Wort der Woche: Faluröd

Rotes Holzhaus

Die roten Holzhäuser mit weißen Kanten sind typisch für Schweden – zumindest auf dem Land. Warum eigentlich? Und warum wird die rote Farbe Falu rödfärg^1^, oder kurz Faluröd, genannt?

Die Antworten sind ebenso profan wie interessant. In der Stadt Falun, etwa 300 km nordwestlich von Stockholm im Inland gelegen, gibt es eine Kupfermine mit über tausendjähriger Tradition. Ab dem 16. Jahrhundert erkannte man, dass eines der Abfallprodukte nicht nur eine kräftige dunkelrote Farbe hat, sondern auch konservierend auf Holz wirkt. Ein wichtiger Vorteil ist dabei die Durchlässigkeit für Feuchtigkeit, denn so wird Fäule und Schimmel vermieden.

Im 17. Jahrhundert wurde es populär, die städtischen Häuser der Reichen mit der roten Farbe aus Falun anzumalen, auch mit dem Gedanken, die Backsteinhäuser des reicheren Kontinentaleuropas zu imitieren. Ein weiteres Jahrhundert später erfreute sich die Farbe allgemeiner Beliebtheit, die zwar heutzutage in Städten gebrochen ist, aber auf dem Land ungehindert fortbesteht.

^1^röd=rot; färg=Farbe

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Kein Salemmarsch für 6 deutsche Nazis

In Salem, einer Gemeinde im Süden der Region Stockholm, findet jedes Jahr am 9. Dezember ein Aufmarsch der Neonazis statt, der Salemmarsch (S). Anlass ist ein Ereignis aus dem Jahr 2000, bei dem ein 17jähriger Skinhead von einer Gruppe Jugendlicher zu Tode misshandelt wurde, bei der auch Einwanderer dabei waren. Die rechte Szene ehrt ihren “Märtyrer”, demonstriert gegen die scheinbar milde Bestrafung der Täter und nutzt den Anlass für ihre menschenfeindliche Propaganda.

Eine Gruppe deutscher Skinheads, die dem Marsch beiwohnen wollten, benahm sich auf dem Billigflug nach Skavsta bei Nyköping wohl derart daneben, dass sechs von ihnen dort festgehalten und mit dem nächsten Flug nach Deutschland zurückgeschickt wurden (S). Die Gruppe hatte noch mehr Mitglieder, aber die lokale Polizei konnte sich aus Mangel an Ressourcen nicht um mehr kümmern.

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Fuglesang in Space

Nicht ganz unerwartet (S) fand der Start des Space Shuttles, mit dem Christer Fuglesang der erste Schwede im Weltraum werden soll, nicht wie geplant heute Nacht statt, sondern wurde wegen schlechten Wetters verschoben. Neuer Starttermin ist Samstag Abend.

Update 10. Dez: Heute Nacht war besseres Wetter und der Start ist geglückt. Christer Fuglesang ist damit der erste Schwede im Weltraum. In zwei Tagen wird die Besatzung bei der ISS ankommen.

Update 11. Dez: Bei der Überprüfung des Hitzeschilds des Space Shuttles Discovery wurden keine Schäden durch den Start festgestellt – solche Schäden hatten 2003 zum Verlust der Columbia beim Wiedereintritt in die Atmosphäre geführt. Noch heute Abend wird die Discovery an der internationalen Raumstation, die in 350 km Höhe die Erde umkreist, andocken.

Update 12. Dez: Das Shuttle hat angedockt und es wurde etwas Material überführt. Heute Abend soll der erste “Space Walk”, also Außenarbeiten im Raumanzug, stattfinden. Neue Sonnenkollektoren werden dabei installiert, um die Stromversorgung der ISS sicherzustellen.

Update 13. Dez: Gestern Abend haben Fuglesang und sein Kollege Curbeam den ersten Außeneinsatz absolviert. Alles lief nach Plan und die Installation und Umkonfiguration der Stromversorgung der ISS ist damit einen Schritt weiter. Ein Video gibt es auf der NASA-Homepage und am Ende dieses Artikels gibt es Bild(er).

Update 15. Dez: Gestern sollte ein ausgedientes Sonnensegel zusammengefaltet werden, aber es klemmt. Davon ungehindert hat Christer Fuglesang mittlerweile seinen zweiten Weltraumspaziergang erfolgreich absolviert und dabei die Stromversorgung so verändert, dass die im September installierten neuen Solarzellen ihre Wirkung entfalten können und die Energieproduktion der ISS um 50% steigern. Wegen des Problems mit dem alten Sonnensegel wird erwägt, einen zusätzlichen Außeneinsatz durchzuführen, bevor die Besatzung wieder aufbricht.

Update 17. Dez: Weil das Sonnensegel trotz kräftigen Schüttelns immer noch klemmt, wurde die Mission um einen Tag verlängert, damit Christer Fuglesang und sein Kollege Curbeam in ihrem dritten, außerplanmäßigen Raumspaziergang das Problem beheben können. (Neue Bilder nach nach dem Klick)

Update 19. Dez: Der dritte Außeneinsatz mit Christer Fuglesang war erfolgreich und sie konnten das verklemmte Sonnensegel einfalten. Mittlerweile ist die Raumfähre Discovery auf dem Rückweg und wird am Freitag in Florida landen. Gestern konnte eine Schulklasse aus dem kleinen Ort Knivsta, nicht weit von hier, Fragen an Fuglesang stellen – die mediale Verwertung des ersten schwedischen Astronauten scheint zu gelingen und Christer Fuglesang wird als Held zurückkehren, gerade für junge Menschen. Dagegen ist nicht einzuwenden, finde ich. Es gibt viel schlechtere Vorbilder.

Update 23 Dez: Die Discovery ist gestern Abend am Kennedy Space Center in Florida gelandet. Wegen des Wetters war es lange unklar, ob man dort landen könnte. Damit endet der erfolgreiche Einsatz des ersten schwedischen Astronauten Christer Fuglesang nach über 12 Tagen im Weltall und einer Wegstrecke von 8,5 Millionen Kilometern. In schwedischen Einheiten klingt es weniger: 85.000 Meilen.

Christer Fuglesang bei der Arbeit. Bilder: NASA

Christer Fuglesang bei der Arbeit, Bild:
NASA

Christer Fuglesang bei der Arbeit, Bild:
NASA

Christer Fuglesang bei der Arbeit, Bild:
NASA

Christer Fuglesang und der deutsche Astronaut Thomas Reiter:
Christer Fuglesang und der deutsche Astronaut Thomas Reiter, Bild:
NASA

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Psychotestergebnisse öffentlich

Dass es Situationen gibt, in denen das berühmte schwedische Öffentlichkeitsprinzip in Konflikt mit dem Schutz der Privatsphäre steht, kann man sich leicht vorstellen, siehe Einkommens- und Schuldenauskunft.

Ein weiteres schönes Beispiel ist die Anfrage des schwedischen Rundfunks bei einer Behörde, doch bitte die Ergebnisse von psychologischen Tests herauszugeben, die bei behördlichen Einstellungsverfahren zur Anwendung kommen. Die Auskunft wurde verweigert, mit der Begründung, die Privatsphäre der betroffenen Personen zu schützen.

Die Sache ging vor Gericht und heute wurde geurteilt (S), dass solche Testergebnisse nicht für geheim erklärt werden dürfen, sondern dass sie ein “öffentlicher Vorgang” der Behörde sind. Sie müssen also jedem Fragenden ausgehändigt werden, ohne dass dieser einen Grund dafür angeben muss.

Auch wenn Datenschutz in Schweden nicht so gut wie in Deutschland ist, erkennt man sehr wohl, dass das so nicht sein kann und erwägt, solche Tests einfach abzuschaffen.

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Weltraumbasis Uppsala

Wie bereits erwähnt wird Christer Fuglesang bald der erste Schwede im Weltraum sein. Wenn das Wetter mitspielt und die technischen Schwierigkeiten (S) behoben werden können, wird er als Teil der Space Shuttle-Besatzung in der Nacht zum Freitag aufbrechen und für eine gute Woche Arbeiten an der ISS ausführen.

Fuglesang hat über zehn Jahre auf seinen ersten Einsatz warten müssen. Dass es so lange gedauert hat, führt er selbst auch auf die mangelnde Unterstützung (E) seines Heimatlandes zurück. Nichtsdestotrotz ist der Start ein Medienereignis in Schweden und kaum ein Tag vergeht ohne Berichterstattung.

Vielerorts gibt es begleitende Veranstaltungen, so zum Beispiel die Rymdbas Stockholm am dortigen Kulturhaus. Auch das hiesige Institut für Weltraumphysik nutzt die Gelegenheit für Öffentlichkeitsarbeit und lädt unter dem Schlagwort Weltraumbasis Uppsala zu einer Liveübertragung des Starts und zu Vorlesungen diese und nächste Woche ein.

Plakat nach dem Klick:

Uppsala
Rymdbas

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Links

Eines der Hauptmerkmale von Blogs fehlte ja bisher auf Fiket: die Blogroll. Diese Linkliste zu anderen Blogs gibt es jetzt auf der Startseite in der linken Spalte. Dort sind auch meine vorrangigen Quellen für schwedische Neuigkeiten verlinkt, ebenso wie einige meiner älteren Artikel, die ich immer noch lesenswert finde.

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Nikolaus

Nikolaus hat heute Namenstag in Schweden. Mehr nicht. Gefeiert wird das nicht, denn keiner heißt so.

Nachtrag, 7. Dez: Ich wurde darauf hingewiesen, dass der 6. Dezember der Unabhängigkeitstag Finnlands ist. An diesem Datum 1917 löste es sich von Russland, das 1809 die Herrschaft von Schweden übernommen hatte.

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Schnelle Menschen

Festsaal im Schloss
Uppsala

Aufräumarbeiten im Festsaal des Schlosses in Uppsala. Dag Hammarskjöld, zweiter UN-Generalsekretär (1953-61), wuchs in diesem Schloss auf, weil sein Vater als ehemaliger Premierminister Landshövding in Uppsala wurde. Man sagt, dass Dag in diesem Saal Tennis spielte.

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Nobelfest

Am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, werden in Stockholm die Nobelpreise an die diesjährigen Gewinner verliehen. Das Fest, mit König und allem drum und dran, soll sehr pompös sein. Wer sich dafür interessiert, kann die Feierlichkeiten live im Internet verfolgen.

In der darauffolgenden Woche kommen die Preisträger auch immer nach Uppsala und die Vorträge von Mather und Smoot über Kosmologie werde ich mir nicht entgehen lassen. Das Plakat mit der Ankündigung aller Vorlesungen gibt es nach dem Klick.

nobel schedule

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