Wieder was gelernt

Es ist eigentlich offensichtlich, aber dann doch wieder nicht: Man kauft Reiseführer für Orte fern des Wohnortes, obwohl man viel mehr Nutzen von Ahnung von der eigenen Umgebung hätte. Ich kann jedem nur empfehlen, sich einen guten Reiseführer für die eigene Heimat zu holen. Ich habe zum Beispiel den Lonely Planet für Schweden (Deutschland auch) und abgesehen davon, dass unsere Gäste ihn fleißig lesen, lernt man selbst auch immer wieder etwas Neues, wenn man ihn aufschlägt. Als neu Zugezogener lese ich gerade das Kapitel über Stockholm, auch wenn ich in den letzten Jahren unzählige Male hier war und die Stadt bis hin zu den wichtigeren Straßennamen eigentlich recht gut kenne.

So habe ich gerade erfahren, dass ich in einem Nationalpark lebe, und zwar dem weltweit ersten innerhalb einer Stadt. Dieser erste “Nationalstadtpark” heißt Ekoparken (Webseite, Karte) und streckt sich vom Djurgården im Süden bis zu den Grünflächen um Ulriksdals slott im Norden. Die einzelnen Teile sind den Stockholmern jedoch eher bekannt als der Überbegriff “Ekoparken”.

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Eis als Weg zur Arbeit

Karte übers nördliche Stockholm, Quelle:
openstreetmap.org Ich habe am Wochenende den Luxus ausgenutzt, jetzt so nah am Wasser zu wohnen (Kreuz in der Karte), dass ich in fünf Minuten Fußweg Zugang zu zwei Seen habe, auf denen jeweils lange Bahnen vom Schnee geräumt werden, damit man eislaufen kann (rote Linien). Die nördliche Bucht ist der Edsviken, südlich der Brunnsviken.

Beide waren gestern Teil des Krogrännet, einem Schlittschuhrennen für Freizeitsportler, das über gut 30 Kilometer von Vallentuna im Norden (weit außerhalb der Karte) bis zur Südspitze des Brunnsviken ging. Als die Gruppe mit den führenden Läufern an mir vorbeiflitzte, wurde sehr deutlich, wie weit ich es noch bis zum erfahrenen Eisläufer habe.

Weil heuer ein gutes Schlittschuhjahr mit stabilem Eis fast überall in der Gegend hier ist, wird in zwei Wochen auch das Vikingarännet stattfinden können, das über die 80 km von Uppsala nach Stockholm geht.

Das rot eingekreiste Gebäude auf der Karte ist übrigens das Gebäude, Alba Nova genannt, in dem die Stockholmer Astronomen hausieren und wo ich jetzt die meisten Tage verbringe. Ich glaube, ich werde morgen früh einmal die vier Kilometer anstatt per U-Bahn auf dem Eis zurücklegen.

Nachtrag 080203: Gesagt, getan. Wunderbarer sonniger Wintermorgen, mit -5 Grad auch nicht zu kalt.

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Kredit per SMS

Dass ein Kredit mit 360% effektivem Jahreszins kein gutes Geschäft ist, sollte selbstverständlich sein. Ist es aber leider nicht.

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Stomatol

Stomatol

Stomatol ist eine schwedische Zahncreme, die es seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt und die zeitweise eine so Marktbeherrschende Stellung hatte, dass der Ausdruck “Stomatollächeln” geprägt wurde.

Das Werbeschild im obigen Bild ist von 1909 und eine der ersten blinkenden Reklamtafeln überhaupt. Die bekannte Landmarke steht auf einem der Nachbarhäuser des Slussen in Stockholm. Es ist jedoch nicht geschützt als Kulturdenkmal.

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Rocky

Eine der populärsten Comic-Serien in Schweden ist Rocky. Das hat nichts mit Boxen zu tun, sondern Rocky heißt die Hauptfigur der Serie – ein Hund. Alle Charaktere haben Tiergestalt und die Strips spielen im Stockholm der Neuzeit. Rocky selbst ist Comiczeichner von Beruf und ist angeblich das autobiografische Alter Ego von Martin Kellerman, dem Erschaffer von Rocky.

Die Zeinungen, die nicht nur täglich in mehreren schwedischen Zeitungen erscheinen, sondern die man auch als Heft und in Sammelbänden bekommt, sind eher textlastig und handeln vom Alltag des Stockholmers Rocky, dem es eigentlich zu gut geht, der aber trotzdem unter Beziehungs- und anderen Ilandsproblemen^1^ stöhnt.

Auf Rockys Webseite kann man sich einen Eindruck verschaffen und durch Ändern des Datums in URLs wie dieser auch weiter zurück lesen als von der Startseite verlinkt ist. Und für alle, die kein Schwedisch können, hier die Übersetzung des Dialogs aus dem Strip vom letzten Montag.

Rocky unterhält sich mit seinem Kumpel Klasse, einer Ratte:

Rocky: “Unglaublich, wie hilflos Männer in den 40ern und 50ern waren! Die konnten nicht mal ein Ei kochen! Ein Brot zu schmiern war eine unglaubliche Leistung!”

Klasse: “Ja, deren Frauen richteten alles, die waren wie Kleinkinder, die angezogen und gefüttert werden!”

R: “Die dachten es sei verdammt männlich, so zurückgeblieben zu sein, dass man nicht mal ein Hemd bügeln kann! Aber jetzt verhungern die ja auch, wenn ihre Frauen/Mütter sterben! Das nennt man natürliche Auslese!”

K: “Wenn ein Tier im Wald nur Kaltes aus der Dose essen kann, hat es keine großen Chancen!”

R: “Das merkwürdige ist, dass Männer dieser Generation im zweiten Weltkrieg gekämpft haben und zum Mond geflogen sind!”

K: “Schwedische Männer dieser Zeit doch nicht! Die saßen nur still und beschwerten sich, dass der Kaffee rationiert war!”

R: “Klar kann man Männer respektieren, die in unserm Alter im Schützengraben festfroren, während sie Deutsche umlegten, aber zu wem können wir aufsehen? Ein Haufen tatteriger Muttersöhnchen, die kaum ihre eigenen Schnürsenkel binden können!”

K (empört): “Nur Schwule binden ihre eigenen Schnürsenkel!!!”


^1^ Industrieländer werden im Schwedischen als I-Länder abgekürzt. Ilandsproblem sind solche Probleme, die erst auftauchen, wenn man schon viel mehr als einen vollen Magen und ein Dach über dem Kopf hat. Als Beispiel: Herauszufinden, welcher Flachbildfernseher der preiswerteste ist, wäre ein typisches Ilandsproblem.

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Triad - Tänd ett ljus

[Videolink](http://www.youtube.com/watch?v=yCcfNkfb0bQ&NR=1), über [Triad](http://sv.wikipedia.org/wiki/Triad_(musikgrupp)).

Weihnachten ist vorbei, ich weiß, aber dieser “Weihnachtshit” aus den späten Achtzigern ist zu “gut”, ihn hier auszulassen. ;)

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Neue Regionen für Schweden

Die Idee, die 20 schwedischen Regionen (län) zu reformieren und zusammenzulegen gibt es schon länger. Jetzt wurde etwas beschlossen, das für mich nach nichts Halbem und nichts Ganzem klingt.

Radio Schweden schreibt:

Nach dem Beschluss sollen die vorläufigen Regionen Västra Götaland und Skåne weiter existieren. Als neue Regionen kommen Halland und Gotland hinzu. [...] Die Anträge mehrerer Provinziallandtage aus Nordschweden für eine regionale Lösung wurden hingegen nicht bewilligt.

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Blocket

In Deutschland, wie in vielen anderen Ländern, dominiert Ebay den Markt für “Kleinanzeigen” im Internet. Das Konzept der Versteigerung und dass der Preis durch die Mitbieter festgelegt wird, hat offensichtliche Vorteile für Verkäufer und durch die vielen Käufer sind echte Schnäppchen (schw: klipp) die Ausnahme geworden.

Das “schwedische Ebay” Tradera gehört seit bald drei Jahren zu Ebay, hat aber seinen eigenen Charakter vollständig behalten dürfen, sowohl im Aussehen als auch in den kleinen Unterschieden zum Ebay-Standard. Das Angebot ist nicht mehr ganz so klein, auch von Zugtickets abgesehen. Ich habe dort in den letzten Monaten zwei Käufer für Kamera-Zubehör gefunden, das ich nicht mehr brauchte.

Unangefochtener Marktführer bei privaten Verkäufen in Schweden ist und bleibt jedoch Blocket, eine Seite mit klassischen Kleinanzeigen, die den Verkäufer 20-90 Kronen kosten – je nach Kategorie. Hier war es nicht zuletzt wegen der starken regionalen Aufteilung kein Problem, vorgestern einen schicken gebrauchten Kleiderschrank und andere kleinere Möbel zu finden und sie ein paar Stunden später mit dem schnell angemieteten Lieferwagen abzuholen.

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Wort der Woche: Paltkoma

Schön, wenn jemand andere die Artikel liefert, die man schön länger einmal schreiben wollte. Dazu ist es immer wieder erfreulich, die Artikel von Radio Schweden zu sehen, die nicht nur verkürzte Übersetzungen der Originalnachrichten des SR sind.

Das heutige Wort der Woche: Paltkoma, auszusprechen bitte mit finnlandschwedischem Akzent. Das Wort kann man übrigens benutzen, egal was man zu viel gegessen hat.

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