... finde ich, wenn man nach Hause radelnd aus einem vorbeifahrenden Auto mit einem rohen Ei beworfen wird.
... finde ich, wenn man nach Hause radelnd aus einem vorbeifahrenden Auto mit einem rohen Ei beworfen wird.
Rapport ist die wichigste Nachrichtensendung im schwedischen Fernsehen (S). Die erste Sendung war 1969 und das macht Rapport (S) zwar ganze zwölf Jahre jünger als die Tagesschau – dafür hat es zur wichtigsten Sendezeit die doppelte Länge, von 19.30 bis 20.00. Ich schaue kaum fern, aber vorhin habe ich seit langem wieder einmal Fernsehnachrichten geguckt.
Nichts weltbewegendes scheint passiert zu sein (das hätte ich ja auch schon übers Internet erfahren). Trotzdem eine kleine Themenauswahl:
Heute beginnt in Stockholm der Prozess (S) um Preisabsprachen zwischen Straßenbaufirmen. Die großen sollen Kartelle gebildet und kleineren Konkurrenten genug gezahlt haben, damit sie nicht auf staatliche Aufträge mitbieten. Es geht um viel Geld, über eine Milliarde Kronen, und viele Gemeinden wollen Geld zurück, nachdem sie gesehen haben, wie der Asphaltpreis nach Auffliegen des Kartells um 20% sank.
Die konservative Allianz hat ja die Wahlen gewonnen und Fredrik Reinfeldt wird bald Premierminister. Die Regierungsmannschaft wird gerade ausgehandelt und diese oder nächste Woche vorgestellt. Der Haushalt soll bis zum 16. Oktober stehen und zum neuen Jahr soll die Einkommensteuer “merklich” sinken.
Außerdem wurde angekündigt, die EU-Verfassung in ihrer jetzigen Form nicht zu ratifizieren. Die Debatte darüber hat schon die alte Regierung lange beschäftigt (E) und rufe nach einer Volksabstimmung wurden laut. Die Schweden gehören zu den EU-skeptischsten Bewohnern der Union.
Ich habe den Eindruck, dass Menschen aus vielen europäischen Ländern klagend behaupten, es sei typisch für ihr Land, oft in der Schlange für etwas anzustehen. Auch in Schweden hört man das hin und wieder, aber selbst wenn die Wartezeiten höher als anderswo wären, eine richtige “Schlange” ist es meist nicht, denn es gibt den kölapp.
Das Wort setzt sich zusammen aus kö, zu deutsch “Schlange” (nur Menschen, nicht das Tier), und lapp, dem “Zettel”. Nummerlapp ist ein gebräuchliches Synonym. Das Prinzip ist simpel, genial und auch in Deutschland nicht mehr unbekannt. Man zieht zum Warten eine Nummer aus einem kleinen Automaten am Eingang und ein Display verrät, wer als nächstes an einen gerade freigewordenen Schalter darf. Das hat mehrere Vorteile gegenüber der klassischen Schlange.
Irgendwie hatte ich die Surströmmingspremiär später in Erinnerung, aber man isst die vergorenen kleinen Ostseeheringe schon ab dem dritten Donnerstag im August. Ich halte diese “Delikatesse” ja für maßlos überbewertet und zwar nicht im Bezug auf den Geschmack – ich kenne niemanden, der behauptet, es schmecke überwältigend gut – sondern wegen des Aufregung und Mythen, die sich um den stinkenden Sud ranken. Deshalb schreibe ich jetzt auch nicht weiter, sondern verweise auf den Wikipedia-Artikel.

Jedes Jahr im Spätsommer findet auf dem Platz vor dem Dom in Uppsala eine Aufführung der Ereignisse, die sich im Laufe der Geschichte an dieser Stelle zugetragen haben, statt, das Uppsala Krönikespel. Das Bild ist vom letzten Jahr und ich habe leider vergessen, welche Szene das war.
Nachtrag: Mehr Bilder.
Die schlussgültige Auszählung der Parlamentswahl vom letzten Sonntag ist zu Ende und das Ergebnis bringt nichts neues, was die sieben Parteien im Parlament betrifft. Was jedoch am Wahlabend völlig unklar war, waren die Stimmen für die kleinen Parteien, die nur unter “übrige” aufgeführt waren.
Der Gesamtanteil dieser Parteien, die wegen der 4%-Sperre nicht in den Riksdag einziehen, liegt mit 5.7% so hoch wie nie zuvor. Leider ist die Partei, die am meisten für diesen Zuwachs steht, diejenige der rechtsextremen Schwedendemokraten, die auf fast 3% der Stimmen kommen und im Süden (Schonen, Blekinge) ihre Hochburgen haben. Darunter, mit knapp 0.7% der Stimmen, liegt die Feministische Initiative, eine letztes Jahr neu gegründete Partei unter der prominenten Feministin und vormaligen Parteichefin der Linkspartei Gudrun Schyman.
Dann kommt die Piratenpartei, die 35000 Stimmen (0.63%) gewinnen konnte. Ich habe die Piraten hier ja schon öfter erwähnt und sie seit der Parteigründung Anfang des Jahres etwas verfolgt, deswegen ein kleiner Kommentar: Das Wahlergebnis ist sicherlich nicht so hoch wie erhofft, aber auch keine Katastrophe, sondern für eine so junge Partei, die nicht aus einer medienwirksamen Abspaltung einer etablierten hervorging und sich explizit nicht zu den Themen der anderen äußert, ein Achtungserfolg.
Leider konnten sie meiner Meinung nach nicht genug vermitteln, dass sie nicht nur eine Gruppe trotziger Jungendlicher sind, die kostenlos Musik aus dem Internet herunterladen wollen, sondern dass sie, auch zu meiner persönlichen Überraschung, seriöse und durchgearbeitete Positionen vertreten, die neben der Reform (wohlgemerkt nicht Abschaffung) des Urheber- und Patentrechts auch den Schutz der Privatsphäre gegen immer neue Arten der Datensammlerei beinhalten. Obwohl Piraten gerade in sind, ist der Name Piratenpartei dabei wohl eher hinderlich.
Noch einmal Bücher: Es ist gerade Buch- und Bibliotheksmesse in Göteborg und es wurde die Bibliothek des Jahres 2006 gekürt (S). Der Gewinner ist die Bibliothek des Nordischen Afrikainstituts hier in Uppsala.