Wort der Woche: Tandvårdsbidrag

Ich komme gerade vom Zahnarzt. 950 Kronen (82 Euro) kostete mich die Routineuntersuchung mit Röntgen und Entfernung von Zahnstein. In Schweden zahlt man seine Zahnarztkosten direkt vor Ort, bar oder per Karte – bis auf den Tandvårdsbidrag, wörtlich übersetzt “Zahnpflegebeitrag”.

Jeder bekommt nämlich einen jährlichen Betrag von der Krankenkasse, den man nach eigenem Gutdünken für Zahnarztkosten ausgeben kann. Viel ist es jedoch nicht:

  • Bis zum Alter von 29 Jahren 300 Kronen.
  • Für 30- bis 74-jährige 150 Kronen.
  • Ab 75 Jahren wieder 300 Kronen. Das Geld wird jedes Jahr zum 1. Juli erneuert und mehr als zwei Jahre kann man nicht anhäufen. Man muss keine Anträge stellen oder das Geld auslegen, sondern der Zahnarzt sieht im zentralen System, was der Patient an *Tandvårdsbidrag* übrig hat und zieht es einfach vom zu zahlenden Betrag ab. Natürlich ist das an die allgegenwärtige [*Personnummer*](http://www.fiket.de/2006/07/09/wort-der-woche-personnummer/) gekoppelt. Hat man eine solche, bekommt man die gleichen Bedingungen von der *Försäkringskassan* wie alle Schweden. Die Höhe des *Tandvårdsbidrag* tut also nicht mehr, als regelmäßige Untersuchungen zu verbilligen und damit zu ermuntern. Für größere Behandlungen ist er nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber dann gibt es den *Högkostnadsskydd*, zu deutsch “Hochkostenschutz”. 50 beziehungsweise 85 Prozent bekommt man erstattet, wenn man in einem Jahr mehr als 3000 beziehungsweise 15000 Kronen beim Zahnarzt gelassen hat. Dieses System ist erst seit Mitte letzten Jahres in Kraft und die Meinungen gehen auseinander, ob es jetzt besser oder schlechter ist. Bemerkenswert ist noch, dass im angeblich restkommunistischen Schweden die Zahnärzte völlig dem freien Markt unterworfen sind und durchaus mit ihren Preisen Reklame machen. Es gibt zwar noch den kommunalen [Folktandvården](http://www.folktandvarden.se/), aber private, teilweise sehr große Kliniken mit vielen Zahnärzten werben damit, billiger zu sein. Ich war stattdessen lieber bei der kleinen Praxis um die Ecke und habe dank *Tandvårdsbidrag* 800 anstatt 950 Kronen gezahlt.
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Warten aufs Urteil

Vorgestern und gestern hielten Anklage und Verteidigung im Prozess um die Dateitauschseite The Pirate Bay ihre abschließenden Plädoyers. Es gab keine Überraschungen dabei. Die Ankläger behaupten die Pirate Bay sei eine auf Gewinn ausgelegte “Firma”, die mit den illegalen Aktivitäten der Nutzer Geld verdiene und deshalb illegal sei. Die Verteidigung hält dies erstens für weder bewiesen noch wahr und führt zweitens an, dass die Technologie Bittorrent und deren Bereitstellung nicht illegal sein kann, weil man sonst auch Messerhersteller für jeden Erstochenen verantwortlich machen könne. Außerdem bestreitet man die Behauptung der Musikindustrie, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen privatem Dateitauschen und den sinkenden Verkaufszahlen gibt.

Das Urteil wird am 17. April verkündet werden, aber wie gesagt wird der Prozess wohl durch mehrere Instanzen gereicht werden.

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Politisches

Die politische Stimmung in Schweden hat sich in den letzten Wochen und Monaten verändert. Im September lag die Opposition aus Sozialdemokraten, Linken und Grünen laut Umfragen fast zehn Prozent vor der Regierungskoalition aus Moderaten, Volkspartei, Zentrum und Christdemokraten. Nach aktuellen Befragungen ist dieser “Vorsprung” jetzt so gut wie aufgebraucht und die beiden Lager sind in der Wählergunst gleichauf.

Auch wenn sich die deutsche SPD über die 38 Umfrageprozent der schwedischen freuen würde, kann man Fragen, woran der Stimmungswandel liegt. Die hiesigen politischen Kommentatoren sehen zwei Hauptgründe:

  • Die Regierung Reinfeldt hat sich erfolgreich als Krisenmanager darstellen können. Unabhängig davon, ob sie wirklich gute Arbeit leisten, hat sich dieser Eindruck festgesetzt, was schlicht daran liegen könnte, dass Menschen in unsicheren Zeiten dazu neigen, sich hinter die aktuellen Führungspersonen zu stellen.
  • Die Sozialdemokraten unter Mona Sahlin ringen mit ihrer eigenen Linie und dem Verhältnis zu den möglichen zukünftigen Koalitionspartnern. Im November kam die Meldung, dass man mit den Grünen eine gemeinsame Wahlplattform ausarbeiten will, unter Ausschluss der Linken, die die letzte sozialdemokratische Regierung unterstützten. Das war ein unpopulärer Schachzug; man machte kurz darauf einen Rückzieher und holte die Linke ins Boot. Und die ganze Diskussion, ob eine so frühe – es sind noch anderthalb Jahre bis zur Wahl – klare Koalitionsaussage gut oder schlecht ist, lässt die Opposition zur Zeit nicht als Alternative mit klarer Linie erscheinen. Aber wie gesagt ist es noch lange bis zur Wahl und viel kann passieren. Ein weiterer Faktor, der leider auch immer eine Rolle spielt, ist das Charisma der jeweiligen Spitzenkandidaten. Mona Sahlin hat es noch nicht geschafft, sich gegen den eigentlich eher blassen Fredrik Reinfeldt als vertrauenserweckende mögliche Regierungschefin darzustellen. Aber das soll der Wahlkampfmanager von Obama wohl jetzt [ändern](http://www.sr.se/cgi-bin/international/nyhetssidor/artikel.asp?nyheter=1&programid=2108&Artikel=2671182).
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EU-Vorsitz

Mitte des Jahres wird Schweden den EU-Ratsvorsitz von den Tschechen übernehmen. Heute wurde das Logo und die (noch ziemlich leere) Webseite vorgestellt: www.se2009.eu

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Aftonbladet und SvD

Ich bekam kurz einen Schreck, als ich die Nachricht las, dass die seriöse, eher konservative Tageszeitung Svenska Dagbladet und das Boulevardblatt Aftonbladet zusammenziehen. Dass beide zum gleichen Konzern, Schibsted aus Norwegen, gehören, wusste ich nämlich bisher nicht. Beim genaueren Lesen stellte sich die genannte “Nachricht” des Konkurrenten Dagens Nyheter jedoch als übertrieben heraus, denn die Redaktionen sollen freilich weiter eigen bleiben. Bei der Verwaltung und den IT-Abteilungen will man durch die Zusammenarbeit jedoch sparen.

Zu Schibstedt gehören auch zwei der meistbesuchten schwedischen Internetseiten, die hier neulich Erwähnung fanden: hitta.se und blocket.se.

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Detektivbyrån - Tram Session

[Videolink](http://www.youtube.com/watch?v=mi7wAi4jKpA), [Detektivbyrån](http://www.detektivbyran.net/), mehr Musik aus der Tram [hier](http://www.thetramsessions.se/).

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Oh je

15 der 16 ersten Seiten, die Hälfte der gesamten heutigen Ausgabe von Dagens Nyheter, Schwedens größter seriöser Tageszeitung, widmete sich der Verlobung der schwedischen Thronprinzessin. Unglaublich.

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Daniel Westling verlobt

Diese Überschrift ist heute eher selten. Man liest stattdessen Dinge wie

  • Victoria endlich mit ihrem Daniel verlobt.
  • “Jetzt heiraten wir!”
  • Victoria: Jetzt wollen wir eine eigene Familie.

    Es geht also um die schwedische Kronprinzessin, die bald unter die Haube kommt. Klatsch und Königshaus interessieren mich zwar eigentlich nicht die Bohne. Trotzdem kann man anhand des Zirkus, der darum gemacht wird, sicherlich noch einiges über die Einstellung der Schweden zu ihren Monarchen lernen und schreiben.
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