Joakim Thåström - Alla vill till himlen

YouTube-Link, Mehr über Thåström.


Alle wollen in den Himmel

Kannst du deinen Namen nicht ändern, wechsle den Planeten
Du kannst ein Stern sein, den sie nie herunterholen können
Denk, da oben zu hängen, auf die Leute schauen und lächeln
Ich will, du willst

Ein glücklicher Mensch weiß nie auf wen er einschlägt
Er weiß, dass der Spiegel der beste Freund ist, den er je haben wird
Er schaut noch einmal hin und aus John Wayne wurden zwei
Ich will, du willst
Alle wollen in den Himmel und Limousine fahren, natürlich
Alle wollen in den Himmel, in den Himmel

Dass Jesus auf dem Wasser ging, das hat was
Mit zwei leeren Händen baute er seine Mondrakete
Ein einfacher Mann wie du und ich, aber mit etwas besseren Manieren
Ich will, du willst
Alle wollen in den Himmel und Limousine fahren, natürlich
Alle wollen in den Himmel, in den Himmel

Du kaufst deinen Weg in den Himmel
Du bezahlst bar im Himmel
Du kaufst deinen Weg in den Himmel

Kannst du dein Leben nicht ändern, wechsle den Kanal
Glück ist so einfach austauschbar wie Ideale
Alle wollen in den Himmel und Limousine fahren, natürlich
Alle wollen in den Himmel, in den Himmel

Den Originaltext findet man hier. Die Übersetzung ist recht wörtlich und beachtet keinerlei Versmaß – das würde viel länger dauern. Im obigen Video wird die zweite Strophe ausgelassen, in dem hier nicht.

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Zwei Professoren weniger

Es war im Februar diesen Jahres, dass der neue Direktor der hiesigen und ältesten nordischen Universität, Anders Hallberg, zwei Mathematikprofessoren das Messer auf die Brust setzte und ihnen die freiwillige Kündigung nahelegte. Ansonsten würden Disziplinarmaßnahmen eingeleitet. Konkrete Vorwürfe wurden nicht vorgelegt.

Anlass waren wohl interne Querelen im mathematischen Institut und die Begründung des Rektors beinhaltete die Illoyalität, sich den Vorgaben zu einer Forschungsrichtung zu beugen. Zuerst kochte nur die interne Gerüchteküche – auch herüber zu uns Astronomen – und es war zum Beispiel davon die Rede, dass Hallberg ein Treffen barsch beendete, weil er auf Schwedisch als Umgangssprache bestand und einer der beiden Betroffenen keine Schwede war.

Langsam wurde die Geschichte bekannt und einer der beiden Professoren kritisierte den Rektor öffentlich. Die Lokalpresse sprang darauf an (siehe Links unten oder diesen Leserbrief eines unserer Astro-Profs) und auch innerhalb des internationaler Mathematikerkreise sorgte die Sache für Empörung. Es zeigte sich nicht nur, dass die Vorwürfe des Rektors wenig Substanz hatten, sondern auch, dass kaum jemand anders das harte und erpresserische Vorgehen gut hieß.

Als ich heute morgen dann in der Zeitung an prominenter Stelle einen Artikel mit der provokanten Überschrift Die Universität Uppsala muss dichtgemacht werden sah, war klar, dass es um diese Geschichte ging. Ein Professor aus Göteborg legt sehr geschickt dar, was eine Universität ausmacht, nämlich die Freiheit, Wissen zu suchen, ohne die Einflussnahme politischer, ideologischer, wirtschaftlicher, religiöser oder sonstiger Mächte.

Zusammen mit einem anderen Fall, in dem nachgewiesen falsche, aber politisch opportune Forschungsergebnisse nicht zu Konsequenzen geführt haben, habe die UU diese Grundsätze verletzt und deshalb nicht mehr verdient, “Universität” genannt zu werden. Sie gehöre geschlossen, denn die Erniedrigung zur Hochschule sei gegenüber den anderen Hochschulen unfair.

Dazu wird es natürlich nicht kommen, aber der Artikel hat ziemlich eingeschlagen und ist als Weckruf sicher gesund. Schade nur, dass es kein Professor aus Uppsala war, der ihn geschrieben hat. Die Wirkung wäre noch stärker gewesen und gleichzeitig wüsste man dann, ob der Rektor Illoyalität wirklich als Kündigungsgrund ansieht.

Hier noch die Artikel aus der Lokalredaktion des schwedischen Rundfunks, die ich im Laufe der Zeit gesammelt, aber dann doch nie im Detail zusammengeschrieben habe:

http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1399776
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1398317
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1356535
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1195920
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?Artikel=1396286
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1404922
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1406203
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1407298
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1410876
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1412576
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?Artikel=1396286
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1445066
http://www.sr.se/cgi-bin/uppland/nyheter/artikel.asp?artikel=1472301

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Studenteneinfall

Außer dass sie einem an der Uni über den Weg laufen, gibt es zwei eindeutige Zeichen, dass die Studenten nach Uppsala zurückgekehrt sind: Der Flogstaschrei ist wieder jeden Abend deutlich zu vernehmen und das Studentennetz ist merklich langsamer – nicht jeder scheint mit 10Mbit in beide Richtungen vernünftig umgehen zu können. Auch die Zeit, in der man ohne Probleme eine freie Waschmaschine im Waschhaus fand, dürfte vorbei sein.

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Wort der Woche: Nollning

Mit der Endung -ning können im Schwedischen Verben substantiviert werden. Zum Beispiel gehört zu forska (“forschen”) die forskning (“Forschung”). Nollning kommt also von nolla, das wiederum mit der Zahl “Null” zu tun hat und entweder als Verb “nullen” oder als Substantiv die “Null” bezeichnet. Das “Nullen” beziehungsweise das “Nullstellen” sind demnach passende Übersetzungen für nollning.

Nollning

Diesen Begriff verwendet man auch die Einführungswoche für neue Studenten. Gemeint ist sowohl, dass die Neuen ja erst ab nächster Woche, wenn die Kurse anfangen, Erstsemester sind, als auch, dass sie bisher noch Null Punkte im System haben, in dem in Schweden Studienleistungen gerechnet werden. Die Leute als “Nullen” zu bezeichnen, hat in der schwedischen Sprache jedoch die gleiche negative Intonation wie im Deutschen.

In der Tat hat die ganze Veranstaltung den Beigeschmack von Autorität seitens der Organisatoren und von Erniedrigung der neuen Studenten, der für Initiationsrituale typisch ist. Es werden Spiele gespielt und Aufgaben müssen erledigt werden. Die neuen Technik- und Naturwissenschaftsstudenten in Uppsala bekommen beispielsweise ein orangefarbenes Papier-Ei um den Hals gehängt, das durch ein immer größeres ersetzt wird, je mehr jemand “falsch” gemacht hat. Wenn einem dann jemand im Gebäude begegnet, der eine fast mannshohe runde Papierscheibe um den Hals trägt, entbehrt das nicht einer gewissen Komik, gleichzeitig fragt man sich aber, warum Menschen so viel mit sich machen lassen, bloß weil ihnen jemand mit fester Stimme gesagt hat, dass das so zu sein hat. Die älteren Studenten, die das Ganze organisieren, sind nicht weniger lächerlich anzusehen, haben sie doch lange bedruckte Umhänge, bunte Kleider, große dunkle Sonnenbrillen und Haare nach Vorbild von Punks.

Nichtsdestotrotz ist der Sinn des nollning meist ein harmloser und sinnvoller, nämlich Berührungsängste abzubauen und Leute miteinander bekannt zu machen. Die Veranstaltungen sind je auf einen Fachbereich begrenzt und nicht selten finden sich schon in diesen Tagen die Leute zusammen, die dann mehrere Semester lang miteinander lernen.

Die seltsame Kleiderordnung und dass die Einführungsveranstaltung nollning genannt wird, kommt meines Wissens von den technischen Hochschulen und ist auf die klassischen Universitäten übergeschwappt. Echte Traditionalisten rümpfen deshalb wohl die Nase über diese Art der Veranstaltung. In Verbindung mit der negativen Presse wegen Mobbing und Erniedrigungen gibt es immer wieder Rufe, das nollning abzuschaffen.

Ich war gerade vor der Tür und habe ein paar Bilder gemacht:

NollningNollning

NollningNollning

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Staatliche Filmzensur

In Deutschland werden die Altersfreigaben bei Filmen von der FSK bestimmt. Es handelt sich also um eine Filmwirtschaft “freiwillig” durchgeführte Kontrolle, die bei Filmen die Indizierung durch den Staat ersetzt hat.

In Schweden gibt es noch die staatliche Filmzensur. Die zuständige Behörde, Statens biografbyrå, ist die weltweit älteste solche und existiert seit 1911. Die frühere Praxis, dass Szenen aus Filmen geschnitten wurden, ist jedoch heutzutage die äußerst seltene Ausnahme und man beschränkt sich auf die Festsetzung der Altersgrenzen. Trotzdem muss immer noch jeder Film vor Veröffentlichung von der Behörde beurteilt und freigegeben werden.

Die Diskussion, die Zensur abzuschaffen, wird wohl seit längerem immer wieder geführt, so auch jetzt. Im Sinne der freien Meinungsäußerung und weil das Gesetz so veraltet ist, sei dies längt überfällig. Auch wenn zwei der vier schwedischen Regierungsparteien für die Abschaffung sind, wird es wohl nicht dazu kommen, weil die Christdemokraten wieder einmal blockieren.

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Die RAF in Schweden

Im Frühling gab es aus nicht ganz verständlichen Gründen ein neuerwecktes Interesse an der RAF in den deutschen Medien. Unter anderem fand eine Diskussion um die Meldung statt, dass keiner der für den Mord an Generalbundesanwalt Bubak von 1977 Verurteilten die tödlichen Schüsse abgegeben haben soll, sondern dass stattdessen Stefan Wisniewski der Schütze gewesen sei.

Die RAF war auch in Schweden aktiv und hat nicht nur der erfolgreichsten schwedischen Punk-Band indirekt ihren Namen gegeben. 1975 besetzten sechs RAF-Mitglieder das Obergeschoss der deutschen Botschaft in Stockholm, nahmen Geiseln und forderten die Freilassung von 26 in Deutschland Inhaftierten. Das Kommando Holger Meins, benannt nach dem im Jahr zuvor in Haft umgekommenen Komplizen, endete blutig, als die Forderungen nicht erfüllt wurden.

Es gab jedoch ein siebtes Mitglied der Aktion. Jemand, der nicht mit in der Botschaft war, der die Briefe mit Forderungen in Briefkästen platzierte und der angeblich noch am gleichen Tag aus Schweden entkam. Man sagt, dass es sich dabei wiederum um Stefan Wisniewski handelte.

Vor vier Jahren wurde ein Dokumentarfilm mit dem Titel Stockholm 75 über die Geiselnahme gedreht. Hat den jemand gesehen oder weiß, wo man ihn finden kann?

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Seltenheitswert

Ist es nicht erstaunlich, dass Leute in Scharen herbeiströmen, sobald es etwas Seltenes zu sehen gibt? Zum Beispiel die Riesenseerose victoria cruziana, die im Botanischen Garten von Uppsala in einem eigenen Anbau des Gewächshauses lebt. Die Pflanze blüht nur kurze Zeit im Jahr, jede Blüte zwei Nächte lang; die erste Nacht weiß, die zweite rot. Das Haus hat wegen dieses “Spektakels” jedes Jahr längere Öffnungszeiten.

Ob die Allgegenwart Linnés zu seinem 300. Geburtstag das Interesse am Grünen neu geweckt hat, weiß ich nicht, aber alleine gestern Abend waren über fünfzig Leute da, um vergeblich darauf zu warten, dass eine Blüte zwischen den riesigen Blättern auftaucht und sich öffnet.

victoria cruziana mit
Zuschauern

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