Am Samstag war es dann endlich soweit. Håkan Juholt, seit letzten April
Parteichef der schwedischen Sozialdemokraten, ist zurückgetreten,
nachdem die Diskussionen um ihn und seine Fehler nicht abrießen und die
Partei immer mehr in Mitleidenschaft zogen. Von Woche zu Woche sanken
die Umfragewerte auf immer neue historische Tiefstände, zuletzt unter 25
Prozent.
Die Affäre um die
Wohnungszuschüsse
hat sicherlich zum Vertrauensverlust in Juholt beigetragen, aber der
Tropfen, der schließlich das Fass zum überlaufen brachte, war ein
weiterer Juholtare. Dieses Wort hat es in die Liste der neuen
Worte des vorigen Jahres geschafft und
bedeutet förhastat uttalande som man snart tvingas backa på, also eine
übereilte Aussage, die man bald darauf zurücknehmen muss. Die letzte
solche in einer langen Reihe machte Juholt in einer Rede zur
Verteidigungspolitik, die eigentlich seine Stärke darstellte; er saß
jahrelang im entsprechenden Ausschuss. Juholt behauptete, die Regierung
habe zusammen mit den Schwedendemokraten – wir erinnern uns: die
rechtsextreme Partei sitzt seit der letzten Wahl im Reichstag und die
Regierung hat dort keine eigene Mehrheit – die Reform der schwedischen
Streitkräfte durchgesetzt. In Wirklichkeit geschah dies vor der
letzten Parlamentswahl.
Ob solche Fehler oder widersprüchliche Aussagen zu Libyen-Einsatz,
Schatten-Budget oder EU-Stabilitätspakt Juholts Rücktritt objektiv
rechtfertigten, ist schwer zu beurteilen. Unbestritten ist, dass Juholts
Hin und Her, Entschuldigungen und Zurückrudern zur unendlichen
Geschichte wurden und in der Öffentlichkeit zu Juholts Markenzeichen.
Ich kann mir vorstellen, dass so etwas schwer zu reparieren ist.
Eine weitere Person hat übrigens ihren Namen in den Neologismen
hinterlassen: Nach Terje
Hellesø
bedeutet das Verb terja, ein Foto in betrügerischer Absicht zu
manipulieren.