Wort der Woche: Människan

Was man gleich zu Anfang beim Schwedischlernen mitbekommt, sind die beiden möglichen Pronomina den und det und dass diese nichts mit den männlichen (han) und weiblichen (hon) zu tun haben, die man ausschließlich für Menschen (und Haustiere) verwendet.

Die Standardfälle sind

Vad kostar gurkan? Den kostar tre kronor.
Var ligger huset? Det ligger runt hörnet.
Hur gammal är Sune? Han fyller 78.
Vad heter hans fru? Hon heter Kaisa.

Es gibt aber einige wenige Dinge, mit denen man das weibliche Pronomen verwendet. Das bekannteste Beispiel ist die Uhr

Vad är klockan? Hon är fem i tre.

Ebenso konsequent wird die weibliche Form benutzt, wenn man vom Menschen an sich redet. Man sieht das nur nicht so oft, weil solche Aussagen nicht so häufig sind.

Människan kan tänka, men hur fri är hon?

Wohlgemerkt gilt das nur für den Singular als allgemeinen Begriff und nicht, wenn man von “den Menschen” spricht oder einen bestimmten Menschen meint. Ferner gibt es die weibliche Form bei Booten, ganz ähnlich wie im Deutschen. Auf Sonne und Mond kann man sich auch mit hon beziehen, aber das ist eher veraltet. Ein Beispiel für eine “Sache”, die das männliche Pronomen nach sich zieht, ist mir nicht bekannt.

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Nichts passiert?

Es ist selten, dass in Schweden etwas Größeres passiert. Das ist natürlich gut so, denn dass die großen Tageszeitungen ihre Seiten mit irgendeiner Kriminalgeschichte füllen müssen, oder damit, dass das Jugendherbergsschiff in Stockholm wieder an seinem Platz liegt, ist ein gutes Indiz dafür, dass alles in allem die Dinge im Land ihren üblichen Weg gehen und funktionieren. Keine Nachrichten sind gute Nachrichten.

Aber selbst wenn man aufgeblasene Pseudonachrichten wie die, dass der schwedische Staatschef bei der Ankunft zum Staatsbesuch in China im T-Shirt über den roten Teppich lief, ignoriert, bleiben nicht selten ein paar Meldungen übrig, die an sich nicht übermäßig wichtig, aber im größeren Zusammenhang interessant sind. Zum Beispiel, dass als Folge der schwedischen Großzügigkeit bei der Aufnahme irakischer Flüchtlinge der Chef der Kommune Södertälje, bekannt als “little Baghdad”, vor dem amerikanischen Kongress spricht und die hiesige Situation erläutert.

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Schwedische Filme

Bevor wir in den Kommentaren da anfangen, uns mit Filmtiteln zu bewerfen, lasst uns das lieber hier tun. Jeder nennt ein paar schwedische Filme, die er gesehen hat, eventuell mit einem kurzen Kommentar dazu.

Ich fang an:

  • Fucking Åmål, von Lukas Moodysson.
  • Att angöra en brygga, billiger Slapstick, aber über die Schmerzgrenze hinaus übertrieben und daher wieder sehenswert.
  • Lilja 4-ever, auch von Moodysson, sehr bedrückend.
  • Dunderklumpen!, Kinderfilm, teilanimiert, schwer zu beschreiben, aber sehr schwedisch.
  • Sällskapsresan, mit Lasse Åberg als Stig-Helmer. Davon gab es eine ganze Serie mit Komödien.
  • Zozo.

  • Populärmusik från Vittula.

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Rückschlag

Ja ja, ich weiß. Es ist April und man muss da noch mit Schnee rechnen. Als ich vorhin nach dem Aufstehen aber die weiße Welt vor dem Fenster sah, war ein stilles “NEEEEIIIIIIIIIIIIIIIN!” die unweigerliche Reaktion.

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Sehenswert: Darling

Ich kann mich beileibe nicht als Kenner schwedischer Filme bezeichnen. Ich habe es nicht einmal geschafft, mir nach dem Tod von Bergman einige seine Werke anzusehen. Ein schwedischer Film vom letzten Jahr, den ich neulich gesehen habe, muss jedoch hier endlich lobend erwähnt werden. “Darling” heißt dieser Film und ist der erste Langfilm des Stockholmers Johan Kling.

Die beiden Hauptpersonen könnten unterschiedlicher nicht sein. Eva ist eine “Östermalmsbrud” wie aus dem Lehrbuch: eine verwöhnte Mittzwanzigerin aus dem Stockholmer Nobelviertel Östermalm, arrogant, gelangweilt, bösartig, gefühlskalt. Bernhard ist ein paar Jahre vor der Rente und so weich, nett und zuvorkommend, dass es wehtut. Er hat volles Verständnis dafür, dass seine Frau ihn für einen jüngeren Verlassen hat und dass seine Tochter so wenig wie möglich mit ihm zu tun haben will. Er ist auf Arbeitssuche und kann sich das Haus nach der Scheidung nicht mehr leisten, was er nervös jedem ohne Aufforderung erzählt.

Im Laufe des Films erlebt man – nicht ohne Genugtuung – den Abstieg von Eva, die ihre Arbeit verliert, weil sie lieber mit Freunden telefoniert anstatt ihrer Verkäufertätigkeit in einer Boutique nachzukommen. Ihr Freund verlässt sie nach einem Seitensprung und sie bekommt die Attitüde ihrer “Freunde” zu spüren, die – genau wie sie selbst bis eben – mit “Verlieren” lieber nichts zu tun haben wollen. Sie verschuldet sich, weil sie ihren teuren Lebensstil nicht aufgeben kann. Um Arbeitslosengeld bekommen zu können, heuert sie schließlich bei McDonalds an. Dort stößt sie auf Bernhard, der dort glücklich mit seiner festen Stelle ist, nachdem er zuvor seine Probeanstellung als Modemverkäufer nicht verlängert bekam, weil seine Yuppie-Chefs von Evas Schlag fanden, er passe mit seinem Alter nicht ins moderne Firmenprofil. Evas Einstellung zur Arbeit bei McDonalds könnte abfälliger nicht sein, Bernhard muss ihr helfen und das ungleiche Paar freundet sich miteinander an. Für eine Weile sieht man Menschlichkeit in Eva aufkommen.

Doch die Freundschaft hält nur kurz, denn Eva nutzt die erste Gelegenheit, wieder in die Kreise der High-Society zurückzukehren. Der Film endet bedrückend: Bernhard wohnt im Keller seiner Tochter, die ihn loswerden möchte; Eva ist in einer weiteren kalten Beziehung mit einem Ekel von Mann und wird Boutiquechefin, eine Zumutung für den Zuschauer, nachdem man sich zuvor in zahlreichen tragikomischen Szenen von Evas Unfähigkeit, selbst zurechtzukommen, überzeugt hat. Mit sehr einfachen Mitteln ist es Kling in Darling gelungen, bewegende, vielschichtige, doch unaufdringliche Gesellschaftskritik zu üben, die einen nicht kalt lässt. Man wird nachdenklich, welchen Menschen die Gesellschaft “Erfolg” beschert oder, umgekehrt, was Erfolg bzw. dessen Ausbleiben mit Menschen macht.

Darling lief letztes Jahr auf einigen deutschen Filmfestivals, auch auf der Berlinale. Ich bezweifle, dass der Film je ins Deutsche übersetzt werden wird und die hier in Schweden erhältliche DVD hat leider nur schwedische und norwegische Untertitel. Allen, die damit zurecht kommen, sei Darling aber hiermit ans Herz gelegt.

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Backyard Babies - Highlights

[Videolink](http://youtube.com/watch?v=aikWIQzeO2I), [mehr über die Hinterhofsäuglinge](http://de.wikipedia.org/wiki/Backyard_Babies)

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Gebrauchsanweisung für Schweden

Josie hat mich neulich darauf aufmerksam gemacht, dass es in der “Gebrauchsanweisung für …”-Serie des Piper-Verlags jetzt auch eine Gebrauchsanweisung für Schweden gibt und dass fiket.de darin am Ende in einer “Kleinen Auswahl zum Weiterlesen” erwähnt und für “informativ” befunden wird. Auf mein Nachfragen erfuhr ich von Antje Strubel, der Autorin, dass ihr während der Recherche das ein oder andere Detail auf Fiket geholfen hat und dass sie mich auch mit einer Frage zur Stadtentwicklung angeschrieben hatte. Das hatte ich vergessen, aber ein Blick in meine Outbox verrät, dass ich ihr nicht helfen konnte.

Über das Buch selbst kann ich nichts sagen, weil ich es nicht gelesen habe. Die Erwähnung von Fiket verspricht jedoch Qualität. ;)
Wenn mir jemand sein ausgelesenes Exemplar schicken möchte, findet man meine Adresse im Impressum. Ich werde hier dann auch meinen Senf dazu abgeben. Andere Leser können das natürlich schon jetzt in den Kommentaren tun.

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Våren närmar sig

Der Frühling
kommt

Auch hier gibt es mittlerweile Schneeglöckchen, Krokusse, die ersten Leberblümchen und die oben gezeigten, deren Namen ich gerade nicht kenne.

Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Seit jeher gibt es die Übersetzung der schwedischen Bildtitel, wenn man den Mauszeiger über das Bild hält.

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Wort der Woche: Pölsa

Wenn man nach typisch schwedischem Essen gefragt wird, nennt man in der Regel Dinge wie die kleinen Fleischbällchen (köttbullar), eingelegte Heringe in hundert Varianten (sill) oder gebeizten Lachs (gravlax). Ganz exotisch finden viele den surströmming.

Etwas, das den -verdorbenen- vergorenen Heringen in puncto “Das klingt nicht lecker!” den Rang streitig machen könnte, ist das schwedische Äquivalent zum schottischen haggis, genannt pölsa und nicht zu verwechseln mit pölse, was dänisch für “Wurst” ist. Es handelt sich bei pölsa um eine braune Masse aus Gerstenschrot, gehacktem Fleisch und Innereien, Zwiebeln und Gewürzen, die man im Sud des Kesselfleischs kocht. Pölsa steht also in der Tradition der Gerichte aus einer Zeit, in der alle Teile eines geschlachteten Tieres zu wertvoll waren, als dass man sie nicht gegessen hätte. Man kauft pölsa heute in Dosen oder im Plastikdarm; passende Zutaten sind Pellkartoffeln und rote Bete.

Im Gegensatz zu surströmming habe ich pölsa noch nicht probiert. Die Dose, die wir vor langer Zeit von einer lustig-ironischen Bekannten geschenkt bekommen haben, wanderte nach einigen Jahren Vergessenheit im Essensschrank dann doch in den Müll.

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