Ein kurzer Ausbruch aus der nass-kalten Tristesse.
Förgät ist offensichtlich mit dem deutschen “vergiss” verwandt, wird aber nur im Namen dieser Blume noch verwendet. Das moderne Wort für “vergessen” ist glömma.
Die schwedische Regierung gibt jedes Jahr ein Dokument (PDF) heraus, das die wichtigsten Änderungen an Gesetzen und Verordnungen zum Jahreswechsel beschreibt. Ich übersetzte im folgenden einmal das Inhaltsverzeichnis und kommentiere einzelne Punkte. Eine ähnliche Zusammenfassung sucht man auf der Seite der deutschen Regierung übrigens vergeblich.
Dass in den letzten Jahren einige Kritik laut wurde, dass mehr und mehr Mietwohnungen in Städten, vor allem in Stockholm, zu Eigentumswohungen (bostadsrätter) umgewandelt wurden, hielt ich für berechtigt. Geldscheffelei zugunsten der Wohlhabenden und die Verdrängung von Geringverdienern aus den zentraleren Vierteln waren die Argumente.
Jetzt da der Boom der Wohnungspreise vorbei ist, versucht man aber, es wieder gutzumachen. Zum Beispiel die kommunale Wohnungsfirma Stockholmshem. Mit den Verkäufen aus den letzten Jahren hat man ein paar Milliarden Kronen auf der hohen Kante, die man jetzt, wenn Wohnungen teils unverkäuflich sind, nutzt um aufzukaufen. DN berichtet von einem Neubaugebiet in Årsta, das vom Bauherren als Eigentumswohnungen gedacht war, jetzt aber noch vor Fertigstellung von Stockholmshem billig übernommen wird, um daraus Mietwohnungen zu machen.
Ich bin ja generell eher skeptisch, wenn marktwirtschaftliche Interessen zu sehr in die Politik hineinspielen, aber das finde ich zur Abwechslung einmal ein positives Beispiel. Es ist nicht nur schlau auf die offensichtliche Weise, in Zeiten hoher Preise zu verkaufen und in der Krise wieder zuzukaufen, sondern man wirkt gleichzeitig auch noch abschwächend auf die Konjunkturzyklen, indem man im Boom die hohe Nachfrage bedient und sie in der Krise selbst schafft.
Kupong ist zunächst einmal ein weiteres Beispiel dafür, wie in Schweden die Schreibweise von Lehnwörtern angepasst wird. Es kommt von “Coupon”. Was also ist ein “Reichs-Coupon”?
Es handelt sich dabei um ein Zahlungsmittel, das zahlreiche Arbeitgeber ihren Mitarbeitern als Zuwendung aushändigen. Der Witz ist, dass man damit nur Essen kaufen kann und zum Beispiel keinen Alkohol. Rikskuponger sind also zweckgebundenes Geld. Die Heftchen mit Zetteln unterschiedlichen Werts werden meines Wissens fast überall akzeptiert, wo man ein dagens lunch (“Tagesgericht”) bekommt.
Die Idee kommt aus Frankreich und ist seit den Siebzigern in Schweden populär. Der Staat hat diese Art der Subvention gefördert, weil es gut für die “Volksgesundheit” (folkhälsa) ist, wenn Leute ordentlich zu Mittag essen.
Mit diesen Karten bekam ich die letzten 6 Jahre Einlass in die Studentnationen. Die beiden für Herbst 2001 und Frühjahr 2002, als ich hier Austauschstudent war, habe ich wohl verloren.
Seit diesem Semester wurde die schlichte Einfarbigkeit ohne Werbung leider aufgegeben und man hat den Ausweis mit einer der kommerziellen Rabattkarten für Studenten vereinigt.
Was Karten und Satellitenaufnahmen im Internet angeht, geht man als Privatanwender in vielen Ländern zuerst zu Google. In Schweden haben es jedoch zwei Seiten geschafft, Google zuvorzukommen und sich in den Köpfen der Netzbesucher als erste Anlaufstelle für Kartendienste zu etablieren. Die Rede ist von eniro.se und hitta.se. Beide bieten Telefonbuch, Gelbe Seiten und eben Karten an, Adressuche und Wegbeschreibungen inklusive.
Eniro bietet neben Kartenansicht, Satellitenbild und der Überlagerung der beiden auch noch Luftaufnahmen aus geringer Höhe an, also Ansichen von schräg oben aus vier Richtungen (Beispiel).
Was ich erst diese Woche entdeckt habe ist gatubild von Hitta.se. Dabei handelt es sich um eine dreiste Kopie von Google Street View. Man ist also mit einem Auto, das eine Rundumkamera auf dem Dach hat, alle Straßen Stockholms abgefahren und hat die Daten dann zusammengefügt. Die Bedienung ist noch minimalistischer als die des Vorbilds. Man kann mit der Maus den Bildauschnitt drehen und sich auf den blauen Punkten vorwärts bewegen. Im unteren Teil sieht man am “Männchen”, wo man gerade steht und in welche Richtung man schaut. Das Männchen kann man einfach an andere Stellen ziehen. Zusätzlich gibt es Tastaturkürzel.
Im Labbet von hitta.se, das schon vom Namen wiederum an die Google Labs erinnert, findet man auch 3D-Modelle einiger schwedischer Städte.
Dass es in Schweden was Karten angeht gute Konkurrenz zu Google gibt, kommt nicht von ungefähr. Die Vermessungsbehörde Lantmäteriet stellt nämlich im Auftrag des Staates die geographischen Grunddaten bereit und bekanntermaßen ist in Schweden Offenheit, nicht Amtsgeheimnis der Regelfall.
Lucia ist in Schweden, was der Nikolaus in Deutschland. Na ja, zumindest haben beide Feste gemeinsam, dass eine Person mit kirchlichem Hintergrund der Anlass ist, dass es mit Kindern zu tun hat, dass ein paar Wochen vor Weihnachten gefeiert wird und dass das jeweils andere im eigenen Land weitgehend unbekannt ist.
Gestern war wieder einmal Lucia und man sah schon in den Tagen davor allerlei kerzentragende junge Menschen singend in den Straßen. Eine interessante Anekdote hat sich in diesem Zusammenhang in Motala am See Vättern zugetragen. Die Schüler wählten wie üblich, wer die diesjährige Lucia der Schule werden solle. Und die Wahl fiel auf einen Jungen. Die Rektorin (!) fand das jedoch nicht in Ordnung und bestimmte, dass die Lucia weiblich zu sein hat.
Und weil man sich in Schweden der Ungleichbehandlung der Geschlechter von klein auf bewusster ist als anderswo und weil aktiv versucht wird, die klassischen Geschlechterrollen aufzubrechen, schaffte es diese Geschichte in die landesweiten Medien. Die Facebook-Gruppe Lasst den Jungen Lucia werden! hat knapp zehntausend Mitglieder.
Ich habe die verschiedenen Stücke Software hinter Fiket.de auf den neuesten Stand gebracht und glaube, dass alles wieder funktioniert. Bis alle englischen Wörtchen, die sich hier und da eingeschlichen haben, wieder wegübersetzt sind, kann aber noch ein paar Tage dauern.
Fehlerberichte wie immer gern als Kommentar.
Morgen ist es wieder soweit: Todestag von Alfred Nobel und Verleihung der diesjährigen Nobelpreise im stockholmer Stadshuset. Leider kommen die Physik-Preisträger dieses Jahr nicht wie sonst üblich nach Uppsala, um ihre Vorlesungen praktische 30 Sekunden Fußweg von meinem Büro zu halten.