Staatliche Imamausbildung

Weil ich Religionen jeglicher Art skeptisch skeptisch betrachte, fand ich die Meldung, dass der schwedische Hochschulminister Lars Leijonborg Beitragsgelder für die Ausbildung von Imamen bereitstellen will, natürlich skandalös. Aus dem Gebot, alle Religionen gleich zu behandeln, würde ich stattdessen ableiten, dass man den Priestern und Pastoren das Ausbildungsgeld streichen sollte.

Andererseits. Wir werden uns noch ein paar Jahre lang mit Religionen abfinden müssen und auf die Frage, vom wem ich meine jungen Mitmenschen lieber beeinflusst hätte, von einem frisch importierten Wahhabiten oder einem in Schweden ausgebildeten und integrierten Muslim, der die Vorzüge einer offenen Gesellschaft zu schätzen gelernt hat, muss ich zähneknirschend zugeben, dass letzteres. Der Radikalisierung des Islam entgegenzuwirken, ist offizielles Ziel der Gründung der schwedischen Imamschule.

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Radio Schweden nur noch im Internet

Radio Schweden, die deutschsprachige Sendung des SR, die es seit fast 70 Jahren gibt, wird eingestellt – allerdings nur im “klassischen” Radio, sprich Kurz- und Mittelwelle. Die Nachrichten in Text- und Podcastform werden weiterhin auf radioschweden.net erscheinen.

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Petter feat. Säkert! - Logiskt

[Videolink](http://youtube.com/watch?v=CGw9AMXhUrU), mehr über [Petter](http://de.wikipedia.org/wiki/Petter_Askergren).

Hip-Hop ist ja eigentlich nicht mein Fall, aber mit gutem Text und einer Prise Annika Norlin alias Säkert! kann man das schon hören.

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Dänemark sperrt die Pirate Bay

Ein dänisches Gericht hat Internetanbieter dazu verurteilt, den Zugang zur schwedischen Dateitauschseite The Pirate Bay zu unterbinden. Vor längerem wurde schon die (nicht mehr existierende) russische Seite AllOfMp3 auf die gleiche Art in Dänemark “abgeschaltet”.

Die Argumente, warum das schlecht ist, sind zahlreich:

  • Die Pirate Bay ist vorrangig eine Suchmaschine ähnlich Google und bietet selbst keine illegalen Inhalte an.
  • Selbst wenn man dort urheberrechtlich geschütztes Material findet, sperrt man alle legalen Angebote mit aus. Es gibt zum Beispiel mittlerweile zahlreiche Bands, die die Pirate Bay als Vertriebskanal benutzen.
  • Die Blockade lässt sich technisch leicht umgehen, schränkt aber trotzdem die Auswahl des unbedarften Internetnutzers ein.
  • Die Zensur des Internets passt nicht zu einem freiheitlichen Staat, sondern ist charakteristisch für repressive Regime wie China oder Nordkorea. Und den Wünschen eines Interessenverbandes zu genügen, ist kein ausreichender Grund dafür.

    Mehr dazu auch [bei der Piratenpartei](http://www.piratpartiet.se/nyheter/pressmeddelande_danmark_censurerar_internet_blockerar_the_pirate_bay).
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Wort der Woche: Komvux

Komvux steht für kommunal vuxenutbildning, zu Deutsch “kommunale Ausbildung für Erwachsene”.

Dabei handelt es sich, wie der Name vermuten lässt, um ein System von Schulen auf Kommunalniveau, die sich an Erwachsene richten, die entweder den Grundschul- oder Gymnasiumsabschluss nachholen oder sich weiterbilden wollen. Nun muss man zum schwedischen Schulsystem wissen, dass an die neunjährige Grundschule, für die die Schulpflicht gilt, ein dreijähriges Gymnasium anschließt, das zwar im Prinzip freiwillig ist, aber von so gut wie jedem besucht wird. Da es “Sitzenbleiben” in Schweden nicht gibt, kommt es durchaus vor, dass Schüler ihr “Abitur” insofern nicht bestehen, dass nicht genug Kurse während der drei Jahre erfolgreich abgeschlossen wurden. Dann darf derjenige zwar nicht studieren, hat aber natürlich immer noch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, als wenn er gar nicht aufs Gymnasium gegangen wäre.

Komvux bietet diesen Leuten dann eine “zweite Chance”, die Schulbank zu drücken und Versäumtes nachzuholen. Im Unterschied zum deutschen Zweiten Bildungsweg ist man hier aber so flexibel, dass Leute zum Beispiel einzelne Fächer, die zum Abitur fehlten, nachholen oder sogar die Noten von eigentlich bestandenen Kursen aufbessern können. Das mag für deutsche Ohren seltsam klingen, aber ich sehe nichts grundlegend Falsches darin, mit zusätzlicher Arbeit seine Abiturnote nachträglich anheben zu können.

200.000 Schweden gingen letztes Jahr zu komvux. Das sind 10% weniger als im Vorjahr, denn die konservative Regierung hat den Kommunen das Geld gekürzt und damit sinkt die Anzahl der verfügbaren Plätze bei komvux. Kritiker sehen darin eine kurzfristige Politik, denn auch wenn wie jetzt in Zeiten einer Hochkonjunktur die meisten Arbeit finden, wäre es unglücklich, wenn sich das hohe Ausbildungsniveau der Schweden, gerade auch der nichtakademischen, langfristig verschlechtern würde.

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Borålefeld

Heute erst erfahren: Borås ist das schwedische Bielefeld.

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Blick in die Zeitung

Eine kleine Auswahl dessen, was in der heutigen Ausgabe des Svenska Dagbladet steht:

  • Schlagzeile auf der Titelseite: Der Preisverfall bei Wohnungen trifft die Makler hart. Dass die teilweise horrenden Preise nicht immer weiter wachsen würden, war abzusehen und jetzt scheint es zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Angebot größer als die Nachfrage zu geben. Die Makler sind aber nicht die ersten Verlierer, die mir einfallen würden. Ich kann mir denken, dass viele Privatpersonen aufschreien werden, wenn sie ihr mit geliehenem Geld teuer gekauftes Wohnrecht bald nur mit Verlusten wieder loswerden.
  • Die Syndikalisten, eine extrem linke “freie Gewerkschaft”, blockiert ungerechtfertigterweise ein Lokal in der Stockholmer Altstadt und will Geld erpressen, weil der Besitzer angeblich Lohn schwarz bezahlt haben soll.
  • Das ewige Thema Alkohol. Die neuen Zahlen für 2007 wurden bekannt. Gesamtverbrauch bleibt zum Vorjahr gleich bei 9.8 Liter pro Kopf und Jahr. Das ist weniger als im Rekordjahr 2004, aber immer noch mehr als in den 90ern als der Wert um 8l lag (siehe Grafik im Artikel). Es wird weniger geschmuggelt, weniger selbst gebrannt und weniger privat aus den Nachbarländern importiert. Man kauft wieder mehr beim staatlichen Systembolaget, aber immer weniger starke Alkoholika, sondern mehr Wein.
  • In Stockholm gibt es immer mehr Wohnungen für junge Leute, auf die sich also nur Leute eines bestimmten Alters bewerben können. Nette Idee, vor allem weil junge Leute in den Warteschlangen für Mietwohnungen sonst benachteiligt sind.
  • Die Auslandsnachrichten werden von den Vorwahlen in den USA, dem Schneetreiben in China (inklusive [Klischeebild](http://www.svd.se/nyheter/utrikes/kina/artikel_822489.svd)) und der Staatskrise in Italien dominiert. Nachdem man den Sport, die Todesanzeigen, Leserbriefe und das Wetter überblättert hat, ist man am Ende des Hauptteils des SvD. Auf die Teile *Kultur* und *Wirtschaft* habe ich heute keine Lust.
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Erderwärmung?

Im November hatten wir Schnee für ein paar Wochen. Seitdem nichts. Der ganze Dezember und Januar waren schneefrei bis auf wenige Tage, die jeweils gleich wieder von regnerischem Grau abgelöst wurden. Das ist einigermaßen ungewöhnlich, auch wenn Uppsala nicht für große Schneemengen bekannt ist. Letztes Jahr gab es zum Beispiel zwischen Neujahr und Anfang März kein Tauwetter, sondern geschlossene Schneedecke und Kälte.

Heute schneit es zwar und sind schon fast zehn Zentimeter zusammengekommen, aber laut Wetterbericht wird sich auch das nicht lange halten. Immerhin ließ mich das Schneegestöber heute morgen den Bus dem Fahrrad vorziehen. Dieser blieb dann prompt an einem Hügel hängen und es kam die wohl üblichste Winterstimmung unter Schweden auf: Winter ist lästig, unpraktisch und man will ihn loswerden.

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Tom

Leer

So leer kann eine Wohnung aussehen, nachdem man neuen Fußboden verlegt bekommen hat.

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