Das Bredbandsbolaget, bei denen ich jetzt Kunde fürs Internet daheim bin, hat mich gerade angerufen. Natürlich ist man skeptisch, wenn Firmen anrufen, denn natürlich soll immer etwas verkauft werden. Diesmal jedoch nicht. Der Mensch am anderen Ende wollte lediglich wissen, ob der Anschluss geklappt hat, ob ich zufrieden bin und ob es irgendwelche Fragen gibt.
Letztere wurden dann auch gleich kompetent beantwortet, leider mit der schlechten Nachricht, dass nur etwa 10% der Kunden den Zusatzdienst einer festen IP-Adresse für unter 2 Euro extra pro Monat bekommen können und dass ich nicht dazugehöre.
Auf jeden Fall bin ich beeindruckt vom Kundenservice. Es sind solche kleinen Dinge, die eine Firma in gutem Licht erscheinen lassen, die Kunden zufrieden machen und damit halten.
Wer in den letzten Tagen Nachrichten gelesen hat, dem dürfte die Diskussion um die ultrakonservative katholische Bruderschaft SSPX, die der Papst rehabiliert hat, nicht entgangen sein. Das schwedische Fernsehen (SVT) spielte dabei eine beachtenswerte Rolle. Es war nämlich das Programm Uppdrag granskning (“Auftrag Überprüfung”), das das Interview mit dem SSPX-Bischof ausgestrahlt hat, in dem er seine 20 Jahre alten Aussagen zur Leugnung des Holocausts bereitwillig wiederholt – mit dem Hinweis, doch bitte nicht die Polizei zu rufen, weil das in Deutschland (wo das Interview stattfand) ja illegal sei.
Die ganze Sendung kann im Netz angesehen werden. Man kann zu 35:45 Minuten vorspulen, da fängt das Interview (auf englisch) an. (Nachtrag: Es gibt auch die ganze Sendung englisch untertitelt. Danke für den Hinweis per Email.)
Der Rest des Programms dreht sich um einen Priester, der die schwedische Kirche verlassen hat und der SSPX beigetreten ist und jetzt “Schweden katholisch machen” will. SSPX darf hiesige katholische Kirchen nicht mitbenutzen, aber bei den Protestanten fand man unwissende Priester, die SSPX die Türen ihrer Kirchen öffneten.
Außerdem werden die Verbindungen von SSPX zu rechtsextremen Gruppen, sowohl in Schweden wie in Frankreich, ausführlich behandelt. Auch in diesen Teilen des Programms bekommt man Dinge zu hören, die jeden halbwegs vernünftigen Menschen vor Wut schäumen lassen.
Und was ist die Reaktion des Vatikans auf Uppdrag granskning? Man vermutet ein Komplott und greift den Boten an, anstatt sich um das eigentliche Problem zu kümmern: die Botschaft. Links: 1, 2, 3, 4, 5.
Nachtrag: SpOn hat jetzt noch etwas mehr Hintergründe
[Videolink](http://youtube.com/watch?v=wUVMpluF7kQ), [*A Camp* bei Wikipedia](http://de.wikipedia.org/wiki/A_Camp)
A Camp ist das frisch wiederbelebte Soloprojekt von Nina Persson, Sängerin der Cardigans.
Pension bedeutet – wer hätte es gedacht – Pension, Rente. Es wird “pangschuhn” gesprochen, wegwegen man eigentlich pangsjon anstatt pension schreiben sollte, tut man aber nicht. Ich habe mich zuletzt aus Eigeninteresse mit dem schwedischen Rentensystem befassen dürfen und versuche, es im folgenden zusammenfassen.
Das System ist in mehrere Teile gegliedert:
Die allgemeine Rente setzt sich aus der Einkommens- und der Prämienrente zusammen. Erstere wird von der Försäkringskassan verwaltet, die sich auch um die Krankenversicherung kümmert. Die 16% des Lohns werden direkt vom Arbeitgeber abgeführt und auf diese Gelder hat man keinen Einfluss. Natürlich wächst das eigene Konto je länger man arbeitet und je mehr man verdient, es ist jedoch auch abhängig von der Konjunkturentwicklung.
Ebenfalls automatisch abgeführt wird die Prämienrente, also die 2.5% des Lohns, die den anderen Teil der allgemeinen Rente ausmachen. Dieses Geld wird von der Premiepensionsmyndigheten (PPM, myndighet bedeutet “Behörde”) verwaltet und hier hat man die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Man kann sich auf der Webseite der PPM einloggen und selbst die Fonds auswählen, in denen das Geld angelegt werden soll. Es stehen über 750 Fonds von einer langen Liste mit Anbietern zur Auswahl, von Aktienfonds mit hohem Risiko bis zu sichereren Rentenfonds.
Jedes Jahr um diese Zeit werden die berühmten “orangefarbenen Kuverts” verschickt. Darin findet man einen Kontoauszug, auf dem steht wie viel man jeweils an Einkommens- und Prämienrente angesammelt hat und welche monatliche Pension man davon bekommen würde.
Soweit zur obligatorischen “allgemeinen Rente”. Neben dieser haben so gut wie alle Gewerkschaften ausgehandelt, dass Arbeitgeber darüber hinaus Geld für die Rente abführen. Diese Vertragsrente variiert also von Branche zu Branche und das Geld wird auch von jeweils eigenen Organisationen verwaltet. In meinem Fall, da ich an der Uni arbeite, ist es Statens pensionsverk (SPV), das sich um die tjänstepension für alle Staatsangestellten kümmert. Genauer gesagt gibt es das Geld an Firmen weiter, die man sich selbst aussuchen kann. Auf dem Wahlzettel, den man jährlich zugeschickt bekommt, stehen sowohl Firmen, die klassische Versicherungen mit garantierter Rendite anbieten, als auch wiederum Fondsverwalter. Würde ich zum Beispiel der SPV sagen, dass ich das Fondsystem meiner Bank als Verwalter will, dann würde das Geld in meinem Onlinebanking auftauchen und ich könnte es dort aufteilen und investieren, wie ich wollte.
Dann gibt es noch die private Pension. Das ist im Prinzip eine etwas andere Art des Sparens, man zahlt also selbst aktiv Geld ein. Die Steuervorteile bei den Renditen gegenüber anderen Sparformen erkauft man sich damit, dass das Geld verschwindet, wenn man zu früh stirbt. Es gibt zwar wie bei der Vertragspension (je nach eigener Wahl) einen Rückzahlungsschutz (återbetalningsskydd), der dafür sorgt dass das noch übrige Kapital an die Hinterbliebenen ausgezahlt wird, der aber gleichzeitig auch die Rente verringert.
Man hat in Schweden also einiges zu tun was die eigene Rente angeht und einen Djungel an Möglichkeiten, in dem man sich zumindest grob orientieren muss. Man könnte sagen, der Staat hat viel Verantwortung auf seine Bürger abgeschoben – zum Guten wie zum Schlechten. Denn natürlich kann man mit Glück und Geschick seine Rente kostenlos aufbessern, andererseits ist es natürlich auch hierzulande so, dass viele solche Entscheidungen aufschieben, die erst in einigen Jahrzehnten wirksam werden. Schickt man die Wahlformulare für die Prämien- und Vertragspension nicht ausgefüllt zurück, wird eine Standardwahl für einen getroffen.
Immerhin gibt es eine Webseite, die alle eigenen Rentenkonten sammelt und einem eine Übersicht bietet. Minpension.se ist eine Zusammenarbeit aller oben genannten Behörden und Firmen und nachdem man die Erlaubnis erteilt hat, holt Minpension.se die entsprechenden Informationen von den verschiedenen Aktören und stellt sie einem nett dar.
Was passiert, wenn man in Rente geht? Dann wird das Guthaben in den verschiedenen Rentenformen zusammengeworfen und durch die durchschnittliche verbleibende Lebenszeit (gut 18 Jahre, wenn man 65 ist) geteilt. Daraus errechnet sich die monatliche Zahlung, auch wenn man länger lebt als “vorgesehen”. Man kann seine Rente also stark aufbessern, wenn man länger arbeitet, denn es wird sowohl länger eingezahlt als auch dann durch einen kürzeren Zeitraum geteilt.
Die Garantierente greift ein, wenn man ansonsten zu wenig Rente bekommen würde. Für den vollen Betrag (z.Zt. etwa 7600 Kronen pro Monat) muss man 40 Jahre in Schweden gelebt haben, ansonsten wird anteilig gekürzt.
Aus obigen Ausführungen sollte klar geworden sein, dass das schwedische Rentensystem stark an die Entwicklung der Wirtschaft und der Finanz- und Börsenmärkte gekoppelt ist. Das bedeutet, dass mit den starken Verlusten in den letzten Monaten auch viel schwedisches Rentengeld “verschwunden” ist. Die Politik streitet sich gerade, was getan werden kann, damit die Auszahlungen an Rentner im kommenden Jahr nicht zu sehr sinken.
Nachtrag: Kaum habe ich das geschrieben, da kommt die Nachricht, dass die ersten Rentenzahlungen gekürzt werden.
Nachtrag, 2010-02-09: Was oben zu den Behörden steht stimmt nicht mehr.
Es ist Dienstag und Februar – was bedeutet das? Richtig, semlor!
Das Thema Alkohol hatten wir schon eine Weile nicht. Das Svenska Dagbladet kommentiert heute die letzte Statistik (PDF) des Zentrums für Alkohol- und Drogenforschung an der Uni Stockholm.
Ein paar Ergebnisse, jeweils aus dem dritten Quartal 2008 im Vergleich zum Vorjahr:
Es ist eigentlich offensichtlich, aber dann doch wieder nicht: Man kauft Reiseführer für Orte fern des Wohnortes, obwohl man viel mehr Nutzen von Ahnung von der eigenen Umgebung hätte. Ich kann jedem nur empfehlen, sich einen guten Reiseführer für die eigene Heimat zu holen. Ich habe zum Beispiel den Lonely Planet für Schweden (Deutschland auch) und abgesehen davon, dass unsere Gäste ihn fleißig lesen, lernt man selbst auch immer wieder etwas Neues, wenn man ihn aufschlägt. Als neu Zugezogener lese ich gerade das Kapitel über Stockholm, auch wenn ich in den letzten Jahren unzählige Male hier war und die Stadt bis hin zu den wichtigeren Straßennamen eigentlich recht gut kenne.
So habe ich gerade erfahren, dass ich in einem Nationalpark lebe, und zwar dem weltweit ersten innerhalb einer Stadt. Dieser erste “Nationalstadtpark” heißt Ekoparken (Webseite, Karte) und streckt sich vom Djurgården im Süden bis zu den Grünflächen um Ulriksdals slott im Norden. Die einzelnen Teile sind den Stockholmern jedoch eher bekannt als der Überbegriff “Ekoparken”.
Ich habe am Wochenende den Luxus ausgenutzt, jetzt so nah am Wasser zu
wohnen (Kreuz in der Karte), dass ich in fünf Minuten Fußweg Zugang zu
zwei Seen habe, auf denen jeweils lange Bahnen vom Schnee geräumt
werden, damit man eislaufen kann (rote Linien). Die nördliche Bucht ist
der Edsviken, südlich der Brunnsviken.
Beide waren gestern Teil des Krogrännet, einem Schlittschuhrennen für Freizeitsportler, das über gut 30 Kilometer von Vallentuna im Norden (weit außerhalb der Karte) bis zur Südspitze des Brunnsviken ging. Als die Gruppe mit den führenden Läufern an mir vorbeiflitzte, wurde sehr deutlich, wie weit ich es noch bis zum erfahrenen Eisläufer habe.
Weil heuer ein gutes Schlittschuhjahr mit stabilem Eis fast überall in der Gegend hier ist, wird in zwei Wochen auch das Vikingarännet stattfinden können, das über die 80 km von Uppsala nach Stockholm geht.
Das rot eingekreiste Gebäude auf der Karte ist übrigens das Gebäude, Alba Nova genannt, in dem die Stockholmer Astronomen hausieren und wo ich jetzt die meisten Tage verbringe. Ich glaube, ich werde morgen früh einmal die vier Kilometer anstatt per U-Bahn auf dem Eis zurücklegen.
Nachtrag 080203: Gesagt, getan. Wunderbarer sonniger Wintermorgen, mit -5 Grad auch nicht zu kalt.