Topfpflanzen

Toll, dass sich Leute mit “Topfpflanzen als soziales Phänomen” beschäftigen:

“Die Menschen bilden ihr Leben in ihren Topfpflanzen ab und das Leben spiegelt sich in den Topfpflanzen wider.”

Mehr dazu (auf deutsch) bei Radio Schweden. Und während ihr das lest, geh’ ich mal unsere hundert Pflanzen wässern.

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Wort der Woche: Kalabalik

Kalabalik hat nichts mit Leichen (schw. lik) zu tun, sondern ist ein Lehnwort aus dem Türkischen und bedeutet Unordnung, Chaos, Verwirrung. Einzug ins Schwedische hat das Wort durch Kalabaliken i Bender gehalten.

Was war in Bender, dem heutigen Tighina in Moldavien, passiert? Wie letzte Woche erwähnt, wurde der schwedische König Karl XII. bei seinem Versuch, Russland zu erobern, 1709 in Poltava vernichtend geschlagen. Mit seinen knapp 2000 Mann floh er nach Bender, das zu der Zeit zum Osmanischen Reich gehörte, und er wurde gebührend empfangen.

Sein Ziel war es, dort einen Krieg gegen Russland anzuzetteln, was ihm auch kurzzeitig gelang. Karl XII. und seine Gefolgschaft lebten fürstlich in Bender für mehrere Jahre und er hatte einigen Einfluss im Reich. 1713 wurde er den Türken teuer und lästig und nach beiderseitigen Intrigen wurde er in der Kalabaliken i Bender angegriffen und gefangen genommen. Es sollte bis zum Herbst des folgenden Jahres dauern, bis Karl XII. in einem Gewaltritt durch Europa, verkleidet und mit wenigen Vertrauen, ins damals noch schwedische Stralsund floh.

Die langen Jahre der Abwesenheit wurden von den Nachbarn – darunter Sachsen, Preußen und natürlich Russland, das jetzt auch Finland eroberte – gut genutzt, um weitere Gebiete vom Großreich Schweden abzuzweigen. Es dauerte dann nicht mehr lange, bis Schweden auf das Kernland reduziert und die Großmachtstellung endgültig vorbei war.

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Piraten auf der Straße

Die schwedische Piratenpartei, die sich für eine radikale Reform des Patent- und Urheberrechts und für den Schutz der Privatsphäre einsetzt, organisiert wieder wieder einmal Demonstrationen. In Stockholm und in Lund geht man heute zum Anlass der Razzia gegen die Pirate Bay vor einem Jahr auf die Straße.

Das Motto ist Respekt vor dem Büger – Hört auf, uns zu bespitzeln und die Kritik richtet sich sowohl allgemein gegen mehr Überwachung als auch konkret gegen die damals wie heute schlecht begründete Beschlagnahme der Server, inklusive unbeteiligter Hardware von anderen Firmen und Vereinen, die nie zurückgegeben wurde. Die Razzia hat bis heute nicht zu einer Anklage geführt.

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Weg mit dem Schrott

Eine interessante Aktion, alte Autos von den Straßen zu bekommen, ging gestern in Schweden vonstatten. Es gab eine Prämie von 4000 Kronen (430 Euro), wenn man ein Auto, das letzten August noch angemeldet war, zum Verschrotten brachte.

Die Gesamtsumme war begrenzt und es galt först till kvarn, wer zuerst kommt mahlt zuerst. Deshalb bildeten sich vielerorts Schlangen, Stunden bevor die Schrottplätze aufmachten. Für etwa 30.000^1^ Autos reicht das Geld und das entspricht angeblich zehn Prozent der Fahrzeuge, die man aus Umweltgründen loswerden sollte. Dass die Autoindustrie das findet und es gerne sähe, wenn mehr Leute neue Autos kaufen, ist verständlich. Doch wie weit muss man eigentlich sein neues sparsameres Auto fahren, bis es die bei seiner Produktion verwendeten Ressourcen eingespart hat?

^1^ Lieber SR. 120 Millionen geteilt durch 4000 ist nicht 35000. Eine der drei Zahlen ist wohl falsch.

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Fernsehen und Schönheit

Kaum erwähnt man das Fernsehen und dass man das zugehörige Empfangsgerät sehr selten einschaltet, bekommt man auch schon erklärt, warum das eigentlich so ist.

Maltes letzter Punkt, die Verknüpfung von Schönheitsideal und Werbung, erinnert mich an die Plakate, die ich in den letzten Tagen am Straßenrand hier in Uppsala gesehen habe. Sie machen Werbung für irgendeine Pflegeserie und zeigen nackte Menschen in Posen, die die von einigen Menschen als anzüglich angesehenen Körperteile verdecken. Erfrischend ungewöhnlich ist, dass die gezeigten Menschen weitab vom üblichen Schönheitsideal sind. Eine Frau über sechzig. Eine dunkelhäutige, leicht übergewichtige Frau mittleren Alters. Die Fotos sind ästhetisch sehr ansprechend aufgenommen und ein Hingucker. Der Slogan ist etwas in der Art von “Schönheit hat kein Alter”.

Die Idee kann nicht neu sein, trotzdem fand ich das besser als die meisten anderen Werbeplakate, von denen man übrigens in schwedischen Städten weit weniger erschlagen wird als in deutschen.

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Clawfinger - Pingis

([YouTube Direktlink](http://youtube.com/watch?v=TvOvy66PxOg))

Anders och Måns ist wohl das Witzigste, das ich aus dem schwedischen Fernsehen kenne. Das sagt zwar nicht viel, weil ich kaum fernsehe, aber glaubt mir: Anders und Måns sind fast auf dem Niveau von Monty Python, was den absurden Humor angeht, und gleichzeitig sehr schwedisch. Wenn es nicht so schwer wäre, Humor zu übersetzen, wären sie schon oft Thema hier gewesen.

Das obige Video zeigt einen Ausschnitt aus der Sendung und es geht um Pingis, also Tischtennis. Die schwedisch-norwegische Rap-Metal-Band Clawfinger ist dabei, weil das ja typische Pingis-Musik ist. Sie haben ihren Klassiker Nigger auf Pingis umgedichtet und erzählen, dass sie nie gegen Rage Against The Machine gewonnen hätten, weil sich die Bälle immer in den Dreadlocks des Sängers verfingen. Ich lag am Boden vor lachen, als ich das zum ersten Mal gesehen habe.

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Sozialismus lebt

Die sozialistischen Anleihen im schwedischen System sind legendär. Auch in Mitteleuropa hat sich mittlerweile jedoch herumgesprochen, dass der schwedische Fürsorgestaat durch die drastischen Einschnitte seit den neunziger Jahren löchrig geworden ist. Die Wirtschaft ist sowieso marktorientiert und zur Zeit in einem regelrechten Boom. Wenig Sozialistisches erkennbar.

Deshalb ist es – zumindest für mich – erstaunlich, dass die neue Parteichefin der Sozialdemokraten, Mona Sahlin, jetzt wieder vom

“Recht auf Vollzeitarbeit”

redet, das bei einem Wahlsieg 2010 kommen soll. Ich finde, das klingt nach DDR. Verwirklicht werden soll das durch neue Gesetze, die zum Beispiel Firmen verpflichten, einer Teilzeitkraft eine Vollzeitstelle anzubieten, wenn diese das will.

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Second House of Sweden

Das “Second House of Sweden”, die schwedische Botschaft in der virtuellen Welt von Second Life, wurde gestern eröffnet. Wegen der langen Zeit seit der Ankündigung im Januar wurde die schwedische nicht wie geplant die erste Botschaft dort. Die Malediven waren schneller.

Außenminister Bildt hielt bei der Einweihung zuerst eine kleine Rede auf einer Videowand und schlüpfte dann in die Rolle seines Avatars, um das blau-gelbe Band vor dem Haus durchzuschneiden. Das ging nicht ganz reibungslos und er versank erst einmal im Boden. Video nach dem Klick.

([YouTube DirektLink](http://www.youtube.com/watch?v=mhR43Yt9Pcs), [via](http://carlbildt.wordpress.com/2007/05/31/you-tube-invigningen/))

Das ist das erste Video, das ich aus Second Life gesehen habe. Ich bin nicht gerade beeindruckt. Wegen der Medienaufmerksamkeit auch außerhalb Schwedens war das investierte Geld wahrscheinlich nicht einmal verschwendet.

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