Nobelpreise 2006

Heute beginnen die zwei Wochen, in denen die diesjährigen Gewinner der Nobelpreise bekannt gegeben werden. Verliehen werden die Preise dann am 10. Dezember in Stockholm, mit Ausnahme des Friedenspreises, der in Oslo verliehen wird. Den Anfang macht heute um halb zwölf der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. In der folgenden Liste werde ich die jeweiligen Gewinner nachtragen, sobald sie bekannt werden.

  • Frieden, 13. Oktober, 11.00. Der Preis geht je zur Hälfte an Muhammad Yunus (Bangladesch) und die von ihm gegründete Organisation Grameen Bank [für ihre Bemühungen, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen von unten zu schaffen](http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/2006/).

    Ungeduldige können auch gleich [bei der Quelle](http://nobelprize.org/) nachschauen. Das Preisgeld ist wie in den letzten Jahren jeweils 10 Mio. Kronen (1,08 Mio. Euro). ^\*^ Laut [Leo](http://dict.leo.org/) gibt es diese Fremdworte wirklich im Deutschen.
Tagged , , , , ,

Wort der Woche: Brasklapp

Es gibt das schwedische Verb braska, das bedeutet “sehr kalt sein” und hat rein gar nichts mit dem brasklapp zu tun. Dass der lapp auf Deutsch der “Zettel” ist, wurde ja schon letzte Woche erwähnt und der “Braskzettel” ist also nicht kalt, sondern verdankt seinen Namen Hans Brask.

Dieser war Bischof im 16. Jahrhundert und zu dieser Zeit war der Einfluß der Dänen groß in Schweden. Bei einem Reichstreffen 1517 beschlossen die Schweden, die Festung Stäket von Gustav Trolle zu schleifen, den man als Verräter an die Dänen sah. Das führte unter anderem drei Jahre später zum Stockholmer Blutbad, bei dem Kristian II. auf seiner Krönungsfeier viele Schweden, die ihm gefährlich werden konnten, töten ließ und auch Gustav Trolle seine Rache bekam. Dies wiederum war der Anlass für den folgenden, von Gustav Vasa geführten, Aufstand der Schweden, den man als Gründung des schwedischen Staates ansieht und noch heute feiert.

Doch zurück zum Blutbad. Einer entkam der Todesstrafe zu diesem Zeitpunkt: Hans Brask. Er hatte nämlich in seinem Siegel zum Beschluß 1517 einen Zettel untergebracht, auf dem stand: Härtill är jag nödd och tvungen, zu Deutsch: “Ich wurde hierzu gezwungen”. Diesen Zettel konnte er – so sagt man – während der Verhandlung aus dem belastenden Beweisstück hervorholen und kam deshalb ungeschoren davon.

Auch wenn diese Geschichte nicht verbürgt ist, so hat der brasklapp doch seine sprichwörtliche Bedeutung in den allgemeinen Sprachgebrauch gebracht. Der Begriff wird heute nicht nur für heimliche Vorbehalte verwendet, sondern auch, wenn man sich offen mit einer Bedingung gegen eventuelle negativen Auswirkungen absichern will.

Tagged , , , ,

Forsmark darf wieder ans Netz

Kernkraftwerk
Forsmark

Rund zwei Monate ist es her, dass sich im Kernkraftwerk Forsmark hier um die Ecke ein ernstzunehmender Störfall ereignete. Jetzt ist die staatliche Aufsicht zufrieden mit den Maßnahmen und beide Reaktoren dürfen unter verschärften Auflagen wieder ans Netz (S). Ich verstehe ja immer noch nicht, warum dieses Thema die meisten Schweden so gleichgültig gelassen hat und auch nicht zur Wahlkampffrage wurde.

Nachtrag: Forsmark 1, in dem sich der Störfall ereignete, wurde in der Nacht zum Samstag wider hochgefahren. Beim Starten von Forsmark 2 wurden jedoch neue Fehler entdeckt (S), die dessen Wiederinbetriebnahme um einige weitere Tage verzögern.

Tagged , , , , , ,

Nicht lustig...

... finde ich, wenn man nach Hause radelnd aus einem vorbeifahrenden Auto mit einem rohen Ei beworfen wird.

Tagged ,

Rapport

Rapport ist die wichigste Nachrichtensendung im schwedischen Fernsehen (S). Die erste Sendung war 1969 und das macht Rapport (S) zwar ganze zwölf Jahre jünger als die Tagesschau – dafür hat es zur wichtigsten Sendezeit die doppelte Länge, von 19.30 bis 20.00. Ich schaue kaum fern, aber vorhin habe ich seit langem wieder einmal Fernsehnachrichten geguckt.

Nichts weltbewegendes scheint passiert zu sein (das hätte ich ja auch schon übers Internet erfahren). Trotzdem eine kleine Themenauswahl:

  • Die Zentrumspartei, die auch ein starkes Umweltprofil hat, will “Umweltautos” für Privatpersonen mit 10.000 Kronen je Neukauf fördern. Umweltauto heißt, dass es mit Ethanol oder Gas fährt. Abgesehen von der geplanten Subvention sind Umweltautos steuerlich besser gestellt und auch von der Citymaut in Stockholm befreit. Die Förderung könnte aber mit 600 anstatt 20 Millionen Kronen pro Jahr deutlich teurer werden als gedacht, weil die Verkaufsprognosen sehr gut sind. Außerdem sind die alternativen Kraftstoffe immer noch teurer als Benzin oder Diesel, weswegen Hybridautos, die beides können und auch als Umweltautos durchgehen, oft mit Fossilem betankt werden. Sollte man folglich mit dem Geld nicht lieber die Steuer auf die entsprechenden Kraftstoffe senken?
  • 1944, als klar wurde, dass die Russen die Macht in den baltischen Ländern übernehmen würden, flohen viele Estlandschweden von dort über die Ostsee ins Mutterland. Sie nahmen unter anderem einen Kirchenschatz mit, der jahrelang verheimlicht im Keller eines hiesigen Museums lag und jetzt zurückgegeben wird.
  • Die Vorsitzende des Jugendverbandes der Sozialdemokraten (SSU), Anna Sjödin, muss sich seit heute vor Gericht dafür verantworten, betrunken in einer Bar den Türsteher angegriffen zu haben und ihn mit rassistischen Äußerungen beschimpft zu haben. Mehr beim SR.
  • Das Vermögen der schwedischen Kirche ist seit ihrer Trennung vom Staat im Jahr 2000 um über eine Milliarde Kronen gewachsen und es werden die ersten Rufe laut, das Geld in den Gemeinden auszugeben.

    Generell finde ich *Rapport* nicht schlecht. Es ist nicht sensationslüstern und bringt Themen recht ausführlich. Aber: es menschelt. Damit meine ich, dass zu oft Leute zu Wort kommen, die nicht das Geringste zu sagen haben. Zum Beispiel gab es heute auch einen Bericht über eine Essensstudie, in der Mangel an Vitamin D bei einer Mehrzahl Schüler festgestellt wurde. Der Reporter sagt, dass heute weniger Milch zum Essen in den Schulen ausgeschenkt wird. Zum Ende kommt ein Kind vor die Kamera und wird gefragt, ob es Milch bekommt. Es verneint. Dann kommt noch die Mutter zu Wort und darf drei Mal sagen, dass sie das nicht gut findet. Das ist überflüssig und leider kein Einzelfall.
Tagged , , , , , ,

Das Asphaltkartell

Heute beginnt in Stockholm der Prozess (S) um Preisabsprachen zwischen Straßenbaufirmen. Die großen sollen Kartelle gebildet und kleineren Konkurrenten genug gezahlt haben, damit sie nicht auf staatliche Aufträge mitbieten. Es geht um viel Geld, über eine Milliarde Kronen, und viele Gemeinden wollen Geld zurück, nachdem sie gesehen haben, wie der Asphaltpreis nach Auffliegen des Kartells um 20% sank.

Tagged , , ,

Flugsvamp

Flugsvamp -
Fliegenpilz

Mehr Bilder vom vorgestigen Ausflug zur kleinen Insel Örskär, eine gute Stunde nordöstlich von Uppsala, gibt es hier.

Tagged , ,

Erste Taten der Allianz

Die konservative Allianz hat ja die Wahlen gewonnen und Fredrik Reinfeldt wird bald Premierminister. Die Regierungsmannschaft wird gerade ausgehandelt und diese oder nächste Woche vorgestellt. Der Haushalt soll bis zum 16. Oktober stehen und zum neuen Jahr soll die Einkommensteuer “merklich” sinken.

Außerdem wurde angekündigt, die EU-Verfassung in ihrer jetzigen Form nicht zu ratifizieren. Die Debatte darüber hat schon die alte Regierung lange beschäftigt (E) und rufe nach einer Volksabstimmung wurden laut. Die Schweden gehören zu den EU-skeptischsten Bewohnern der Union.

Tagged , ,

Wort der Woche: Kölapp

Ich habe den Eindruck, dass Menschen aus vielen europäischen Ländern klagend behaupten, es sei typisch für ihr Land, oft in der Schlange für etwas anzustehen. Auch in Schweden hört man das hin und wieder, aber selbst wenn die Wartezeiten höher als anderswo wären, eine richtige “Schlange” ist es meist nicht, denn es gibt den kölapp.

Das Wort setzt sich zusammen aus , zu deutsch “Schlange” (nur Menschen, nicht das Tier), und lapp, dem “Zettel”. Nummerlapp ist ein gebräuchliches Synonym. Das Prinzip ist simpel, genial und auch in Deutschland nicht mehr unbekannt. Man zieht zum Warten eine Nummer aus einem kleinen Automaten am Eingang und ein Display verrät, wer als nächstes an einen gerade freigewordenen Schalter darf. Das hat mehrere Vorteile gegenüber der klassischen Schlange.

  • Man muss nicht dicht an dicht stehen, sondern kann sich die Beine vertreten oder hinsetzen. Hat man eine viel höhere Nummer als die gerade angezeigte, kann man noch schnell etwas anderes erledigen – natürlich mit dem Risiko, die eigene Nummer zu verpassen.
  • Es ist fairer. Wenn es z.B. mehrere Schalter für etwas gibt, vor denen man sich anstellen würde, kann man sicher sein, dass die eigene Schlange die langsamere ist. Dieses Problem gibt es mit dem kölapp nicht und ein einzelner kann nicht eine ganze Gruppe aufhalten.
  • Drängeln ist beinahe unmöglich und Konflikte werden somit vermieden. Nach eine Weile hier erkennt man diesen Aspekt wohl hinter immer mehr Gepflogenheiten der konfliktscheuen Schweden.

    Was ist daran jetzt so besonders? Die Konsequenz, mit der das Prinzip angewandt wird. Außer an der Supermarktkasse sieht man Schweden nur sehr selten in Reih und Glied stehen. Den *kölapp* gibt es nicht nur bei Post, Bank oder dem Systembolaget, sondern z.B. auch beim Fahrkartenkauf am Bahnhof und in zahlreichen Geschäften, in denen Bedienung wichtig ist. Hier findet man auch oft die untechnische Variante, dass sich der Ladenbesitzer die aktuelle Nummer merkt und sie einfach ruft. In diesem Fall ist es weniger die Schlange, die ersetzt wird, sondern man vermeidet, sich darüber einigen zu müssen, wer denn jetzt zuerst da war. Sprachlich ist das Wort *kö* insofern eine Ausnahme, als dass *k* vor *ö* normalerweise als weiches “ch” (wie in “Sichel”) ausgesprochen wird, in *kö* jedoch wie “k”. Das ist besonders wichtig in der bestimmten Form *kön*, denn dann besteht Verwechlungsgefahr mit *kön* (\_k\_ wie “ch”), dem *Geschlecht*.
Tagged , , , ,