Schnell, schneller, Stockholm

Gestern schlossen die drei kommunalen Wohnungsgesellschaften in Stockholm einen Vertrag zum Ausbau des schnellen Internet (S) für 120.000 Wohnungen. Mit “schnell” meint man in Schweden dann nicht mehr DSL und auch nicht 10, sondern 100 Mbit/s. In beide Richtungen. Damit wird Stockholm die bestangebundene Stadt der Welt.

DSL-Anschlüsse sind zwar auch in Schweden üblich, aber in vielen städtischen Wohnungen liegen schon lange Netzwerkkabel, mit denen auch Privatleute 10 Mbit/s (wieder up und down) für unter 40 Euro im Monat bekommen können.

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Teure Krone

Die Krone ist seit längerem im Aufwind gegenüber dem Euro. Dieser kostet erstmals seit langem unter 9 Kronen.

Das ist vorteilhaft, wenn man zwischen den Jahren in die ehemalige Heimat reist. ;-)

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Ausländerquote diskriminierend

Im Herbst 2003 wurden zwei schwedische Studentinnen nicht für den Studiengang Jura an der Uni Uppsala zugelassen, weil ihre Noten nicht reichten. 30 der 300 Plätze waren jedoch für Studenten aus dem Ausland reserviert und das fanden die beiden voll ungerecht, weil auf diesem Weg Leute mit schlechteren Noten aufgenommen wurden.

Sie klagten. Und bekamen Recht. Weil die Universität sich nicht in ihre Politik reinreden lassen wollte, ging die Sache bis zum obersten schwedischen Gericht, dem högsta domstolen. Dieses hat heute bestätigt (S), dass diese Art der Studienplatzvergabe diskriminierend und nicht rechtens ist, und hat den Studentinnen je 8300 Euro Schadenersatz zugesprochen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das gut finden soll. “Gleiches Recht für alle” hört sich gut an, aber sind Noten von überall her vergleichbar? Haben Ausländer, gerade aus ärmeren Ländern, die gleichen Chancen? Ist eine Quote nicht sinnvoll, die aus anderen Benachteiligungen entstehenden Missverhältnisse künstlich auszugleichen?

Nachtrag: Etwas mehr bei den deutschen Nachrichten des SR.

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Dunkler wird's nicht

Ab morgen geht es wieder aufwärts, denn heute ist der kürzeste Tag des Jahres. Warum? Darum.

Weil der November und Dezember ungewöhnlich warm waren, hat man jedoch das Gefühl, dass der ganze Winter noch vor einem liegt. Mal sehen, ob wie letztes Jahr von Neujahr bis März durchgängig Schnee liegen wird. Mit weißer Weihnacht scheint es schon einmal nichts zu werden.

Bildschirmfoto der oben verlinken Wettervorhersage – die ändert sich schließlich. ;-)

Wetter zu
Weihnachten

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Polizist läuft über

Das kommt wohl nicht alle Tage vor. Eine Schlüsselfigur im Kampf der schwedischen Polizei gegen das organisierte Verbrechen kündigt und kauft einen Sex-Club (E) in Stockholm, dem enge Verbindungen zur Unterwelt nachgesagt werden. Sein Insider-Wissen, das sich auf Undercover-Polizisten auch außerhalb Schwedens erstreckt und alle diesbezüglichen Aktivitäten der Stockholmer Polizei beinhaltet, könnte in den falschen Händen sehr negative Auswirkungen haben und auch Menschenleben gefährden.

Aus oben verlinktem Artikel:

Several independent sources explained to Dagens Nyheter that the former policeman has been hired by a 45-year-old criminal as an assistant and a front.

The 45-year-old has long been connected with the sex club in question, and has also been sentenced to imprisonment for his involvement in other clubs.

He is regarded by many as a leading criminal figure with an extensive web of contacts.

“Nobody believes that the policemen really is the new owner. It is still the 45-year-old who is behind it,” said a source.

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Notizen aus Schweden beim HPD, Folge 1

Ich wurde angesprochen, ob ich mein Interesse, über Schweden zu schreiben, nicht mit meiner Skepsis gegen Religionen verbinden und eine Kolumne für den neulich eröffneten Humanistischen Pressedienst (HPD) schreiben wolle. Wer könnte da Nein sagen?

Hier also die erste Ausgabe von “Notizen aus Schwedenbeim HPD:

Dom in
Uppsala

Einkommensauskunft per Internet.
In Schweden gilt das Öffentlichkeitsprinzip, das heißt, dass die Unterlagen von Behörden im Allgemeinen von jedermann einsehbar sind. Das gilt auch für die Steuererklärungen aller Schweden. Eine neue Seite im Internet vereinfacht das Auffinden solcher Informationen. Es ist also möglich, das Einkommen und die Schulden eines jeden Schweden im Internet zu erfragen. Der Ansturm auf die Seite kurz nach ihrer Eröffnung war sehr groß.

Die Kirche in Schweden
Die evangelisch-lutherische Kirche Schwedens war seit Jahrhunderten Staatskirche. Bis 1860 war ein Austritt unmöglich und erst seit 1951 kann man nicht nur in eine andere Religionsgemeinschaft wechseln, sondern ganz austreten. Noch bis 1996 wurde jeder Schwede von Geburt an Mitglied der Kirche, seitdem ist die Taufe ausschlaggebend. Erst vor sieben Jahren wurde der Status der Staatskirche aufgehoben und die Trennung der schwedischen Kirche vom Staat vollzogen.

Trotz dieser vermeintlich späten Säkularisierung ist Schweden eines der ungläubigsten Länder der Welt. Nur 23 Prozent der Bevölkerung geben an, an einen Gott zu glauben – Platz drei in Europa hinter Estland und der Tschechischen Republik.

Als Relikt aus der Zeit der automatischen Mitgliedschaft sind noch 7 der 9 Millionen Schweden Mitglied der Kirche, 65.000 treten pro Jahr aus. Zwei Drittel aller Neugeborenen werden heutzutage getauft, jedoch nur gut die Hälfte davon wird konfirmiert. 50 Prozent aller Eheschließungen finden in der Kirche statt und laut Umfragen ist der traditionelle Aspekt für Schweden oft ein wichtigerer Grund, in der Kirche zu bleiben, als der Glaube an Gott.

Im schwedischen Alltag und in der Politik spielt Religion eine geringe Rolle. Schweden ist ein säkular-rational eingestelltes Land und wird in einer Studie des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung als Vorreiter der kulturellen Entwicklung gesehen.

Von "Mariä Verkündigung" zum Waffeltag
Ein Beispiel, wie christliche Traditionen in Schweden ihren religiösen Charakter verlieren und in den säkularen Alltag übergehen, ist der Waffeltag. Durch die sprachliche Ähnlichkeit des alten Namens des christlichen Feiertages (vårfrudagen, "Tag unserer Frau") mit "Waffeltag" (våffeldagen) ging der Übergang vonstatten, so dass man heute lieber Waffeln isst, anstatt religiösen Praktiken nachzugehen.

Kirchliche "Hochzeit" für Homosexuelle
Die Akzeptanz und Gleichberechtigung von Homosexuellen ist in Schweden weit fortgeschritten und gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind rechtlich emanzipiert. Sogar die schwedische Kirche hat sich mit diesem Gedanken angefreundet, und erteilt seit Kurzem den Segen für homosexuelle Paare. Schwulenfeindliche Äußerungen von Tradionalisten, auch innerhalb der Kirche, schaffen es nur noch gelegentlich in die Medien und werden dort hart kritisiert.

Björn Ulvaeus erhält Humanismuspreis
Der Musiker Björn Ulvaeus, bekannt durch die Pop-Gruppe ABBA, ist aktiver Autor und Religionskritiker. Der schwedische Verband der Humanisten hat ihm wegen seines Engagements für eine humanistische Basis der Gesellschaft den Hedeniuspreis 2006 verliehen.

Abgetriebene Embryonen beerdigen?
Abtreibung bis zur 18. Schwangerschaftswoche ist in Schweden erlaubt und steht alleine im Ermessen der Frau. Die Kirche sieht Seelsorgebedarf in solchen Situationen und plant deshalb, bald Beerdigungszeremonien für abgetriebene Föten anzubieten. Kritiker befürchten jedoch, dass dies zu einer Aufwertung von Embryonen führt, was wiederum Abtreibungskritikern Argumentationshilfen liefern könnte.

Scientology betreibt Vorschule
In Schweden sind nicht-staatliche Schulen erlaubt. Diese so genannten "freien Schulen" werden nicht selten von religiösen Organisationen betrieben und unterliegen staatlicher Kontrolle. Als Extrembeispiel kann sicherlich ein Kindergarten in Stockholm gelten, der von Scientology betrieben wird. Kritik richtet sich vor allem dagegen, dass das Menschenbild und die Ziele der Organisation nicht mit einer offenen und modernen Gesellschaft vereinbar sind. Der Kindergarten sei ein Versuch, sich als "normal" zu etablieren. Bei muslimischen Schulen werden offen die Gefahren der Ausgrenzung und des Extremismus diskutiert.

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Wort der Woche: Noll-Åtta

Noll-Åtta sind die Zahlen 0 und 8. Die Verbindung dieser beiden Zahlen hat in Schweden insofern eine besondere Bedeutung, als dass sie die Telefonvorwahl von Stockholm ausmachen.

Und da der Rest des Landes die Hauptstädter oft mit ironischer Geringschätzung versieht, werden Stockholmer leicht abfällig Noll-Åttor genannt.

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Darf der Negerkönig Negerkönig sein?

Zugegeben, das Wort geht einem nicht leicht über die Lippen. Pippi Langstrumpfs Vater wird nun einmal aber in den Büchern von Astrid Lindgren so bezeichnet. Soll man das Wort wegen seines vermeintlich rassistischen Beigeschmacks durch etwas Neutrales wie “König der Südsee” ersetzen, wie es jetzt in Norwegen getan wird?

Ich finde nicht. Schließlich muss man Autoren und ihre Bücher generell in ihre Zeit einordnen und bei Bedarf auch kritisch bewerten. Meines Wissens war Astrid Lindgren durchaus skeptisch^1^, was Ausländer in Schweden angeht. Davon abgesehen wäre es nicht nur ein undurchführbares, sondern auch unglaublich dummes Unterfangen, Bücher auf ihre politische Korrektheit hin zu korrigieren.

^1^Ich habe die Quelle dazu leider nicht mehr parat – vielleicht weiß ja einer der Leser mehr zu diesem Thema und kommentiert.

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John C. Mather

John C.
Mather

John Mather, diesjähriger Physiknobelpreisträger, bei seinem Vortrag in Uppsala am 13. Dezember. Im Hintergrund ist George Smoot zu sehen, mit dem Mather sich den Preis teilt und der nach ihm redete. Mehr Bilder der beiden hier.

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