Wort der Woche: mobilt bredband

In Schweden ist das Mobilfunknetz UMTS, hierzulande 3G genannt, gut ausgebaut – zumindest da wo sich in der Regel Menschen aufhalten. Letztes Jahr ist der Anbieter 3 vorgeprescht und hat eine billige Daten-Flatrate zusammen mit einem USB-Modem angeboten. Keine unnützen Datendienste fürs Handy, sondern schlichtes “mobiles Breitbandinternet”, schwedisch mobilt bredband.

Die anderen Anbieter zogen nach und die Angebote wurden sehr populär – ich war selbst schon mehrmals versucht, bis ich einsah, dass ich nicht so oft innerhalb Schwedens unterwegs bin. Mittlerweile surfen eine Million Schweden mit ihren Laptops über 3G. Das sind beachtliche 11% der Bevölkerung und die Betreiber freuen sich über die letzte Nische mit starkem Wachstum. Handyverträge und Breitband-Internet zu Hause hat schon jeder.

Der Preiskampf der Anbieter ließ die Schweden nach letztem Sommer bis Jahresende umsonst Surfen und sorgt dafür, dass man ab 100 Kronen (zehn Euro fünfzig) pro Monat mit 380 kBit/s in beide Richtungen ans Netz kommt. Für mehr Geld kann man den Download auf bis zu 24 MBit/s und den Upload auf 1.4 MBit/s anheben. Die Verträge erscheinen mir simpler als der Dschungel in Deutschland und es gibt auch Pre-Paid Karten für Volumen oder Zeit. Lächerliche Einschränkungen wie die, dass man trotz Datenflatrate nicht übers Internet telefonieren kann, weil der Betreiber lieber seine eigenen Gesprächskosten verrechnet, gibt es nicht.

Genauso wie der Trend weg vom einen Telefon pro Haushalt hin zum Telefon pro Person (auch Handy genannt) geht, hoffen die Anbieter weiter auf gute Geschäfte mit mobilt bredband und der Tendenz weg vom Internetanschluss zu Hause hin zum mobilen Anschluss pro Laptop und damit wieder pro Person.

Nachtrag: hier.

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En svensk tiger

Ein schwedischer
Tiger
Aufgenommen im Bärenpark Orsa Grönklitt. Warum “schwedische Tiger” lustig sind, steht hier.

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Anderes Geschlecht, anderer Wert

Anzeige der
Grünen Vor ein paar Tagen habe ich nebenstehende schlaue Anzeige der schwedischen Grünen in der Zeitung gesehen und abfotografiert. Sie zeigt die schwedischen Geldscheine, sortiert nach Wert. Die Pointe ist, dass die beiden Frauen “weniger wert” sind und dass das nicht nur in diesem übertragenen Sinn gilt.

Die Bildunterschrift lautet übersetzt:

Anderes Geschlecht, anderer Wert. Frauen verdienen immer noch deutlich weniger als Männer, obwohl sie die gleiche Arbeit tun. Findet irgendwer wirklich, dass das so sein soll? Wir glauben nicht. Die Grünen haben eine deutliche Politik, das zu ändern. Lies mehr auf unserer Webseite www.mp.se – Die Umweltpartei die Grünen.

Dieses Thema hatten wir schon, aber ich finde es immer wieder bemerkenswert, dass es hier in Schweden, wo der Lohnunterschied geringer ist als in den meisten anderen Ländern, viel präsenter ist als zum Beispiel in Deutschland. Ich wüsste jedenfalls nicht, dass eine der deutschen Parteien damit auf Stimmen- und Mitgliederfang geht.

Die Scheine des Euro haben keine Menschen mehr abgebildet, schaut man sich aber die der alten D-Mark an, dann fällt auf, dass bewusst Mann und Frau abwechselnd gewählt wurden. Bei der alten Serie (bis 1989) waren nur auf dem 5- und 20-Mark-Schein Frauen zu sehen.

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Vapnet - Inga fåglar

[Videolink](http://www.youtube.com/watch?v=N0BZ7RC8oX0), [Band-Blog](http://www.vapnet.blogspot.com/), [via Swedesplease](http://www.swedesplease.net/2008/07/25/swedish-music-video-roundup/)

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Sonnenstand

Gestern Nacht habe ich zum ersten Mal bewusst wieder Sterne am Nachthimmel wahrgenommen. In den Wochen um Mittsommer ist es dafür zu hell, auch wenn Uppsala nicht so weit nördlich liegt, dass die Sonne gar nicht untergeht. Zur Zeit gewinnt die Nacht hier fünf Minuten an Länge jeden Tag. Über die Dunkel- und Helligkeit habe ich vor längerem ausführlicher geschreiben.

Morgen Vormittag um etwa halb Zwölf kann man in Schweden eine teilweise Sonnenfinsternis beobachten, das heißt der Mond wird einen Teil der Sonne verdecken. Die Details zur Uhrzeit und dem Aussehen an unterschiedlichen Orten kann man sich hier anzeigen lassen. Um in den Kernschatten des Mondes zu kommen und eine “totale Sonnenfinsternis” zu erleben, müsste man nach Spitzbergen, Sibirien oder China reisen. Die einzige solche, die ich gesehen habe, war vor einigen Jahren in Süddeutschland.

Wenn das schöne Wetter anhält und ich die Papierbrille mit der passenden Folie wiederfinde, werde ich morgen den Blick nach oben richten. Allen, die gerade auch in Schweden sind, rate ich auch dazu, aber nur mit Sichtschutz, denn der unbedeckte Teil der Sonne ist immer noch zu hell fürs bloße Auge.

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Idylljävel

Zurück von einer knappen Woche in Dalarna. Tolles Wetter. Radtouren. Viele rote Häuser. Baden im flachsten See, der mir je unterkam. Unglaublich auch, dass es tatsächlich ganze Wegstrecken und Orte gibt, die völlig dem Klischee-Schweden entsprechen. Bis ich die 650 Bilder auf etwa 200 aussortiert habe, dürfte ein wenig dauern, aber dann werden die besseren natürlich hier auftauchen.

Das Wetter soll die ganze Woche noch schön bleiben mit etwa 25 Grad. Eine oder zwei solche Wochen sind wichtig für die schwedische Volksseele; der Sommer letztes Jahr ließ sie vermissen. Das Wetter ist in Schweden immer wieder Schlagzeilen wert und ein Wort wie “Rekordsommer” ist hier fast ausschließlich positiv behaftet. Aus Deutschland höre ich gerade vor allem Gestöhne über die Hitze.

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Blogpause

Wie angekündigt breche ich für ein paar Tage nach Dalarna auf. Und zwar morgen früh. Das heißt, dass hier bis wahrscheinlich Montag Ruhe herrschen wird.

Schönen Sommer!

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Wort der Woche: Tretydig

Dass Wörter im Schwedischen Doppelbedeutungen haben, ist keine Seltenheit. Ren kann das “Rentier” sein und als Adjektiv “sauber” bedeuten, hopp ist die “Hoffnung” aber auch der “Sprung”, eine våg kann eine “Welle” sein und eine “Waage”. Fil ist die “Spur” einer Straße, eine “Feile”, eine “Datei” im Computer und die Kurzform von filmjölk, dem joghurt- und buttermilchähnlichen Milchprodukt. Hier ließen sich unzählige weitere Beispiele finden.

Ein bekanntes Wortspiel ist: Får får får? Nej, får får lamm. Dabei wird ausgenutzt, das “Schaf” und die Präsensform von “bekommen” auf Schwedisch beide får lauten. Der Satz bedeutet also: “Bekommen Schafe Schafe? Nein, Schafe bekommen Lämmer.”

Dann gibt es auch einige wenige Wörter, die drei unterschiedliche Bedeutungen in drei verschiedenen Arten von Wörtern haben. Diese würde ich wirklich tretydig nennen, also “dreideutig”. Die Beispiele, die mir (mit viel Hilfe eines Muttersprachlers) einfielen, sind folgende:

  • bar
    • als Substantiv: die Bar
    • als Adjektiv: nackt, bloß, kahl
    • als Verbform: Imperfekt von bära, tragen.
    • Ein eigenes Wortspiel dazu: Barbaren bar bara bara Barbara ur baren. Der Barbar trug nur die nackte Barbara aus der Bar, siehe auch Rhabarberbarbara. ;)
  • skära
    • Substantiv: Sichel, auch die des Mondes.
    • Adjektiv: Pluralform von skär, auf Deutsch pink oder magenta.
    • Verb: schneiden
    • Skär anstatt skära funktioniert auch als Beispiel, dann ist es die Imperativform für das gleiche Verb und als Substantiv bezeichnet es eine Insel im “Schärengarten”:http://www.fiket.de/2006/06/04/wort-der-woche-skaerdard/.
  • lett
    • Verb: Partizipfrom von le, lächeln.
    • Substantiv: jemand aus Lettland.
    • Adjektiv: Neutrumform von le, was böse, gemein bedeutet.
  • vred
    • Verb: Vergangenheitsform von vrida, drehen.
    • Substantiv: ett vred ist der Türgriff, kann aber auch ein Teil eines Motors sein, das sich dreht.
    • Adjektiv: Wenn man vred ist, dann ist man böse auf etwas oder jemanden.
  • led
    • Adjektiv: veraltete Form von less, müde oder überdrüssig.
    • Substantiv: ein Gelenk oder Scharnier, aber auch ein Weg.
    • Verd: Vergangenheitsform von lida, leiden. Oder Imperativ von leda, führen.
    • Partikel: so
    • Verb: säen
    • Substantiv: die Tränke für Vieh.
  • kalla
    • Adjektiv: Plural von kall, kalt.
    • Verb: rufen, nennen
    • Substantiv: ein Pflanzenname, zu Deutsch “Drachenwurz”.
  • breda
    • Adjektiv: Pluralform von bred, breit.
    • Verb: (aus)breiten
    • Substantiv: ein Brett, aber nur wenn man breda mit dem Dialekt aus Norrland ausspricht. Dann klingt es nämlich wie bräda, “Brett”.
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Sommerloch

Es ist Sommer in Schweden. Das sagt zwar nicht unbedingt etwas über das Wetter aus, aber über die Mentalität der Leute. Im Juli passiert in Schweden nicht viel. Die meisten haben Urlaub, um den kurzen Sommer auszunutzen. Geschäfte und Firmen schließen, sogar einige Restaurants. In den Städten ersetzen Touristen die Einheimischen (s.u.), die stattdessen irgendwo auf dem Land sind.

Trotzdem wollen Zeitungen gefüllt werden und so blättert man sich allmorgendlich durch typische Sommerlochmeldungen wie die, dass ein Pilz die Eschen auf Gotland bedroht oder dass bei einem “Spreng-Attentat” zwei Bretter der Veranda eines Kommunalpolitikers zerbrochen wurden.

Ein paar Dinge sind vielleicht trotzdem erwähnenswert:

  • Christer Fuglesang, der bisher einzige schwedische Astronaut darf nach seinem einzigen Flug vor anderthalb Jahren nun doch noch einmal mit dem Space Shuttle der USA zur ISS fliegen, und zwar Juli 2009. Nur kurz nach dieser Meldung meldete er sich prominent in DN zu Wort und forderte mehr schwedisches Engagement im Weltraum.
  • Das umstrittene Abhörgesetz hält sich hartnäckig in den Debatt-Seiten und sechs Frauen aus der liberalen Folkparti wollen gegen die Regierung, an der sie beteiligt sind, meutern und eine zukünftige Motion der Opposition für Änderungen am Gesetz unterstützen. Eine Klausel, dass nur bei Verdacht abgehört werden darf, ist im Gespräch, würde die massenhafte Überwachung Unschuldiger verhindern und die Behörde FRA praktisch arbeitslos machen. Was jedoch genau in dieser Richtung passieren wird, ist noch unklar.
  • Im größten Freizeitpark des Nordens, Liseberg bei Göteborg, ist letzte Woche ein Fahrgeschäft havariert und es gab ein paar Verletzte.

  • Der Tourismusboom hält weiter an und jedes Jahr ist ein neues Rekordjahr. Im Mai kamen ganze 17 Prozent mehr Leute nach Stockholm als letztes Jahr. Allerdings ist mein persönlicher Eindruck, dass unser kostenloses Gästezimmer (siehe auch hier) bisher etwas weniger nachgefragt ist.

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