Höstväder

Nachdem letzte Woche hier in Uppsala noch feinstes Spätsommerwetter mit Sonne und über zwanzig Grad war, fühlte es sich heute morgen doch sehr herbstlich an, bei unter zehn Grad gegen kräftigen Wind anzukämpfen und in Regenjacke und -hose zur Arbeit zu radeln. Diese werden in den nächsten Wochen ständige Begleiter sein.

Man sieht jetzt immer mehr Herbstlaub – die Birken sind unter den ersten – und die Nächte sind wieder richtig dunkel. Fünf Minuten gewinnt die Nacht zur Zeit täglich hinzu, knapp doppelt so viel wie beispielsweise in Frankfurt. Am 21 September, zur Tag- und Nachtgleiche haben wir die südlicheren Gefilde eingeholt und nähern uns mit fast sechs Minuten pro Tag der dunklen Jahreszeit.

Es lässt sich wohl nicht verleugnen: Der Sommer ist so gut wie vorbei.

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Linnés Hammarby

Linnés
Hammarby

Das Linné-Jahr anlässlich des 300. Geburtstags des Botanikers ist noch nicht vorbei. Stündlich fährt der eigens eingerichtete Linnébus Touristen, die nicht selten alleine wegen Linné nach Uppsala kommen, zu den wichtigsten Stellen in und außerhalb der Stadt. Dazu gehört zweifelsohne auch Linnés Hammarby, ein alleinstehendes Anwesen 15 Kilometer südöstlich von Uppsala, das Linné für sich und seine Familie kaufte, um der ungesunden Stadt zu entfliehen. Zu sehen gibt es neben dem Wohnhaus (Bild), den Nebengebäuden und dem Garten auch ein kleines Steingebäude in dem Linné seine Sammlungen aufbewahrte, damit sie vor Bränden in der Stadt geschützt waren.

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Wort der Woche: Midsommarkrisen

Im zweiten Weltkrieg versuchte Schweden, seine selbsterklärte Neutralität zu wahren. Damit meinte man nicht wirklich, neutral zu sein, sondern auf keinen Fall in den Krieg hineingezogen zu werden. Die damalige, wegen des Krieges zusammenberufene Allparteienregierung unter Per Albin Hansson gab zwar den populären Forderungen nach direkter Unterstützung an Nazideutschland nicht nach, machte aber an mehreren Stellen Zugeständnisse.

Am wichtigsten waren wohl die Transporte von Soldaten mit schwedischen Zügen, nachdem Deutschland 1940 Norwegen angegriffen hatte. Ein täglicher Zug über schwedisches Staatsgebiet, der neben deutschen Soldaten auch Munition und Kriegsgerät transportiere, wurde eingerichtet, doch auch das reichte nicht. Am 22. Juni 1941 begann das “Unternehmen Barbarossa”, der Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion, und in dessen Rahmen wollte die Wehrmacht eine ganze Division von Norwegen durch Schweden an die finnische Grenze zu Russland transportieren. Diese Anfrage und darauffolgende Diskussion in der schwedischen Regierung und dem Reichstag nennt man die Mittsommerkrise.

Denn obwohl die bürgerlichen Parteien eher nachgeben wollten, gab es viele Stimmen unter den Sozialdemokraten, die das Maß an Unterstützung für die Deutschen für voll hielten. König Gustav V. war für die Erlaubnis, sowohl um den Konflikt mit Deutschland zu vermeiden, als auch mit dem Gedanken an Hilfe für Finnland. Er mag den Ausschlag gegeben haben, immerhin hat er angeblich mit seinem Abtritt gedroht, sollte das Gesuch der Deutschen abgelehnt werden. Das hätte zu einer Spaltung der schwedischen Gesellschaft führen können. Ob es diese Drohung wirklich gab, ist ungewiss, aber es ist belegt, dass Per Albin Hansson sie in der Argumentation verwendete.

Der Transport wurde als Einzelfall genehmigt und die Division Engelbrecht passierte vom 25. Juni bis 12. Juli Schweden gen Osten, wo die meisten Mitglieder umkamen. Etwas ausführlicher über Schweden während des zweiten Weltkriegs kann man in der Wikipedia lesen und zur midsommarkrisen in der Nationalencyklopedin.

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Bommerlunder und Kaffeekäse

Wir waren gestern auf einem Fest, das – obwohl es außerhalb der Nationen war – an eine Gasque erinnerte. Zu meiner Überraschung stand keine der zahlreichen schwedischen Sorten snaps (Aquavit) auf dem Tisch, sondern Bommerlunder! Ja, der aus dem Lied der Toten Hosen.

Ich kannte bisher nur das Lied, nicht das Getränk selbst, aber es schmeckte durchaus vergleichbar mit den hiesigen gewürzten Schnäpsen und das einzige worüber sich die Schweden am Tisch beklagten, war die fehlende Inhaltsangabe mit den Zutaten und Kräutern auf der Flasche.

Eine weitere Kuriosität, die mir gestern zum ersten Mal unterkam, darf ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Kaffeost. Es handelt sich dabei um einen flachen gebackenen Käse, den man in Streifen schneidet, in den Kaffee legt und dann mit dem Löffel isst. Ungelogen. Dieser Brauch kommt angeblich aus den ländlicheren Teilen Norrlands.

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Amazon

Es ist eine Generationenfrage, woran man zuerst denkt, wenn man “Amazon” hört. Für mich ist das selbstverständlich ein Internetversandhaus, kein Auto. Schweden denken wohl zuallererst an die Kriegerfrau, die hier ohne “e” am Ende geschrieben wird. (via)

YouTube-Link

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Utställning

Das Bild von eben wird in zwei Wochen in einer Ausstellung hängen, zusammen mit dem, dem, dem und drei kleineren (1, 2, 3), die zusammengehören. Das Ganze findet in einer öffentlichen Bibliothek in Gottsunda, einem Stadtteil von Uppsala, statt und ist eine Zusammenarbeit mit anderen Leuten, die ich hin und wieder zu Fotoausflügen treffe. Es geht um Naturbilder und der Titel ist “Naturligtvis”, ein einfaches Wortspiel, das auf meinem Mist gewachsen ist.

So in etwa werden meine zwei Meter Wand wohl aussehen. Lustig ist, dass die Rahmen, auf die wir uns nach langer Diskussion geeinigt haben, natürlich gerade landesweit bei IKEA ausverkauft sind. Ich habe also gestern zur Sprühdose greifen müssen, die wiederum im Baumarkt nur unter der Ladentheke und nach Gesichtskontrolle, ob ich denn auch kein Graffiti-Sprayer bin, zu haben war. Ich habe mir einen Kommentar dazu verkniffen.

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Fingrar

Eigentlich heißen die fünf Finger einer Hand im Schwedischen tumme, pekfinger, långfinger, ringfinger und lillfinger, in der Bedeutung der Worte sehr ähnlich dem Deutschen.

In Kinderreimen heißen sie jedoch Tummetott, Slickepott, Långeman, Gullebrand och lilla Vickevire: der “Däumling” aus dem Märchen, der Finger zum Topf ausschlecken, der “lange Mann”, der “Goldbrand” (wohl in Bezug auf den goldenen Ehering) und der/die “kleine Vickevire” – was auch immer das bedeuten mag.

Die Verse für Kinder, in denen diese Namen vorkommen, nennt man Fingerramsa.

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Kai Siegbahn, 1918-2007

Ich habe gerade erst erfahren, dass Kai Siegbahn im Juli gestorben ist. Um ehrlich zu sein: Ich hätte davor nicht mit Sicherheit sagen können, ob er noch am Leben war. Kai Siegbahn war einer der vier schwedischen Physiknobelpreisträger. Er war Professor hier in Uppsala und der größte Hörsaal des Physikzentrums “Ångströmlabor” ist nach ihm benannt. Einer der drei anderen Schweden mit Physiknobelpreis war übrigens Kai Siegbahns Vater Manne.

Aus meinem Fenster im Ångströmlab habe ich Ausblick auf das Dach des “Siegbahnsalen” und sehe die Leute, die auf der Terasse dort Kaffee trinken.

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Podcast?

Seit langer Zeit spukt mir der Gedanke durch den Kopf, einen Podcast für Fiket zu machen. Ich hätte auch eine gute Idee: jeweils die aktuelle Ausgabe von Dagens Nyheter, der größten schwedischen Tageszeitung, vor mir liegen zu haben und “live” meinen Senf zu den Neuigkeiten aus Schweden abzugeben. Nicht unbedingt täglich, aber ab und zu.

Technisch wäre es kein Problem. Die billige Ausrüstung an Hard- und Software steht und es kommt akzeptable Qualität heraus. Das Problem ist, zusammenhängende Sätze zustande zu bringen, so dass sich der Aufwand fürs Schneiden in Grenzen hält. Wenn man sich gleichzeitig darauf konzentrieren muss, was da eigentlich steht, ist das gar nicht einfach und Sprachausbildung habe ich natürlich keine.

Ich brauche also noch etwas mehr Übung, bevor es die erste Ausgabe geben wird. Vorweg aber schon einmal die Frage: Besteht überhaupt Interesse?

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