Führerschein in Schweden

Fabian beschreibt, wie es ist, in Schweden Führerschein zu machen. Beim seinem letzten Satz musste ich arg schmunzeln.

Generell machen in Schweden immer weniger (S) junge Leute den Führerschein. Nur 60% der 18 bis 24-jährigen haben ihn. Ich habe keine Vergleichszahlen für Deutschland, aber ich vermute, dass bei weitem nicht vier von zehn Leuten auf der Deutschen liebstes Kind verzichten.

Das mag mit der größeren Verstädterung Schwedens zu tun haben, denn dort kommt man meist sehr gut ohne Auto aus.

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Galaxienplausch

refraktor

Gestern Abend habe ich einen kleinen Vortrag über Galaxies gegeben. Zuhörer waren Leute vom Verein Humanisterna, bei dem ich auch Mitglied bin. Es ist immer wieder schwierig, das richtige Niveau für so etwas zu finden, aber ich glaube es ist mir gelungen. Dass viele Fragen gestellt werden ist immer gut, dann kann man das was man sagt noch während des Vortrags anpassen.

An drei oder vier Stellen fehlten mir die adäquaten schwedischen Worte für astronomische Dinge. Denn auch wenn wir hier am Institut meist Schwedisch reden, werden doch viele Fachausdrücke einfach aus dem Englischen übernommen, ohne sich über die vielleicht existierenden schwedischen Wörter Gedanken zu machen. Zwei Beispiele:

  • spiral galaxy – skivgalax (wörtlich: Scheibengalaxie)
  • big bang – stora smällen (aber “big bang” ist auch nicht ungewöhnlich)

    Nach dem Vortrag hatte ich eigentlich vor, den Leuten Venus, Saturn und den Mond in unserem alten Linsenteleskop (siehe Bild) zu zeigen, aber leider wurde gestern Nachmittag – nach mehreren klaren Sonnentagen – das Wetter wieder schlecht. Einen Blick aufs Teleskop werfen und Historie schnuppern durften sie trotzdem.
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Hellacopters - Toys and Flavours

([Youtube Direktschrauber](http://www.youtube.com/watch?v=u6hGfr0C7C0))

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Der 1. April in Schweden

Eine kleine Sammlung mit Aprilscherzen aus Schweden, die mit heute über den Weg liefen:

  • Die Zeitung *Dagens Nyheter* hat sicher einige Schweden in Panik versetzt, als sie das Heiligtum vieler Schweden angriff und [schrieb](http://www.dn.se/DNet/jsp/polopoly.jsp?d=147&a=634930) (S), man müsse seinen Sommerurlaub noch heute anmelden, weil die EU Urlaub im Juli und August einschränken wolle. Es gehe aus ökonomischen Gründen nicht an, dass Europa im Sommer dicht mache und wegen des wärmeren Klimas könne man ja auch später Urlaub machen.
  • Die Betreiber der *Pirate Bay* [schrieben](http://thepiratebay.org/blog/61) (S) in ihrem Blog, dass sie endlich die optimale Lösung zur Unterbringung ihrer Server gefunden hätten. Sie hätten sich mit Kim Jong Il darauf geeinigt, sie in die nordkoreanische Botschaft in Stockholm zu stellen, wo sie mit schneller Internetanbindung und Notstromdiesel sicher seien. Außerdem habe man den Leuten Immunität gegenüber Copyright-Inhabern und die nordkoreanische Staatsbürgerschaft zugesichert.
  • Astro-Blogger Malte (auf dessen Blog ich ab und zu mitschreibe) [verkündete](http://astromalte.blogspot.com/2007/04/persson-motsatte-sig-pluto-som-planet.html), Göran Persson habe in den Interviews zur kürzlich ausgestrahlten [Dokumentarreihe](http://www.fiket.de/2007/03/22/persson-teilt-aus/) gesagt, Pluto sei “zu klein und zu weit weg” um ein Planet zu sein. Der Zeitpunkt der Aufzeichnung habe *vor* der eigentlichen Entscheidung gelegen, Pluto seinen Planetenstatus abzuerkennen. Im Vergleich zu den Aussagen Perssons über seine Politikerkollegen, sei Pluto aber eigentlich ganz gut weggekommen.
  • Die Macher von *The Local* wollten gleich die schwedische Sprache umkrempeln und [behaupteten](http://www.thelocal.se/6867/20070401/), eine parlamentarische Untersuchungskommission habe vorgeschlagen, die komplizierten Buchstaben Å Ä und Ö zugunsten der Globalisierung doch lieber abzuschaffen.
  • Die *Piratpartiet* würde sich mit der *Feministisk Initiativ* zusammentun, [hieß es](http://www2.piratpartiet.se/nyheter/piratpartiet_och_fi_har_gatt_samman) dort in einer Pressemitteeilung. Man verspreche sich von der Verbindung bessere PR und wolle somit das Erfolgskonzept der etablierten Parteien kopieren, nicht so sehr an den eigenen Prinzipien festzuhalten.
  • Auf Fiket.de gab es die [Falschmeldung](http://www.fiket.de/2007/04/01/alkoholtest-fuer-kranke/), man wolle das Krankfeiern in Schweden mit Alkoholtests bekämpfen. René hat [eine Liste](http://www.nerdcore.de/wp/2007/04/01/april-april-2007/) mit weiteren (nicht-schwedischen) Scherzen des Tages aus Nachrichten und Blogs. Zum Schluss noch ein Klassiker, der auch [internationale Bekanntheit](http://www.museumofhoaxes.com/hoax/aprilfool/) erreicht hat: Am 1. April 1962 verkündete Kjell Stensson, der technische Experte des damals einzigen schwedischen Fernsehkanals, man könne – dank neuer Technik – sein Gerät ganz einfach in einen Farbfernseher verwandeln, indem man eine Nylonstrumpfhose über den Apparat zog. Er demonstrierte das auch gleich und angeblich gingen ihm hunderttausende (!) auf den Leim und probierten es aus. Farbfernsehen kam dann doch erst 1970 nach Schweden.
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Wort der Woche: Sylt

Schlägt man sylt im Wörterbuch nach, dann steht da “Marmelade” als deutsche Übersetzung. Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht wirklich richtig, denn das Wort marmelad gibt es auch im Schwedischen und sylt ist nicht das gleiche. Was ist der Unterschied?

Ein paar Aussagen, die man zu diesem Problem treffen kann:

  • Sylt ist etwas flüssiger als marmelad.
  • Marmelad ist oft gelb (z.B. von Orangen) und sylt rot. Demnach wäre es die gleiche Unterscheidung wie jam und marmelade im Englischen. Aber es gibt auch Kirsch-, Brombeer- und andere Marmeladen.
  • Preiselbeeren sind immer lingonsylt und nie lingonmarmelad.
  • Auch bei Erdbeeren ist *sylt* die üblichere Form, aber wie bei vielen anderen Beeren gibt es beide Formen.

    Was *sylt* und *marmelad* (wahrscheinlich) vor allem unterscheidet, lernt man erst, wenn man von der Sache weggeht und einen Blick darauf wirft, wie sie jeweils *verwendet* werden. Marmelade kommt nämlich aufs Brot – *sylt* isst man dagegen mit [*filmjölk*](http://schwedenwiki.de/Fil), Pfannkuchen oder zu anderen Speisen.
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Alkoholtest für "Kranke"

Als die Parteien der bürgerlichen Allianz sich vor der Wahl letzten Herbst sehr sozialdemokratisch gaben und die Moderaten sogar “die neue Arbeiterpartei” ausriefen, kauften ihnen das nicht wenige ab. Schließlich wurden sie gewählt und übernahmen die Macht. Seitdem wird jedoch immer mehr klar, wie sehr die konservative Regierung doch ihre Klientel der Wohlhabenden bedient und das Leben für die ärmeren Schichten der Bevölkerung erschwert.

Museen kosten wieder Geld. Die Arbeitslosenversicherung ist teurer und leistet weniger. Öffentliche Verkehrsmittel kosten mehr. Umwelt- und Kulturausgaben wurden gekürzt. Die Vermögenssteuer wird abgeschafft. In der Gewerkschaft zu sein, ist teurer geworden. Unternehmer sollen begünstigt werden. Das Motto ist also: Die Leute sollen Arbeit haben. Und sie sollen auch wirklich arbeiten, denn sonst funktioniert das System auch für die Reichen nicht mehr.

Neben den strengeren Regeln für Arbeitslose trifft es jetzt auch die Kranken. Fabian hat ja erst neulich das Problem des “Krankfeierns” in Schweden beschrieben und die Regierung scheint das ähnlich zu sehen. Den vorab durchgesickerten (S) Plänen nach, soll eine neue gemeinsame Einheit von Polizei und Gesundheitsamt geschaffen werden, die stichprobenartig Krankgeschriebene aufsucht und Alkoholtests durchführt.

Das sei im Rahmen der strengen schwedischen Alkoholgesetzen vertretbar und gerade an populären Feiertagen sollen die Kontrollen die “falschen” von den echten Kranken unterscheiden helfen und so die dann üblicherweise hohe Krankenquote senken. Die Höhe des geplanten Bußgeldes oder andere Sanktionen sind bisher nicht bekannt. Als Nebeneffekt will man auch die wirklich Kranken vom Trinken abhalten, da dies den Heilungsprozess beeinträchtige.

Dieser Text war ein Aprilscherz, wie ein Klick auf den letzten Link von Anfang an verriet.

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Kurz notiert

Ein kleiner, wie immer subjektiv ausgewählter, Überblick über die schwedischen Nachrichten der letzten Tage:

  • Fredrik Robelius hat gestern seine Doktorarbeit hier in Uppsala verteidigt. Sein Thema: Peak Oil, also die Frage bis zu welchem Zeitpunkt die weltweite Ölproduktion mit dem steigenden Bedarf mitwachsen kann und wann das Maximum erreicht wird, ab dem die Produktion zwangsläufig wieder abnimmt. Robelius’ Ergebnis, dass dieses Maximum schon nächstes Jahr erreicht wird, schaffte es in die schwedischen Medien. Ich hatte vorgestern die Gelegenheit, dem Vortrag seines Opponenten zum gleichen Thema zuzuhören. Wichtig bei der Diskussion ist, sich bewusst zu sein, dass das Öl nicht zu Ende geht, sondern “lediglich” die Produktion nicht mehr gesteigert werden kann. Auch wenn also erst in etwa die Hälfte des weltweiten Öls gefördert wurde, können die Auswirkungen verheerend sein, wenn die Produktion mit dem weiter wachsenden Bedarf nicht mehr mithalten kann.
  • Nur England^1^ geht noch fahrlässiger mit der Privatsphäre seiner Bürger um als Schweden. Dass gerade Deutschland Schweden in dieser Hinsicht einiges voraus hat (oder eben glücklicherweise dem Trend zur Überwachung hinterherhinkt), ist bekannt, aber auch in Schweden scheinen die Datenschützer wieder mehr Gehör zu finden. Eine Untersuchungskommission des Parlaments hat ihren Bericht vorgelegt und äußert harte Kritik an den Gesetzesvorlagen und Reformen der letzten Jahre. Der Schutz der persönliche Integrität der Bürger spiele in vielen Fällen eine untergeordnete Rolle. Weiter bei Radio Schweden.
  • Forschungspolitik. Entgegen vollmundiger Ankündigungen einer Erhöhung der Forschungsgelder, stellt sich jetzt heraus, dass stattdessen weniger Geld (S) zur Verfügung steht. Angesichts eines Haushaltsüberschusses und massiver Steuersenkungen ist das schwer verständlich. Zusätzlich sollen die Regeln zur Geheimhaltung von Forschungsergebnissen gelockert werden, damit Firmen, die sich an Forschungsprojekten beteiligen, vorrangige Verwertungsrechte eingeräumt werden können. Wissen unter Verschluss zu halten, gerade wenn es aus Steuergeldern finanziert wurde, ist aber grundsätzlich problematisch. Man sieht an beiden Punkten, dass die nicht-angewandte Grundlagenforschung, die vom Staat finanziert werden muss, bei der bürgerlichen Regierung keine sehr hohe Stellung einnimmt.
  • Bei der Hochtechnologie ist Schweden jedoch weiterhin ganz vorne. In einer neuen Rangliste zu Vernetzung, Informations- und Kommunikationstechnologien sind mehrere Länder am letztjährigen Spitzenreiter USA vorbeigezogen. Dänemark und Schweden findet man jetzt auf den ersten beiden Plätzen. Deutschland liegt auf Platz 16. Mehr bei Heise.
  • Im schwedischen Handel wird zu Ostern [doch nicht gestreikt](http://www.sr.se/Ekot/artikel.asp?artikel=1284166) (S). Obwohl es zunächst hieß, der Dachverband der Arbeitgeber [wehre sich gegen](http://www.fiket.de/2007/03/28/streik-an-ostern/) den ausgehandelten Vertrag, wurde er jetzt doch unverändert unterschrieben und bringt den Angestellten in den kommenden drei Jahren durchschnittlich 12,6% mehr Lohn. ^1^Wer mehr über die Situation in Großbritannien wissen will, lese [das entsprechende Dossier der ZEIT](http://www.zeit.de/2007/03/Big-Brother?page=all).
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Pfui!

Radio Schweden schreibt:

In einer Umfrage des norwegischen Institutes Sentio erzielt die rechtspopulistische Partei 4,3 Prozent, gegenüber 2,9 Prozent bei den Wahlen im vorigen September.

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