Nyamko Sabuni

Die britische Times hat einen lesenswerten Artikel über die schwedische Integrations- und Gleichberechtigungsministerin Nyamko Sabuni. Eine bewundernswert mutige Frau, die sich laut für wichtige Themen einsetzt.

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Snobismus gegen Bescheidenheitsgetue

In ihrer Mai-Ausgabe hatte die Titanic einen Text von Max Goldt mit dem Titel “Sodbrennen und Snobismus”. Den gibt es leider nicht online, deshalb hier ein Zitat:

Der Snobismus hat ein ungerechtfertigt schlechtes Image, die meisten wissen eh nicht recht, was der Begriff bedeutet, und verwenden ihn synonym für Arroganz, Hochtrabendheit und dem respektlosen Hinabschauen auf sogenannte einfache Leute. Solche Erscheinungen sind aber allenfalls unschöne Nebeneffekte. Der Kern des Snobismus ist nicht das Hinabschauen, sondern der Blick nach oben. Als sein Gegenteil könnte man einen Ausdruck anführen, den Lars Brandt, der Sohn des ehemaligen Bundeskanzlers, einmal in Bezug auf Herbert Wehner und dessen Frau gebrauchte: skandinavisches Bescheidenheitsgetue.

Skandinavisches Bescheidenheitsgetue? Es dämmert, was gemeint ist. Ein paar Zeilen weiter wird es klarer:

Der Snob orientiert sich an der nächsthöheren gesellschaftlichen Schicht, und er hat dabei die gleichen Möglichkeiten wie ein mittelmäßiger Musiker, der einem Guten nacheifert. Entweder er verbessert sich tatsächlich, oder er wird prätentiös und macht sich lächerlich. Gefahrvoll ist das Leben. Aber immerhin: Er hat es gewagt, ein Besserer werden zu wollen! Was in den Augen von selbstgerechten Kleinbürgern – die sich gern als “ganz normale Menschen” bezeichnen [...] – freilich bereits eine ungeheuerliche Anmaßung darstellt.

Dazu passend wieder einmal: das Gesetz von Jante, dessen negative Auslegung sich mit dem oben beschriebenen deckt. Diesen Charakterzug gibt es zwar sicherlich sowohl in Deutschland wie in Schweden, aber ich wage zu behaupten, dass man hierzulande Menschen, die in irgendeiner Weise aus der Norm herausragen, skeptischer betrachtet. Zumindest schickt es sich nicht, zu zeigen, dass man mehr kann, mehr hat oder mehr weiß. Man tritt bescheiden auf und verkneift es sich beispielsweise, darauf hinzuweisen, dass man etwas schon wusste, das einem ein anderer gerade erklärt.

Man kann das als angenehm empfinden oder als Hindernis für direkte Kommunikation. Man kann es als echte Bescheidenheit auslegen oder als skandinavisches Bescheidenheitsgetue.

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Garmarna - Euchari

([YouTube DirektLink](http://youtube.com/watch?v=vIC_SNtYpxQ), [Wikipedia-Artikel über Garmarna](http://de.wikipedia.org/wiki/Garmarna))

Vorhin bei Radio Paradise gehört. Dieser Internet-Sender im Familienbetrieb aus Kalifornien hat mich schon auf richtig viel Musik aufmerksam gemacht, auch schwedische. Ich gehöre zu den “Supporting Listeners” und schicke regelmäßig Geld.

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Blutknappheit; zu strenge Regeln?

In vielen Krankenhäusern in Schweden herrscht Blutknappheit. In Stockholm und auch an der Uniklinik hier in Uppsala, wo man schon kurz davor war, Operationen zu verschieben.

Ich war gerade auf dem Nachhauseweg spenden. Die blodcentralen in Uppsala hat vernünftige Öffnungszeiten und das Ganze geht schnell und professionell vonstatten. Es gibt Essen und Trinken und man kann sich ein kleines Dankeschön aussuchen. Kein Vergleich zwar zu dem Hunni, den es damals in Heidelberg immer gab, als ich zu Forschungszwecken spendete, aber das gute Gewissen zählt wohl auch.

Vielleicht ist es jedoch kein Wunder, dass zu wenige Blut spenden, denn die schwedischen Regeln erlauben nur zwei Arten von Spendern: Lügner und Langweiler. Ganz abgesehen davon, dass das Spenderblut natürlich auf einschlägige Krankheiten getestet wird, muss man jedesmal Fragen zu seinem Privatleben beantworten. Ist man weit gereist, gilt eine Karenzzeit von 3 Monaten bis unendlich – je nach Land und Aufenthaltsdauer. Wer einen neuen Sexualpartner hat oder sich hat piercen oder tätowieren lassen, muss auch warten.

Wer einmal Narkotika, Hormone oder ähnliches injiziert hat, darf nicht spenden, egal wie lange es her ist. Wer je Sex für Geld hatte auch nicht. Und Männer, die Sex mit einem anderen Mann hatten, ebenso wenig. Es gab letzten Herbst zwar eine Diskussion darüber, ob homosexuelle Männer als Blutspender zugelassen werden sollen, aber es blieb beim Verbot.

Nach neuen Regeln, die sich seltsamerweise noch nicht auf geblod.nu finden, dürfen auch Personen, die jemals Sex mit einer Person aus den drei eben genannten Gruppen hatten, kein Blut mehr spenden. Das schließt Freier aus, aber Prostitution ist in Schweden ja eh verboten.

Es schließt aber zum Beispiel auch alle Frauen aus, die je einen Partner hatten, der homoerotische Erfahrungen während seiner Pubertät hatte. Die kleine Anstecknadel in Form eines Bluttropfen weist einen also nicht nur als Blutspender aus, sondern auch als jemanden, der sich unter anderem an die althergebrachte Sexualmoral hält. Oder eben als Lügner.

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"Klämdag" ...

... ist, finde ich, ein viel schöneres Wort als “Brückentag”. Der zwischen Feiertag und Wochenende eingeklemmte Tag wird damit schon sprachlich so klein gemacht, dass jeder sofort einsieht, warum es sich nicht lohnt, an diesem arbeiten zu gehen. Ich schlage vor, künftig im Deutschen “Klemmtag” zu benutzen.

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Was war?

Bevor es hier im normalen Takt weitergeht ein kurzes Update, was in Schweden so alles in den Nachrichten war während meiner Abwesenheit:

  • Die rechtsextremen Schwedendemokraten hielten ihren Parteitag in Karlskrona und parallel dazu wurde bekannt, dass jeder dritte derer Kommunalpolitiker von Sozialhilfe lebt, ein Vorwurf, den die Ausländerfeinde üblicherweise gegen Einwanderer vorbringen.
  • Die Buchbranche boomt. Das ist nicht neu, aber trotzdem erfreulich.
  • Der Verkauf von Alkohol im Systembolaget wächst ebenso. Zehn Prozent Steigerung gegenüber dem Vorjahr findet das Gesundheitsamt aber eher weniger gut.
  • Auch vom Arbeitsmarkt hört man nur Erfolgsmeldungen. 4% mehr Angestelle im Vergleich zum Vorjahr und 23% mehr offene Stellen.
  • An Busfahrern mangelt es schon und man will deshalb die Altersgrenze von 21 Jahren aufweichen. Wie wäre es mit Import aus Deutschland? Bei Ärzten scheint das ja gut zu funktionieren.
  • Schweden hat einen Terrorverdächtigen an Deutschland ausgeliefert.
  • 56 Prozent ihrer Zeit im Internet oder durchschnittlich sieben Stunden pro Woche surfen Schweden zum Privatvergnügen vom Arbeitsplatz aus, ergab eine Untersuchung.
  • Die Anzeige gegen Außenminister Bildt wegen volksverhetzender Kommentare in seinem Blog liegt mittlerweile beim Staatsanwalt.
  • Gefriertrocknung als Bestattungsmethode. Warum nicht?
  • Das größte schwedische Rockfestival in Hultsfred streitet sich mit der Gemeinde um die Lärmbelästigung und droht, das Ganze abzublasen.
  • Ich dachte ja bisher, dass der Spaß am Jagen ein Defekt auf dem Y-Chromosom sei, aber der Anteil der Frauen unter den Jägern in Schweden wächst. Außerdem wird das Jagen wegen einer Regeländerung des Jagdscheins für viele teurer. Gut so.

  • In Uppsala ist diese Woche die Linné-Woche mit zahlreichen Veranstaltungen zum 300. Geburtstag des Botanikers. Am hiesigen Bahnhof hat man deswegen sogar Palmen gepflanzt. Mehr zu den Feierlichkeiten im Laufe der Woche.

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Київ

Der schwedische Außenminister Carl Bildt schrieb gestern in sein Blog:

Tidigt i morgon lyfter så regeringsplanet för att föra mig till Kiev och diskussioner mitt i den ukrainska politiska krisen.

Genau dahin, in die ukrainische Hauptstadt, fliegen auch wir morgen für ein paar Tage, allerdings nicht mit dem Regierungsflieger, sondern mit AeroSvit. Über die politische Krise dort werden wir mit den Freunden, die wir besuchen, aber sicher ebenfalls diskutieren.

Das bedeutet, dass es hier bis Sonntag wieder einmal ruhiger wird und dass es etwas dauern kann bis Kommentare von Leuten, die noch nicht kommentiert haben, freigeschaltet werden.

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Ond Panel

Die Idee, die Stockholmer U-Bahn-Karte zu verfremden, indem man die Stationen wortwörtlich ins Deutsche übersetzt oder durch lustige Anagramme von sich selbst ersetzt, kam mir schon einmal. Schließlich gibt es das schon alles für London. Der Local hat die Stockholmer Karte immerhin ins Englische übersetzt und dabei Stationsnamen wie Shout Stone, Eastern Bronze Square oder Sharp Nude geschaffen. Seht selbst.

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