Wort der Woche: Tretydig

Dass Wörter im Schwedischen Doppelbedeutungen haben, ist keine Seltenheit. Ren kann das “Rentier” sein und als Adjektiv “sauber” bedeuten, hopp ist die “Hoffnung” aber auch der “Sprung”, eine våg kann eine “Welle” sein und eine “Waage”. Fil ist die “Spur” einer Straße, eine “Feile”, eine “Datei” im Computer und die Kurzform von filmjölk, dem joghurt- und buttermilchähnlichen Milchprodukt. Hier ließen sich unzählige weitere Beispiele finden.

Ein bekanntes Wortspiel ist: Får får får? Nej, får får lamm. Dabei wird ausgenutzt, das “Schaf” und die Präsensform von “bekommen” auf Schwedisch beide får lauten. Der Satz bedeutet also: “Bekommen Schafe Schafe? Nein, Schafe bekommen Lämmer.”

Dann gibt es auch einige wenige Wörter, die drei unterschiedliche Bedeutungen in drei verschiedenen Arten von Wörtern haben. Diese würde ich wirklich tretydig nennen, also “dreideutig”. Die Beispiele, die mir (mit viel Hilfe eines Muttersprachlers) einfielen, sind folgende:

  • bar
    • als Substantiv: die Bar
    • als Adjektiv: nackt, bloß, kahl
    • als Verbform: Imperfekt von bära, tragen.
    • Ein eigenes Wortspiel dazu: Barbaren bar bara bara Barbara ur baren. Der Barbar trug nur die nackte Barbara aus der Bar, siehe auch Rhabarberbarbara. ;)
  • skära
    • Substantiv: Sichel, auch die des Mondes.
    • Adjektiv: Pluralform von skär, auf Deutsch pink oder magenta.
    • Verb: schneiden
    • Skär anstatt skära funktioniert auch als Beispiel, dann ist es die Imperativform für das gleiche Verb und als Substantiv bezeichnet es eine Insel im “Schärengarten”:http://www.fiket.de/2006/06/04/wort-der-woche-skaerdard/.
  • lett
    • Verb: Partizipfrom von le, lächeln.
    • Substantiv: jemand aus Lettland.
    • Adjektiv: Neutrumform von le, was böse, gemein bedeutet.
  • vred
    • Verb: Vergangenheitsform von vrida, drehen.
    • Substantiv: ett vred ist der Türgriff, kann aber auch ein Teil eines Motors sein, das sich dreht.
    • Adjektiv: Wenn man vred ist, dann ist man böse auf etwas oder jemanden.
  • led
    • Adjektiv: veraltete Form von less, müde oder überdrüssig.
    • Substantiv: ein Gelenk oder Scharnier, aber auch ein Weg.
    • Verd: Vergangenheitsform von lida, leiden. Oder Imperativ von leda, führen.
    • Partikel: so
    • Verb: säen
    • Substantiv: die Tränke für Vieh.
  • kalla
    • Adjektiv: Plural von kall, kalt.
    • Verb: rufen, nennen
    • Substantiv: ein Pflanzenname, zu Deutsch “Drachenwurz”.
  • breda
    • Adjektiv: Pluralform von bred, breit.
    • Verb: (aus)breiten
    • Substantiv: ein Brett, aber nur wenn man breda mit dem Dialekt aus Norrland ausspricht. Dann klingt es nämlich wie bräda, “Brett”.
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Sommerloch

Es ist Sommer in Schweden. Das sagt zwar nicht unbedingt etwas über das Wetter aus, aber über die Mentalität der Leute. Im Juli passiert in Schweden nicht viel. Die meisten haben Urlaub, um den kurzen Sommer auszunutzen. Geschäfte und Firmen schließen, sogar einige Restaurants. In den Städten ersetzen Touristen die Einheimischen (s.u.), die stattdessen irgendwo auf dem Land sind.

Trotzdem wollen Zeitungen gefüllt werden und so blättert man sich allmorgendlich durch typische Sommerlochmeldungen wie die, dass ein Pilz die Eschen auf Gotland bedroht oder dass bei einem “Spreng-Attentat” zwei Bretter der Veranda eines Kommunalpolitikers zerbrochen wurden.

Ein paar Dinge sind vielleicht trotzdem erwähnenswert:

  • Christer Fuglesang, der bisher einzige schwedische Astronaut darf nach seinem einzigen Flug vor anderthalb Jahren nun doch noch einmal mit dem Space Shuttle der USA zur ISS fliegen, und zwar Juli 2009. Nur kurz nach dieser Meldung meldete er sich prominent in DN zu Wort und forderte mehr schwedisches Engagement im Weltraum.
  • Das umstrittene Abhörgesetz hält sich hartnäckig in den Debatt-Seiten und sechs Frauen aus der liberalen Folkparti wollen gegen die Regierung, an der sie beteiligt sind, meutern und eine zukünftige Motion der Opposition für Änderungen am Gesetz unterstützen. Eine Klausel, dass nur bei Verdacht abgehört werden darf, ist im Gespräch, würde die massenhafte Überwachung Unschuldiger verhindern und die Behörde FRA praktisch arbeitslos machen. Was jedoch genau in dieser Richtung passieren wird, ist noch unklar.
  • Im größten Freizeitpark des Nordens, Liseberg bei Göteborg, ist letzte Woche ein Fahrgeschäft havariert und es gab ein paar Verletzte.

  • Der Tourismusboom hält weiter an und jedes Jahr ist ein neues Rekordjahr. Im Mai kamen ganze 17 Prozent mehr Leute nach Stockholm als letztes Jahr. Allerdings ist mein persönlicher Eindruck, dass unser kostenloses Gästezimmer (siehe auch hier) bisher etwas weniger nachgefragt ist.

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Fiket und seine Leser

Fabian R. hat soeben den 2000. Kommentar auf Fiket.de abgegeben. Seit März 2006 gibt es dieses Blog und ich habe bisher 1264 Beiträge veröffentlicht, davon 96 Mal das “”Wort der Woche”. 111 Artikel warten darauf, dass ich sie zu Ende schreibe.

Wieviele Leser Fiket hat, kann ich nicht genau sagen, weil ich die IP-Adressen der Besucher nicht speichere (warum?). Es sind aber etwa 90 Leute, die den RSS-Feed über internetbasierte Dienste wie den Google-Reader oder Bloglines abonniert haben. Dazu kommen die RSS-Leser mit lokalen Leseprogrammen und konservativ geschätzte 200 “echte” Besucher pro Tag.

Die Kommentare der werten Leser tragen nicht unerheblich dazu bei, dass es weiterhin viel Spass macht, dieses Blog zu schreiben. Außer den “üblichen Verdächtigen” unter den Kommentatoren zu danken, möchte ich hiermit auch einmal die stillen Leser auffordern, sich zu melden. Wie lange lest ihr schon mit? Wie seid ihr auf mein Blog gestoßen? Was findet ihr gut an Fiket? Was nicht? Liest irgendjemand die älteren Artikel im Archiv, nachdem man hierher gefunden hat?

Zum kommentieren hier entlang. Ich bin gespannt…

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Weniger Deutsche in Småland

Es ist auch unter Schweden Binsenweisheit und Klischee, dass sich unten in Småland die Deutschen in ihren rot-weißen Holzhäusern tummeln. Anscheinend stimmt das aber nicht mehr:

"Das Ganze begann einst mit den Menschen, die wir die ’grünen Deutschen’ nannten. Sie wollten tief im Wald in nahezu verfallenen Häusern wohnen. Heute kommen ihre Kinder hierher, aber keinesfalls in solchen Scharen, wie dies früher der Fall war".

Als Urlaubsziel ist Schweden aber immer noch sehr beliebt. Der Tourismus wächst jedes Jahr und Deutsche haben ihren nicht geringen Anteil daran. Vielleicht zieht es junge Menschen heutzutage eher in die Städte als aufs Land. Hier und in Stockholm hört man zumindest alle Nase lang deutsche Satzfetzen, wenn man mit offenen Ohren durch die Innenstädte geht.

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Tornseglare

Mauersegler

Mauersegler sind coole Tiere. Wer wissen will warum, lese den verlinkten Wikipedia-Artikel. Wegen ihrer Geschwindigkeit und Flugakrobatik habe ich dutzende Anläufe gebraucht, ein halbwegs brauchbares Foto zu bekommen.

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Klage beim Europäischen Gerichtshof

Jetzt ist sie da, die Klage gegen das FRA-Gesetz beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Kläger ist die Ideenschmiede Centrum för Rättvisa (rättvisa=Gerechtigkeit). In der Klageschrift (PDF) ist auch eine englische Zusammenfassung zu lesen.

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Sommerwetter

Ein Julitag, der mit strahlend blauem Himmel anfängt.

Auch nach 6 Jahren in Schweden und obwohl ich es besser weiß, ist meine instinktive Erwartungshaltung immer noch, dass es dann automatisch heiß wird. Natürlich ist das in den meisten Fällen falsch. Anstatt brütender Hitze, Schwüle am Nachmittag und einem Abendgewitter kommt es hier nur knapp über die 20 Grad und aufziehende Wolken lassen es richtig kühl werden. Abends lange draußen sitzen geht nur selten.

Meistens finde ich das in Ordnung, denn selbst wenn ich Hitze vertragen kann, vermisse ich sie in der Regel nicht und mag die temperierten (lagom) schwedischen Sommer. So ein fetziges Sommergewitter kann einem aber auch fehlen.

Andererseits fällt hier immer gleich der Strom aus, wenn es blitzt – sogar in noblen und prestigeträchtigen Forschungszentren. Erst neulich wieder.

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The Ackermans - Come On, Come On

[Videolink](http://www.youtube.com/watch?v=UeYdvnLuxnc) – [Band-Webseite](http://www.the-ackermans.com/) – indirekt via [Swedesplease](http://www.swedesplease.net/2008/07/11/swedish-music-video-.roundup-action-biker-assid-the-ackermans-syket/).

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Peinlich, DN

Heute morgen in der Papierausgabe zu diesem Artikel noch das Bild mit den vier iranischen Raketen abzudrucken, das gestern schon überall als Fälschung herumgereicht wurde, finde ich schon peinlich für Schwedens größte seriöse Tageszeitung Dagens Nyheter.

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Wort der Woche: Paj

Das Wort paj ist eines der zahlreichen Lehnworte, deren Schreibweise eingeschwedischt wurde – es kommt vom englischen pie. Weitere Beispiele für solche Wörter findet man hier. Paj hat keine direkte deutsche Entsprechung; je nach Art und Zutaten würde man “Pastete”, “Auflauf” oder “Kuchen” sagen.

Eine paj kann nämlich sowohl herzhaft als auch süß mit Früchten sein. Gemeinsam ist ihnen lediglich, dass sie als Boden oder Decke den gleichen Teig haben, pajdeg, und dass sie in der Regel in einer Auflaufform in den Ofen kommen. Der Teig ist simpel und besteht aus Mehl, Butter, Wasser (in ungefähren Gewichtsverhältnissen 10:15:2) und ein wenig Salz. Variationen dieses Grundrezepts sind gängig.

Mit dem Teig legt man Boden und Rand der Form aus und befüllt das Ganze womit man Lust hat. Zum Beispiel Schinkenwürfel und geriebener Käse, die man mit einer Soße aus Milch, Eiern und Gewürzen übergießt und die beim Backen fest wird. Schon hat man eine ost- och skinkpaj. Wenn man nicht will, dass der Teig sich vollsaugt, kann man ihn alleine in der Form zehn Minuten vorbacken.

RabarberpajDie Früchtevariante der paj ist eine bevorzugte Art der Schweden, Beeren zu essen (außer Erdbeeren, die isst man roh). Man kann hierbei den Teig unter den Beeren weglassen: einfach die Beeren (auch tiefgefroren) in die Form und den pajdeg darüber streuseln. Damit das besser geht, macht man diesen mit Haferflocken und nur ein bisschen Mehl. Das Bild zeigt die Reste einer solchen smulpaj mit Rhabarber, die mich vorhin auf die Idee zu diesem Artikel gebracht hat. Mit Heidelbeeren ist das auch sehr zu empfehlen. Man isst sie mit Sahne oder Vanilleeis oder -soße.

Und dann hat paj noch eine ganz andere Bedeutung, und zwar als Adjektiv, das für “kaputt” steht. Das Verb dazu ist paja und bedeutet dementsprechend “kaputt gehen”. Woher diese beiden sich ableiten, weiß ich nicht, aber ich vermute fast, dass obige paj damit zu tun hat. Umgangssprachliche Essensmetaphern sind nicht selten (det blev bara pannkaka; vilken röra/soppa).

Aus irgendwelchen Gründen kann man zu einer “Lederjacke” auch skinnpaj oder läderpaj sagen.

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