Neulich habe ich mich über die schlechte Wettervorhersagen des schwedischen Wetterdienstes SMHI beklagt und ich bin bei weitem nicht der einzige, dem das auffällt. Man spottet sogar, dass die BBC das schwedische Wetter besser vorhersagen könne als SMHI.
Es gibt aber eine halbwegs plausible Erklärung dafür. Die Wettermaske des SMHI liefert eigene Vorhersagen für jeden kleineren Ort und wegen der großen Anzahl können diese – im Gegensatz zur übergreifenden und den in Zeitungen abgedrucken Prognosen – nicht von Meteorologen kontrolliert und gegebenenfalls angepasst werden. So soll es vorgekommen sein, dass SMHI einer Stadt zehn Grad wärmeres Wetter versprach als der direkt angrenzenden Nachbarstadt.
Ich verstehe zwar nur rudimentär, wie Wettermodelle zusammenhängen, aber es erscheint mir seltsam, dass die Berechnungen auf kleinen räumlichen Skalen so unabhängig von der großräumigen Wetterlage sein sollen, dass sich diese Abweichungen ergeben. Aber Wettervorhersage ist schwer, gerade die räumliche Auflösung. Wenn man diese nicht hinbekommt, wäre es zwar vielleicht besser, die Vorhersage nicht Ort für Ort anzubieten. SMHI will aber immerhin bald zusätzlich anzeigen, wie sicher eine bestimmte Vorhersage ist.
Menschen, die nur bekannt sind, weil sie bekannt sind, betrachte ich als medialen Spam. Es gibt aber auch Menschen, die zu Recht Aufmerksamkeit genießen und gegenüber denen man eine gewisse Bewunderung nicht zu verhehlen braucht.
Am 25. Mai kommen zwei solche in die Universitätsaula hier in Uppsala, um die Zukunft der internationalen Gemeinschaft zu diskutieren: Kofi Annan und Jan Eliasson.
Beim letzten Besuch von Kofi Annan gab es ein ziemliches Besucherchaos und ich schaffte es nur in einen der kleineren Säle, in den die Rede live per Video übertragen werden sollte. Leider haben die Organisatoren den Ton nicht hinbekommen. Dieses Mal scheinen sie besser zu planen und man muss schon heute die kostenlosen Eintrittskarten abholen. Ich komme gerade von da und falls ein Uppsalabo mitliest: noch bis 16.00 in der Aula, aber ich vermute, dass die Karten vorher ausgehen.
Zwei Tage davor, am 23., ist Carl von Linnés 300. Geburtstag und der Höhepunkt des Linné-Jahres. Der schwedische König und der japanische Kaiser werden in Uppsala erwartet und während letzterer sein Mittagsschläfchen hält, soll ersterer angeblich uns Astronomen einen Besuch abstatten. Ich weiß ja nicht ganz, was ich davon halten soll, aber ein paar Bilder fürs Archiv und für zukünftige Artikel an dieser Stelle würden sicher dabei herausspringen.
Progg ist der schwedische Vorläufer des Punk. Progg ist der Beweis, dass Schweden in den Siebzigern cooler war als Deutschland. Progg ist politisch. Progg ist links. Progg ist tot. Progg lebt. Progg ist musikalisch anspruchslos. Progg ist alternativ. Progg ist zeitlos. Alles Aussagen, die gleichzeitig zutreffen und falsch sind – zumindest jedoch eine unzureichende Beschreibung abliefern.
Es geht also um Musik. Das Wort kommt sprachlich zwar von “progressiv”, progg hat aber nur wenig mit dem Musikgenre progressive rock zu tun. Progg ist nicht einmal ein einheitliches Genre, sondern eine schwedische Musikbewegung der 70er Jahre, die viele Stile umfasst. Die Bandbreite reicht von Folkmusik über vorwiegend instrumentalen Rock bis zu Blues.
In den Sechzigern war es wohl recht schwer für schwedische Bands, Plattenverträge zu bekommen, wenn sie andere Musik machten als die Labels für Hitverdächtig hielten. Gegen Ende des Jahrzehnts bildete sich also ein alternative Szene mit eigenen Plattenlabels, die in den Siebzigern ihre kurze Blütezeit erlebten. Die Ansichten der linken 68er dominierten die politische Anschauung der Bewegung, sorgten aber auch dafür, dass unpolitischere Bands ausscherten.
Gemeinsamkeit war auf jeden Fall, dass auf Schwedisch gesungen wurde und dass man sich als Gegengewicht gegen kommerzielle Musik sah. Musik wie ABBA senke das politische Bewusstsein und richte alles auf den Massenkonsum aus, dachten nicht wenige. Passend zum gestrigen Abend sei angemerkt, dass man im Progg das Schlagerfestival verachtete. 1975 gab es als Gegenveranstaltung ein Alternativfestival in Stockholm, auf dem Ulf Dageby vom Nationalteatern sich im Lied Doin´ the Omoralisk Schlagerfestival über selbiges auslässt.
Die zunehmende Politisierung führte dann gegen Ende der 70er zu Uneinigkeiten und als 1980 das zur Bewegung gehörende Magazin Musikens makt (Macht der Musik) eingestellt wurde, war Progg zu Ende. Der Punk hatte übernommen – und zwar nicht nur die Aufmerksamkeit der Jugendlichen, sondern auch die politisch linke Systemkritik. Zum Beispiel ist Staten och Kapitalet, das neulich schon im Zusammenhang mit Ebba Grön und Joakim Thåström Erwähnung fand ein Cover von Blå Tåget, bei denen es viel zahmer klang.
Seit den 90er Jahren stößt der schwedische Progg wieder auf mehr Interesse und einige der Künstler sind wieder auf Tour und spielen mit viel Zuspruch auf Festivals. Es wird respektiert, dass die Bewegung ein sehr wichtiger Beitrag zur schwedischen Musikgeschichte war, auch wenn man einige der extremeren kommunistischen Texte eher belächelt. Im Gegensatz zur Schlagerbewegung kann man vieles von dieser Musik heute noch hören.
Es gab und gibt zu viele Musiker, die man zum Progg rechnet, als dass ich sie hier alle aufzählen könnte, geschweige denn kennen würde. Ein paar der Protagonisten sollen aber zumindest erwähnt werden: Träd, Gräs och Stenar, die Hoola Bandoola Band mit Mikael Wiehe, Kebnekaise, Björn Afzelius, Peps Persson mit Peps Blodsband, Samla Mammas Manna und natürlich Nationalteatern. Letztere habe ich sogar in meinem ersten Jahr in Schweden auf einem Festival gesehen, natürlich ohne damals je von ihnen gehört zu haben. Peps Persson habe ich neulich verpasst, als er in Uppsala gespielt hat, aber ich hoffe, das irgendwann nachzuholen.
Nach so viel Text jetzt endlich zur Musik. Videos nach dem Klick.
Leider findet sich nur recht wenig der oben genannten bei YouTube und dann meist in zweifelhafter Audioqualität. Trotzdem hier die drei “besten”, die ich finden konnte, abgesehen von denen im gestrigen Artikel und in Rainers.
[Nationalteatern – Bängen Trålar](http://www.youtube.com/watch?v=4WVol2KSXSc):
[Sillstryparn – Doin the Omoralisk Schlagerfestival](http://www.youtube.com/watch?v=ylzX73rskiE):
[Hoola Bandoola Band (mit Joakim Thåström) – Fred](http://www.youtube.com/watch?v=LAgPRfsHn7I):
Eigentlich sollte man ja an der schwedischen Ostküste keinen Sonnenuntergang über dem Wasser sehen, schließlich geht sie im Westen unter. Warum geht es doch? ;)
Mittlerweile sind übrigens alle Bilder von Kapplasse online; ebenso mit zwei Wochen Verspätung die Bilder vom diesjährigen Valborg.
In vielen europäischen Ländern ist heute Muttertag. Neben Deutschland auch in Dänemark und Finnland. In Norwegen liegt der Muttertag dagegen schon im Februar und hier in Schweden ist es nicht der zweite, sondern der letzte Sonntag im Mai, auf den sich die Blumengeschäfte freuen.
Das kann gegenüber zuhause gebliebenen Müttern schon einmal als Ausrede herhalten, dass man ihn vergessen hat.
Beim Blick vom Balkon auf das Nachbarhaus wunderte ich mich gerade, warum die Fenster alle im Takt heller und dunkler werden. Dann fiel mir ein: es ist ja Schlagerfestivalen.
Rainer schreibt über Mikael Wiehe und wie er den Dänen die Leviten liest. Sehr schön.
Mikael Wiehe war mir bisher nur im Zusammenhang mit der Hoola Bandoola Band bekannt, der schwedischen Progg-Band. Was “Progg” ist, erkläre ich am besten morgen im Wort der Woche, das geht nicht in drei Sätzen.
Als Vorgeschmack hier der Mitschnitt eines Konzerts zu Wiehes Ehren (er sitzt am rechten Bühnenrand und ist kurz im Bild), in dem Lars Winnerbäck und Dregen “Vem kan man lita på?” spielen. Dregen war früher bei den Hellacopters und ist auch mit den Backyard Babies recht erfolgreich. Die beiden zusammen auf der Bühne zu sehen, ist eine ziemlich obskure Zusammenstellung, aber sehr witzig.
([YouTube DirektLink](http://youtube.com/watch?v=shsar-IPzNs))
Ab Oktober fliegt Ryanair viermal die Woche von Düsseldorf nach Växjö. Ich musste nachschauen, wo das ist. Växjö also, nicht Düsseldorf. Es liegt weit unten in Småland und wird wie “Wäck-(s)chö” ausgeprochen.
Nach der Ortsbestimmung kam unweigerlich die Frage: Und wer will da bitteschön hinfliegen, so weitab vom Schuss? Die Wikipedia weiß wie so oft mehr:
Beliebt ist die Gegend rund um Växjö bei vielen deutschen Urlaubern aufgrund der Nähe zu den Fähren über die südliche Ostsee und der vielfältigen Angebote. Neben ausgedehnten Bootsexkursionen bieten sich Fahrradtouren und Wanderungen, Besichtigungen von Glasfabriken und Schlössern an.
Vielleicht wäre trotzdem Stuttgart passender gewesen als Düsseldorf?