Liebes Deutschland,

Ist es nicht ein schönes Gefühl, besser als das restliche Europa zu sein? Auf deine Wirtschaft bist du stolz und findest zu Recht. Doch für wen malochst du eigentlich und sorgst für den “Aufschwung”, der das höchste deiner Ziele darstellt? Für deine Bürger anscheinend nicht, denn die verdienen immer weniger.

Aber zum Glück hast du das mit dem Euro ja so gut eingefädelt. Ohne diesen hätte die D-Mark schließlich, dank “Lohnzurückhaltung” und “Standortvorteilen”, gegenüber den Nachbarwährungen stark aufgewertet und das Ungleichgewicht ausgeglichen. Das hätte deine Bürger wenigstens im Urlaub reicher gemacht, aber die Ausländer hätten sich nicht so viel Zeug made in Germany kaufen können. Dank Euro konnten sie und das war natürlich prima für deinen “Aufschwung”. Außerdem schulden dir jetzt alle Geld, doppelt praktisch! Einige wollen sogar von dir “gerettet” werden.

So richtig einsehen willst du es aber nicht, dass eine gemeinsame Währung nur in einer “Transferunion” funktioniert. Du hättest es lieber, nur die Rosinen aus dem Kuchen zu picken und du musst ja deine eigenen Interessen vertreten. Das 20. Jahrhundert, in dessen zweiter Hälfte du dir mit bescheidenerem Auftreten und einer Portion Uneigennützigkeit ein paar Sympathien in der Welt wiederhergestellt hast, ist schließlich vorbei.

Schade.

Viele Grüße,
Thomas

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Frischer Eindruck

Wer hier schon etwas länger mitliest weiss, dass ich ab und zu fremde Gäste beherberge. Gestern Abend kamen zwei Mittvierziger aus Teheran an, mitsamt des einen Frau und Kind.

Es ist immer wieder erfrischend, Leuten beim ersten Eindruck von Schweden zuzusehen. Der Blick auf die Eigenheiten und Unterschiede, der einem selbst mehr und mehr abhanden kommt. Dass man Nieselregen als das perfekte Sommerwetter empfinden kann, wenn man von über vierzig Grad kommt. Dass die Ruhe und Menschenleere das erstaunlichste ist, selbst im (für Schweden) so hektischen Stockholm. Wie seltsam, dass man als Student selbst für Essen und Unterkunft zahlen muss. Dass man trotzdem sein Kind hierhin schicken will, auch wenn es einen fast ruiniert. Dass der hiesige Strandschutz hoch gepriesen wird, weil man am Wasser entlang spazieren kann, weil die Strände nicht verbaut sind. Überhaupt, Wälder in Stadtnähe, grüne Wiesen, Seen und Aleen faszinierend zu finden.

Schön, aus der Selbstverständlichkeit gerissen zu werden, mit der man im Alltag so viel behandelt.

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Ann-Sophie von Otter - Der Erlkönig (Schubert)

Videolink

Ann-Sophie von Otter ist eine der bekanntesten schwedischen Konzert- und Opernsänger.

Nachtrag: Man hat mir angetragen, dass obiges Video in Deutschland “nicht verfügbar” ist. Alternative hier.

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Krisenmeisterer Schweden

Die Washington Post beschreibt, warum Schweden so gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise kam und jetzt wieder einmal als Vorbild herumgereicht wird. (via Fabian)

Dazu kann man hinzufügen, dass die unglaublich geringen Zinsen den Wohnungsmarkt weiter befeuert hatten, so dass hier keine Blase platzte. Und weil so viele Schweden einen Kredit auf ihrer Wohnung oder dem Haus haben, hat die Zinssenkung den Leuten viel Geld zum ausgeben in die Taschen gespült.

Allerdings kosten Kredite wegen des Aufschwungs mittlerweile wieder mehr und es wurden strengere Regeln für deren Vergabe eingeführt. Das dämpft die Nachfrage an Immobilien und in den letzten Monaten zeigt die Entwicklung nicht mehr steil nach oben, sondern die Preise fallen. Wenn der Wohnungsmarkt tatsächlich überbewertet ist, dann ist es vielleicht sogar sehr schlau, auf diese Weise eine langsame Anpassung zu erreichen, anstatt die Preise weiter anzuheizen und einen plötzlichen Absturz zu provozieren.

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Googliges

So, jetzt hat es auch einen Google+1-Knopf in der Seitenleiste. Beim ersten Klick wird der eigentliche Knopf von Google erst nachgeladen, man muss ihn dann also noch einmal drücken zum “plussen”. Das ist so gemacht (danke an Marc Stenzel für den Tipp!), damit hier auch weiterhin so wenig wie möglich externe Daten geladen werden, wenn man eine Seite aufruft.

Ich finde das neue Google+ übrigens sehr nett gemacht. Man findet mich hier und wer noch keine Einladung hat, kann sich gerne melden.

Nachtrag: Apropos die Knöpfe in der Seitenleiste. Der Flattr-Knopf bei einzelnen Artikeln geht jetzt nicht mehr zum Flattr des gesamten Blogs, sondern es sollte je ein neues Objekt dort angelegt werden. Man kann also jetzt jeden einzelnen Artikel “flattrn”.

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Technischer Umzug

Die Technik hinter Fiket.de ändert sich gerade. Wenn etwas nicht so funktioniert wie gewohnt, bitte ich um Geduld und einen Hinweis in den Kommentaren.

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Kekse nur mit Zustimmung

Vor kurzem ist in Schweden ein neues Gesetz in Kraft getreten, das Betreiber von Webseiten betrifft. Und zwar geht es um Cookies, also die Informationsschnipsel, die eine Seite im Browser des Besuchers hinterlegen kann. Diese haben allerlei legitime Anwendungen wie das Eingeloggt-bleiben oder ein Warenkorb auf einer Einkaufsseite; sie können jedoch auch problematisch sein im Umgang mit der Privatsphäre, schließlich erlauben sie dem Seitenbetreiber, die Besucher wiederzuerkennen und ihre Aktionen im Detail zu verfolgen.

Das neue Gesetz sagt, dass Cookies nur nach aktiver Zustimmung des Besuchers gesetzt werden dürfen, doch es bleibt vage, was damit genau gemeint ist. Reicht es, wenn der Besucher Cookies in seinem Browser erlaubt? Wird man bald mit Pop-Up-Fenstern belästigt, bevor eine Seite einen Keks setzt? Bis die ersten Klagen kommen und Gerichte das Gesetz interpretieren, scheint man davon auszugehen, dass es reicht, wenn eine Seite prominent darauf hinweist, dass sie Cookies benutzt. Surft der Besucher dann weiter auf der Seite, hat er seine Zustimung gegeben.

Der Effekt wird also vorrangig der sein, dass man sich besser informieren kann, was eine Seite für Daten über einen sammelt, und das ist immerhin etwas. Doch weil viele Webseiten zusätzlich Inhalte von Dritten einbinden, wird es wohl weiter nicht ganz durchsichtig bleiben.

Ich habe dies eben auch zum Anlass genommen, ein paar Worte zum Datenschutz auf Fiket.de zu verlieren.

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Der Hundertjährige

Seit über einem Jahr hält sich das Buch Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann von Jonas Jonasson in den schwedischen Bestsellerlisten. Übersetzt lautet der Titel: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.

Die Geschichte handelt von Allan Karlsson, der an seinem 100. Geburtstag aus dem Altersheim ausbüxt und in abenteuerliche Geschehnisse verwickelt wird, die ihn zum wegen Mordes Gesuchten machen. In alternierenden Kapiteln erfährt man, was die hundert Jahre davor in Allans Leben so alles passiert ist, und dies stellt die aktuellen Ereignisse weit in den Schatten, denn es zeigt sich, dass Allan Karlsson mit seiner unbedarften Art die Weltgeschichte weit stärker beeinflusst hat als uns bis dato bekannt war.

Ich habe das Buch gerade zu Ende gelesen und kann es jedem als Sommerlektüre empfehlen. Leicht und witzig geschrieben, sicherlich keine Weltliteratur, doch ungemein unterhaltsam. Einen Auszug kann man beim Verlag lesen. Übersetzungen gibt es meines Wissens noch keine, eine Verfilmung ist jedoch schon geplant und soll nächstes Jahr gedreht werden; der bekannte Komiker Robert Gustafsson wird die Hauptrolle spielen.

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