Zur Bundestagswahl

Wie gesagt habe ich schon gewählt und es ist an der Zeit, zu erzählen was und warum. Schließlich ist übermorgen Wahl!

Wie soll man sich entscheiden? Man kann zum Beispiel Tests wie den Wahl-O-Mat oder, besser, Wen wählen? machen, um die eigenen Ansichten mit denen der Parteien zu vergleichen. Mein Ergebnis passte zu dem, was in meinen Briefwahlumschlag liegt: In der wichtigeren Zweitstimme habe ich die Piratenpartei gewählt.

alttextAus mehreren Gründen. Zum einen habe ich hier im Ursprungsland der mittlerweile in vielen Ländern existierenden Piratenparteien den Aufstieg der schwedischen recht aufmerksam verfolgt und gesehen, wie erfolgreich sie ihre Themen in die öffentliche Diskussion gebracht und damit die anderen Parteien gezwungen haben, sich damit zu beschäftigen und ihre bisherige Haltung zu überdenken.

Die prinzipiell richtige Kritik an einer Partei mit sehr schmalem Programm wiegt deshalb weniger schwer. Man wird mit seiner Stimme für die Piraten ihnen keine eigene Mehrheit geben, sondern mit einem guten Ergebnis, auch wenn es unter der Fünf-Prozent-Hürde bleibt, dafür sorgen, dass die Forderungen der Piraten mehr Gewicht bekommen. Und verdient haben sie das allemal.

  • Der Abbau der Grundrechte, um für mehr falsche Sicherheit zu sorgen, bereitet mir seit Jahren echte Sorgen. Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner, Videoüberwachung, biometrische Pässe, geheime Zensur durch das BKA und aktuelle Forderungen, immer weiter in diese Richtung zu gehen, brauchen endlich mehr Widerspruch.
  • Hinter die Forderung einer transparenten Regierung kann ich mich voll und ganz stellen. Jeder Schritt in Richtung des schwedischen Öffentlichkeitsprinzips ist zu begrüßen.
  • Open Access, also das mit öffentlichen Geldern finanzierte Forschungsergebnisse auch allen frei zugänglich sein sollen, anstatt dem Urheberrecht der wissenschaftlichen Verlage zu unterliegen, liegt mir als Teil der Forschungswelt auch sehr am Herzen.

  • Und dass das Urheberrecht wegen der neuen Kommunikationsmöglichkeiten über das Internet einer Reform bedarf, kann ich auch unterschreiben.

    Dazu kommt, dass sich die etablierten Parteien ziemlich ohne Ausnahme so kritikresistent erweisen, wenn es um Themen der Informationsgesellschaft geht, dass man nicht umhin kommt, eine gewisse Unehrlichkeit zu unterstellen. “Zensursula” der letzten Monate ist das beste Beispiel.

    Deshalb habe ich die Piraten gewählt und vielleicht tut es mir übermorgen der ein oder andere Leser ja gleich.

    Zum Abschluss, nach dem Klick, noch ein paar Links zu Texten und Videos zum Thema.

  • Die österreichische Sicht aufs seltsame Deutschland.

  • Andere persönliche Wahlbegründungen: eins, zwei, drei
  • Videos: Wahlwerbespot, Du bist Terrorist, Warum ich die Piraten wähle

  • Zu den Vorwürfen gegen die Piraten, rechts zu sein

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Män som hatar kvinnor

Ich habe dieser Tage endlich Män som hatar kvinnor gesehen. Die Verfilmung des ersten Buchs der Millennium-Trilogie des 2004 verstorbenen schwedischen Krimi-Autors Stieg Larsson wird in Deutschland in den nächsten Wochen in die Kinos kommen und Verblendung heißen. Wörtlich übersetzt lautet der schwedische Titel “Männer, die Frauen hassen”.

Ich will hier gar nicht die Handlung beschreiben oder gar verraten, wer der Bösewicht ist, sondern nur sagen, dass ich den Film gut fand – spannend, düster, teilweise unbehaglich und nicht sehr vorhersagbar. Wer ihn bald im Programm seines Kinos sieht, dem sei der Besuch also hiermit empfohlen.

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Actionfilm in echt?

Ein spektakulärer Raub hat sich heute früh morgens in einem Stockholmer Vorort zugetragen. Einbruch in das Wertsachenlager einer Sicherheitsfirma übers Dach – per Helikopter. Flucht in aller Ruhe und mit säckeweise Beute auf dem gleichen Weg, vor den Augen der Nachbarn. Bombenattrappe bei den Polizeihubschraubern, damit sie nicht starten können. Der Hubschrauber der Diebe ist mittlerweile verlassen aufgefunden worden und hat sich ebenfalls als gestohlen herausgestellt. Verletzt scheint bei dem ganzen keiner geworden zu sein.

Sachen gibt’s.

Nachtrag: Jetzt auch bei SpOn

Nachtrag 090924: Es scheint als ob auch das Timing sehr gut gewählt war: Morgen ist Lohntag in Schweden und die Geldautomaten sollten vor dem Wochenende gut gefüllt werden, unter anderem von eben diesem Lager aus. Man munkelt von einigen hundert Millionen Kronen Beute. Außerdem glaubt man, dass ein Fehlalarm im Lager vor einigen Wochen ein Test für die Reaktionszeit der Polizei war.

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The Ark - It takes a fool to remain sane

[Videolink](http://www.youtube.com/watch?v=GNay6BNhpDA)

Ein Klassiker von 2000, mit dem The Ark richtig bekannt wurden. Frontmann Ola Salo war heuer auch Sommarpratare (MP3) und erzählt unter anderem, wie er die USA-Tournee abbrechen musste, nachdem sein schlechter Witz bei der Einweihung der neuen schwedischen Botschaft über Flugzeuge, die in weiße Haus stürzen, für einen Eklat gesorgt hatte.

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Das schwedische Herbstbudget

Jedes Frühjahr und jeden Herbst legen schwedische Regierungen feierlich ihr Budget fürs kommende halbe Jahr vor. Dazu trägt es der Finanzminister in einer Prozession^^ vom Finanzministerium zum Reichstag, dem es vorgelegt wird und in einer Parlamentsdebatte auseinander gepflückt wird.

Gestern war die Zeit des Herbstbudgets gekommen. Im Frühling hieß es noch, es gäbe wegen der Wirtschaftskrise so gut wie keinen Platz für Reformen. Ganz so schlimm ist es dann doch nicht gekommen und jetzt stehen einige Milliarden für Ausbildungs- und Arbeitsmarktmaßnahmen auf dem Programm. Die Kommunen bekommen auch einiges mehr Geld, um dort Entlassungen entgegenzuwirken.

Am meisten Widerstand regt sich gegen die geplanten Steuersenkungen. Für rund 15 Milliarden sollen Steuern für Arbeitnehmer, Rentner und Selbständige gesenkt werden. Das alles auf Pump: das Budget weist ein Defizit von knapp 80 Milliarden Kronen aus. Die Opposition hält die Senkungen für unverantwortlich und hätte das Geld lieber zur Krisenbekämpfung verwendet. Schließlich erwartet man für das nächste Jahr über 11 Prozent Arbeitslose.

Diese Grafik fasst die Zahlen zusammen.

Zur Verschuldung ist zu sagen, dass Schweden im Vergleich zu den meisten entwickelten Ländern sehr gut dasteht. Die Staatsverschuldung wächst zwar von 33 auf gut 40 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, aber das liegt nicht zuletzt daran, dass letzteres 2009 um 5 Prozent schrumpft. Zum Vergleich liegt die deutsche Staatsverschuldung bei über 60 Prozent und einen Haushaltsüberschuss in besseren Zeiten wie in Schweden sucht man dort vergeblich.

^★^ Dazu war heute ein sehr lustiges Foto in der Zeitung, das Finanzminister Anders Borg auf dem Weg zeigt – vor einem Tax Free-Schild

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Radfahren: Uppsala vs. Stockholm

Ich wohne jetzt seit etwa acht Monaten in Stockholm – nach fast sieben Jahren in Uppsala. Obwohl ich eine Dauerkarte für die U-Bahn habe und sie quasi vor unserer Haustür hält, fahre ich auch weiterhin Fahrrad.

Wie erwartet kann Stockholm Uppsala was das Radeln angeht nicht das Wasser reichen. Die vielen Studenten, die Rad-Autobahnen und die geringeren Ausmaße machen Uppsala zum Gewinner. Dort sind es genug Radler, dass man sich die Rücksicht der Autofahrer erkämpft hat. Andererseits ist es nicht stressfrei, einmal hinter dem Steuer zu sitzen und die skrupellosen Radfaher von allen Seiten und ohne die Verkehrsregeln zu beachten um sich herum schwirren zu sehen.

Doch allzu schlechtes kann man übers Radfahren in Stockholm auch nicht sagen. Es gibt ein Fahrradwegenetz und wenn man weiß, wo es ist, kommt man in der Regel prima und recht sicher vorwärts. Im Gegensatz zu Uppsala gibt es dagegen auch Straßen, auf denen das Radeln unangenehm ist (z.B. die Mäster Samuelsgatan). Die muss man eben meiden lernen.

Ein Phänomen ist mir in Stockholm aufgefallen, das in Uppsala weitgehend unbekannt ist: Rennrad-Pendler. In Uppsala gehörte ich zu den schnelleren Radfahrern. Dass ich überholt wurde, war die jährliche Ausnahme. In Stockholm, wenn ich an einem der Hauptausfallsradwege gen Norden (entlang der E18) fahre, passieren mich ganze Pulks von Leuten. Dabei handelt es sich um Pendler aus den Vororten, die die Möglichkeit zum Duschen am Arbeitsplatz haben (das ist keine Seltenheit) und die den Arbeitsweg zum täglichen Sport nutzen.

Modebewusst wie Schweden nun einmal auch beim Träning sind, gehören dann fesche Trikots in grellen Farben, Radlerhosen und ein schnittiges Rennrad dazu. Im Rucksack die Arbeitskleidung. Auf diese Art lassen sich auch zehn bis zwanzig Kilometer Arbeitsweg gut per Fahrrad bewältigen. Und natürlich ist es erfreulich, dass mehr und mehr diese umweltfreundliche und gesunde Art des Pendelns bevorzugen.

Unterdessen findet in den Zeitungen und der Lokalpolitik eine lebhafte Diskussion statt, wie man das Radfahren in Stockholm verbessern kann – ein sicheres Zeichen, dass das Rad als Verkehrsmittel in der Hauptstadt an Bedeutung gewinnt.

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Vicke Viking

Kristina schreibt Interessantes über Wickie. Aber warum Antiheld? Er ist doch offensichtlich der eigentliche Held, im Gegensatz zu den einfältigen Erwachsenen. Oder habe ich das damals missverstanden? :)

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Mannaminne

Mannaminne

Mannaminne (wörtlich in etwa “Menschengedenken”) ist eine fantastische Sammlung von einfach allem. Alte Straßenbahnen aus Norwegen, Rostock und Tallin, Historisches über die Nazis in Norwegen, ein ausgedientes Jagdflugzeug, ein Stein, der für Albert Speers Monumentalbauten in Berlin gedacht war, alte Autos (inklusive Isetta und Trabi), ein ganzes Haus über Ziehharmonikas, Originalentwürfe von bekannten Kunstwerken und vieles mehr. Das Ganze liegt bei Nordingrå an der hohen Küste. Mehr Bilder in der unteren Hälfte dieser Galerie.

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Nobel auf SpOn

SpOn hat heute einen netten Artikel über Alfred Nobel, Erfinder des Dynamits und Stifter der Nobelpreise.

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