ist Deutsch meist eine der ersten Expansionsrichtungen.

Das kann man für Schweden nicht behaupten, schließlich hat es nur gut 10% der Einwohner, ein Beispiel: Google startete seinen Nachrichtensuchdienst News, bei dem es Meldungen anderer Nachrichtenseiten analysiert, bewertet und zusammenstellt, im April 2002 in den USA in einer Testphase. Ein gutes Jahr später kam der Dienst schon nach Deutschland. Den schwedischen Ableger, http://news.google.se/, gibt es dagegen erst seit ein paar Tagen.

Für Schweden ist so etwas natürlich völlig normal, schließlich sind sie sich sehr bewusst, ein “kleines Land” zu sein. Englisch kommt deshalb im Alltag häufiger vor und ist kaum jemandem fremd. Das hat auch Vorteile: Filme werden nicht synchronisiert, sondern nur mit Untertiteln versehen.

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Schwedensex

Telepolis erklärt, warum die Sexwelle ausgerechnet aus Skandinavien kam. Sehr interessant. Mir war der Name Lasse Braun bisher nicht geläufig. Die Dokumentationen, die auf arte liefen, scheinen leider nicht online ansehbar zu sein.

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Humanismuskonferenz in Stockholm

Ich bin zwar seit kurzem Mitglied bei den schwedischen Humanisten (S), aber zu deren internationalen Konferenz am letzten Wochenende in Stockholm habe ich es leider nicht geschafft. Es gibt aber einen Bericht darüber beim HPD.

Leider kann man Artikel dort nicht kommentieren, denn sonst würde ich den Autor darauf hinweisen, dass man “Humanismus Konferenz” und “Lärar Högskolan” zusammenschreibt und in “Enlightenment” doch bitte nicht das “en” weglässt. Jaja, es ist pedantisch auf sowas hinzuweisen, aber es nimmt mir die Lust am Lesen. ;-)

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Schlosshügel

Aktivitäten am
Schlosshügel

Aktivitäten am Schlosshügel.

(Bild vom letzten Jahr, gerade ist hier der Schnee wieder weggetaut.)

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Kernkraft: Risse, Überlast und Brand

Das Kernkraftwerk Forsmark, an der Ostseeküste der Region Uppland gelegen, war wegen des Störfalls Ende Juli und anderer Pannen schon mehrmals Thema hier. Doch die Geschichte geht weiter.

Neulich wurden Risse in der Reaktorhülle von Forsmark entdeckt, aus denen Strahlung austrat. Unterlagen, die die vorgeschriebene regelmäßige Überprüfung belegen sollten, konnten nicht aufgetrieben werden. Außerdem wurde das Kraftwerk über einen Zeitraum außerhalb der Spezifikation unter zu hoher Last betrieben. Deswegen wird jetzt zwar ermittelt, trotzdem wirft das Ganze kein gutes Licht auf die Kontrolleure – von den Betreibern ganz zu schweigen (Monty Burns?).

Trotzdem denkt man, dass bei Forsmark ein guter Platz ist, Atommüll, endzulagern.

Noch nicht genug? Heute nacht brannte (S) nach einer Explosion in Ringhals, einem anderen schwedischen Kernkraftwerk, ein Transformator, was die Anlage stilllegte. Nachtrag: Artikel bei tagesschau.de.

Und wer jetzt denkt, deutsche Kernkraftwerke seien besser, der irrt.

Nachtrag: Um schnell wieder ans Netz gehen zu können, bekommt Ringhals einen Transformator ausgeliehen. Von Forsmark (S). Ironie? Lachen? Weinen?

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