Anna Sjödin tritt zurück

Der Jugendverband der schwedischen Sozialdemokraten (SSU) ist die größte politische Jugendvereinigung im Land und dient vielen als Sprungbrett in die “richtige” Politik. Die bisherige Vorsitzende des SSU, die 30-jährige Anna Sjödin, war das ganze Jahr in den Medien, weil sie im Januar in betrunkenem Zustand in Streit mit dem Rausschmeißer einer Stockholmer Bar geriet und ihn dabei tätlich angegriffen und mit rassistischen Äußerungen beleidigt haben soll.

Sie selbst streitet das ab und versucht, sich selbst als Opfer darzustellen. Das Gericht folgte jedoch nicht ihr, sondern den zahlreichen Zeugen, die die Version des Wächters bestätigten. Essprach sie im Oktober in allen Punkten schuldig und verurteilte sie zu einer Geldstrafe von umgerechnet 4000 Euro und zur Zahlung von 600 Euro Schmerzensgeld. Sjödin sah sich wieder als Opfer einer Hetzkampagne und Justizirrtums und “verlor ihr Vertrauen die schwedische Justiz”.

Sie legte Revision ein. Am Dienstag dieser Woche wurde diese jedoch abgelehnt und das Urteil ist rechtskräftig. Jetzt endlich wurde der Druck der lokalen Unterverbände so groß, dass Anna Sjödin zurücktrat (S). Sie hat dazu einen – meiner Meinung nach recht armseligen^1^ – Leserbrief geschrieben, in dem sie ihre Opferrolle wiederholt, eigene Verdienste aufzählt und behauptet, ohnehin nie SSU-Vorsitzende sein zu wollen.

^1^Ich hätte an dieser Stelle fast vergessen, dass das deutsche Wort “pathetisch” etwas ganz anderes bedeutet als das englische “pathetic” und das schwedische “patetisk” und damit hier völlig fehl am Platz wäre.

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Mehr Umweltautos, oder nicht?

Was tut man, um die Anzahl umweltfreundlicher Autos zu erhöhen? Steuererleichterungen, klar. Zum Beispiel sind als “Umweltautos” klassifizierte Fahrzeuge von der City-Maut in Stockholm befreit. Das sind oft Hybridautos, die sowohl mit Gas als auch Benzin fahren können. Welche Alternative der Halter dann im Alltag wählt, spielt dabei sinnloserweise keine Rolle.

Und was, wenn man noch mehr Umweltautos will und die Stadt Stockholm ihre eigene Flotte ganz aus solchen zusammensetzen will? Man ändert die Definition (S), was ein Umweltauto ist, so dass auch reine Benzinautos das Siegel des guten Gewissens bekommen können. Was dann allerdings die Maut, die ja den Verkehr verringern soll, noch bringt, bleibt offen.

Auch in anderen Bereichen streicht die neue Regierung Gelder für Umweltprojekte zusammen, vor allem auf Kommunalebene. Hier in Uppsala (S) ersetzt man aus Kostengründen “grünen” Strom durch herkömmlichen, Wärmekraftwerke müssen nicht mehr mit Biobrennstoff betrieben werden und die Zielsetzungen zur Emissionsverringerung wurden von 20% auf 4% zurückgeschraubt.

Kritik an dieser Politik kommt nicht nur von der Opposition (S), sondern auch aus den eigenen Reihen (S).

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Hakenkreuz in schwedischen Farben

Sucht man bei Google nach swedish flag dann bekommt man eine Flagge mit gelbem Hakenkreuz auf blauem Grund angezeigt:

Bildschrimfoto

Das lässt sich natürlich recht einfach erklären, indem sich in Erinnerung ruft, wie Google funktioniert. Populäre und viel verlinkte Seiten werden in der Rangfolge höher bewertet und man kann getrost davon ausgehen, dass die Seiten der BBC zu den hochrangigsten gehören. Ein Artikel der BBC von 1999 befasst sich mit der gemeinsamen Warnung schwedischer Zeitungen vor dem aufkommenden Rechtsradikalismus und hat eben diese Flagge als Illustration mit der Bildunterschrift: “The Swedish flag’s colours are used by some extreme-right groups”.

Auch wenn es deshalb für Computer sinnvoll erscheint, dieses Bild bei einer Suche nach der schwedischen Flagge anzuzeigen, ist dies sicher nicht gewollt und ich kann mir durchaus vorstellen, dass dieser Lapsus von Hand bei Google behoben wird.

Nachtrag 20. Dez: In der Tat wird mittlerweile ein anderes Bild angezeigt.

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Lucia und die Katzen

Es wurde schon kurz erwähnt: Am 13. Dezember wird in Schweden Lucia gefeiert. Das Luciafest ist eines der wenigen christlichen Heiligenfeste in Schweden. Es geht um die sizilianische frühchristliche Lucia von Syrakus.

Was es genau mit dem Fest auf sich hat und was man so alles tut, weiß der Wikipedia-Artikel zum Thema besser als ich. Es hat mit Mädchen in weißen Gewändern und Kerzen auf dem Kopf zu tun.

Die für die Vorweihnachtszeit typische Leckerei sind Lussekatter, also “Lucia-Katzen”. Das ist ein Hefegebäck mit Safran, zu dem man am besten Glühwein (oder die schwedische Variante glögg) trinkt. Warum sie “Katzen” genannt werden, konnte ich auf die Schnelle nicht ausfindig machen.

Nach dem Klick gibt es ein Rezept für Lussekatter und ein Bild mit Nobelpreisträger Smoot und “seinem” Lucia-Umzug (Luciatåg).

Rezept für Lussekatter
50g frische Hefe
1 Ei
1.5-2 dl Zucker
175g Butter
5 dl Milch
1g Safranfäden, gemörsert
1 Prise Salz
Genug Mehl, 10-15 dl, siehe unten.
Rosinen

Ei, Zucker und die Hefe (zerbröselt) in eine große Schüssel geben und sich auflösen lassen, etwas umrühren. Die Butter in einem Topf schmelzen, die Milch dazugeben und auf Körpertemperatur erwärmen (so dass man nicht merkt, wenn man seinen Finger hineinhält). Diese Milch-Butter-Mischung in die Schüssel mit dem Rest geben und den Safran und das Salz dazu. Dann nur noch mit Mehl auffüllen und rühren, bis der Teig nicht mehr klebt und sich von der Schüsselwand ablöst.

Eine halbe Stunde gehen lassen. Den Teig in handgroße Stücke teilen (bei obiger Menge etwa 25 Stück), per Hand in dicke Schlangenform rollen und diese dann von beiden Seiten spiralförmig aufrollen, so dass die typische S-Form entsteht (siehe Bild). In die Mitte der beiden Spiralen drückt man je eine Rosine. Mit noch einem zerrührten Ei bepinseln und dann nur noch auf einem Blech bei gut 200 Grad backen.

Nach 5-10 Minuten, wenn sie goldbraun sind, aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen. Wenn man nicht alle gleich isst, friert man die übrigen am besten gleich frisch ein, denn sie werden sonst recht schnell trocken. Aus der Mikrowelle aufgetaut und leicht warm schmecken sie fast wie frisch.

Lussekatt

Diesjähriger Physiknobelpreisträger Smoot bei seinem Vortrag heute in Uppsala. Im Hintergrund sieht man ein Bild vom Luciatåg, mit dem die Preisträger traditionell am 13. geweckt werden:
Smoot und sein
Luciatåg
Mehr Bilder von Mather und Smoot später…

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Rot und Blau

Rot und
Blau

Der Hügel rechts im Bild ist einer der Grabhügel von Gamla Uppsala.

Nebenbemerkung: Ab jetzt kann man auf die Bilder auch klicken und sollte eine größere Version eingeblendet bekommen. Das ist das Lightbox 2 Plugin und braucht JavaScript, um zu funktionieren.

Sind 900 Pixel für die Einblendung zu groß?

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Pirate Bay sperrt ISP aus

Die schwedische Seite The Pirate Bay, der nach eigenen Aussagen größte Bittorrent-Tracker der Welt, war schön öfter Thema auf Fiket, vor allem im Zusammenhang mit der Razzia im Mai, bei der Server beschlagnahmt wurden und der Verdacht aufkam, dass Druck von Seiten amerikanischer Rechteinhaber der Anlass dafür war. Meines Wissens ist das bis heute nicht aufgeklärt.

Die russische Seite AllofMP3, ein weiterer Dorn im Auge der Musikindustrie, wird seit zwei Wochen von mehreren dänischen Internetanbietern (ISPs) gesperrt. Viele sehen das zu Recht als Angriff auf eine der Grundfesten des Internet, seine Freiheit. Jetzt zieht der erste schwedische ISP, Perspektiv Bredband, nach und “bezieht Stellung” (S), indem er seinen Kunden Zugang zu AllofMP3 verweigert.

Hier kommt die Pirate Bay und die befreundete Interessenorganisation Piratbyrån (S), die sich für freien Kulturaustausch einsetzt, wieder ins Spiel. Die haben sich nämlich entschlossen, den Spieß umzudrehen und Perspektiv Bredband mitsamt Kunden den Zugang zur Pirate Bay zu verweigern. In der entsprechenden Pressemitteilung (E) werden die Gründe näher dargelegt und auch ein PHP-Skript angeboten, mit dem andere Seiten das gleiche tun können.

Die Pirate Bay ist eine der meistbesuchten schwedischen Seiten und es nicht abwegig, dass diese Aktion zu Kundenverlust bei Perspektiv Bredband führt.

Nachtrag: Die Sache hat sich erübrigt.

(via)

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Schwedenpolitik-Update

Schwede auf Terrorliste. Die Vereinten Nationen haben eine sogenannte Terrorliste und wer darauf landet, bekommt seine Konten eingefroren und andere Sanktionen auferlegt. Dass jetzt ein weiterer Schwede auf dieser Liste gelandet ist, entfacht die Diskussion um die Legitimität dieser Liste. Weil keine handfesten Beweise vorgelegt wurden, wird Kritik daran laut (S), dass die schwedische Regierung dies ohne Weiteres akzeptiert. Vor allem das Fehlen von Kontroll- und Einspruchsmöglichkeiten seitens der Betroffenen und die im gegenwärtiger Form herrschende Unvereinbarkeit mit der Menschenrechtserklärung werden angeprangert. Das Argument, die alte Regierung habe auch nichts dagegen getan, taucht auf und zeugt von Ratlosigkeit.

Parteichef gesucht. Nach der Wahlniederlage der Sozialdemokraten im September kündigte der ehemalige Ministerpräsident Göran Persson seinen Rücktritt als Parteichef im März an. Mittlerweile ist die innerparteiliche Diskussion entbrannt (E) und die Stockholmer Sozialdemokraten haben drei Frauen zur Kandidatur vorgeschlagen, von denen zwei jedoch (noch?) beteuern, nicht interessiert zu sein.

Gleichberechtigung abgeschafft. Die Regel, dass die Hälfte der Chefs von staatlichen Firmen und Organisationen Frauen sein sollen, wurde von der Regierung Reinfeldt verworfen (S). Stattdessen will man nach Kompetenz auswählen. Das Ziel der alten Regierung wurde zwar nicht völlig erfüllt, aber diesbezüglich tat sich wohl einiges.

Bildt gegen Danielsson. Lars Danielsson war die rechte Hand von Göran Persson in der alten Regierung. Für diesen Posten als Staatssektretär nahm er eine Auszeit von seiner Anstellung beim Auswärtigen Amt. Nach dem Regierungswechsel bewarb sich Danielsson als Botschafter, wurde jedoch von Außenminister Bildt heftig kritisiert. Danielsson habe das Parlament in der Affäre rund um die Handhabung des Tsunamis in Südostasien, bei dem viele Schweden betroffen waren, angelogen und er sehe nicht, wie ihn so etwas für einen Botschafterposten qualifiziere. Dennoch müsse man sich an die bestehenden Regeln und Gesetze für Arbeitsverhältnisse halten. Eben dies hat nun dazu geführt, dass Bildt zurückstecken musste und Danielsson doch einen Posten beim Außenministerium erhält (S), unter den gleichen Bedingungen wie die drei anderen ehemaligen Staatssekretäre der sozialdemokratischen Regierung.

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Nicht das Budget

Es kommt vor, dass ich auf ein Thema aufmerksam werde und denke “Darüber will ich bloggen”. Dann lege ich einen Artikelentwurf an, der oft auch gleich den Link zum Ursprungsartikel mitbekommt – so geht er nicht verloren und ich kann zu gegebener Zeit weiterschreiben.

Manchmal kommt mir dann in der Zwischenzeit noch mehr Material unter, das ich an den Entwurf anfüge. Irgendwann muss der Artikel dann aber fertiggeschrieben werden. Das ist einerseits völlig in Ordnung, denn so habe ich Themen, auf die ich zurückggreifen kann, wenn mir mal nichts einfällt. Es kommt jedoch auch vor, dass ich Entwürfe wegwerfe, entweder weil sie nicht mehr aktuell sind, oder weil ich es doch nicht mehr so interessant fand.

Beides trifft auf das Thema “Budget” zu. Die neue schwedische Regierung legte ihren Haushalt vor fast zwei Monaten vor und obwohl ich fleißig Links dazu gesammelt hatte, habe ich eingesehen, dass ich das nie zu Ende schreiben werde. Nicht zuletzt, weil es im Grunde langweilig ist. ;-)

Zum eigenen Nachschlagen und falls es wirklich jemanden interessiert, veröffentliche ich deshalb einfach die Liste mit den Artikeln nach dem Klick.

http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=972631
http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=972506
http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=969395
http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=972027
http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=973057

http://www.sr.se/cgi-bin/International/nyhetssidor/artikel.asp?ProgramID=2108&Nyheter=&format=1&artikel=972809

http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=973124

http://www.sr.se/cgi-bin/International/nyhetssidor/artikel.asp?ProgramID=2108&Nyheter=&format=1&artikel=974096

sell-out
http://www.thelocal.se/article.php?ID=5238&date=20061016

mehr entwicklungshilfe
http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=975949

http://www.sr.se/cgi-bin/International/nyhetssidor/artikel.asp?ProgramID=2108&Nyheter=&format=1&artikel=965632
http://www.tiger.se/blog/archives/2006/10/facket_ska_unde.html

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Sonnenbaum

Sonnenbaum
(Veröffentlichung um zwei Stunden rückdatiert.)

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Fernseharchive digitalisiert

Neulich wurde in Ånge, einer Kleinstadt in Norrland, eine neue Digitalisierungsfabrik für Bild- und Tonaufzeichnungen des schwedischen Fernsehens eingeweiht (S). Die Digitalisierung des Archivs soll zum einen der Alterung des Materials vorbeugen und zum anderen das Archiv leichter zugänglich machen.

Dass dabei sowohl die Forschung als auch die Öffentlichkeit erwähnt wird, lässt hoffen, dass man bald die Schätze, die in solchen Archiven schlummern übers Internet beziehen kann. Den Anfang bei der Digitalisierung machen die Aufzeichnungen der Hebung der Vasa und die Berichterstattung nach dem Mord an Olof Plame. Bis Ende 2009 soll die Arbeit abgeschlossen sein.

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