Versicherung für Filesharer

Musik und Filme über das Internet zu tauschen, ist nach wie vor sehr populär in Schweden, aber seit letztem Jahr auch hier illegal. Aktivisten protestieren öffentlich gegen diese Regelung und es hat sich sogar eine politische Partei zu diesem Thema gebildet, die das Urheberrecht so anpassen will, dass Filesharing legal wird.

Nichtsdestotrotz hat es schon eine wenige Verurteilungen wegen Anbietens von geschütztem Material gegeben und es besteht die prinzipielle Gefahr, in die Schusslinie der “Piratenjäger” zu kommen. Doch jetzt gibt es Abhilfe: Eine Versicherung gegen alle Arten von Bußgeldern, die sich eventuell aus dem Dateientausch ergeben. Für 15 EUR pro Jahr und nur innerhalb Schwedens.

Das ist zuallererst einmal eine witzige Idee, ich weiß aber nicht, wie ernst und seriös dieses Angebot ist – die einzige Kontaktmöglichkeit ist eine Email-Adresse und Information darüber, wer dahinter steht, findet sich nicht. Rechnerisch könnte das Konzept allerdings aufgehen, weil die Zahl der verhängten Bußgelder sehr gering ist und man als Dateitauscher in Schweden noch recht sicher lebt.

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Regnbåge

Regenbogen über weitem
Feld

Traditionell regnet es an Mittsommer mindestens einmal kurz. Als Gegenleistung bekommt man Gelegenheit, kitschige Bilder wie dieses zu machen. :-)

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Schwedische Hausfrauen

Das schwedische Radio (S) bringt auch deutsche Nachrichten und meist handelt es sich dabei um Dinge, die kurz davor auf Schwedisch veröffentlicht wurden. So auch der Artikel (S) über die unzureichende Kennzeichnung von Lebensmitteln.

Die deutsche Redaktion des SR schreibt dazu:

Schwedische Hausfrauen wollen besser über die Herkunft der eingekauften Lebensmittel informiert werden.

Ich weiß nicht, wie dieser Satz heutzutage in deutschen Ohren klingt, aber über Hausfrauen stand im Original zumindest nichts. Das ginge auch gar nicht, denn der Begriff “Hausfrau” ist im Schwedischen sehr ungebräuchlich. Das hat nichts mit politischer Korrektheit zu tun, sondern spiegelt einfach die Tatsache wider, dass der “Beruf Hausfrau” in Schweden fast nicht existiert.

Dass Frauen arbeiten ist nicht nur der Regelfall, sondern die Mentalität ist so weit fortgeschritten, dass Einkaufen, häusliche Arbeit und sogar Kindererziehung nicht mehr automatisch mit der Rolle der Frau assoziiert werden. Der Schreiber obiger Zeilen impliziert, dass es Frauen sind, die sich für Einkäufe interessieren, und vertritt damit ein altes konservatives Frauenbild, das in Schweden schon viel weiter verschwunden ist als in Deutschland. Sehr schade für dieses Medium, das ansonsten für schwedeninteressierte Deutsche sehr ansprechend ist.

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Fingerabdrücke bei Inlandsflügen

Die Fluggesellschaft SAS plant, bei Inlandsflügen in Schweden künftig per Fingerabdruck zu kontrollieren, ob die Person, die das Gepäck aufgibt, dann auch wirklich dieselbe ist, die fliegt. Die Abdrücke sollen zwar nach dem Vergleich sofort wieder gelöscht werden, aber trotzdem fragt man sich, was der Extranutzen sein soll im Vergleich zur Ausweiskontrolle.

Ich halte das für keine gute Idee, schon aus Prinzip.

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Lunarstorm

Tagesschau.de befasst sich mit Lunarstorm, der meistgenutzten schwedischen Online-community:

85 Prozent der Schweden zwischen 15 bis 20 Jahren sind Mitglieder bei Lunarstorm. Vier Millionen Besucher zählt die Community-Plattform im Monat – bei rund neun Millionen Einwohnern.

Ich selbst kann dazu eher wenig sagen, weil ich kein Mitglied bin – passe ja auch nicht mehr in diese Altersgruppe. ;-)

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Das Jahr der Mücke

Schweden ist bekannt für seine mückenreichen Sommer, gerade in den nördlicheren Gebieten. Wegen des feuchten Frühlings gibt es dieses Jahr besonders viele (S) dieser Plagegeister und einige Campingplätze denken sogar darüber nach, dicht zu machen (S), weil die Besucher bei Ankunft derart attackiert werden, dass sie erst gar nicht einchecken.

Auch für Zecken scheint es ein gutes Jahr (S) zu sein, denn durch den schneereichen Winter waren sie gut vor der Kälte geschützt. Ich hoffe, dass sich niemand seinen Schwedenurlaub davon vermiesen lässt.

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Ornament

Deckenbemalung

Angenehm unaufdringliche Deckenbemalung aus dem 13. Jahrhundert in einer Kirche bei Tierp, im Norden von Uppland.

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Wort der Woche: hhhffffffffff

Es ist schwierig, dieses Geräusch in Buchstaben zu fassen und es ist auch kein Wort, das sich im Wörterbuch findet. Es geht um das zischende Geräusch, wenn den Mund wie zum Pfeifen formt, aber Luft einsaugt, anstatt hinausbläst.

In Schweden hat das eine konkrete Bedeutung. Es ist die in Norrland übliche Art, Zustimmung auszudrücken. Hhhffffffffff bedeutet also so viel wie “Ja, genau!”, “So ist es.” oder “Da hast du Recht”. Schweden aus südlicheren Breiten verwenden das zwar kaum, verstehen es aber und es ist, neben dem deutlichen Akzent, ein Erkennungsmerkmal für Norrlänningar, die vom restlichen Schweden oft als provinziell belächelt werden.

Ein schon angegrauter Witz geht in etwa so: Was macht man, wenn man mal wieder unter dem Bett staubsaugen müsste? Man lädt seine Freunde aus Norrland ein und fragt sie, ob es unterm Bett schmutzig ist. Worauf diese eben zustimmend mit Lufteinsaugen antworten und sich das Problem erübrigt.

Vielleicht kann man den Blick der Schweden auf Norrland ein wenig mit dem Blick der Deutschen auf Bayern vergleichen, mit dem Unterschied, dass Norrland wirtschaftlich schwach und menschenleer ist.

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Der oder das Blog?

Micha weist dezent darauf hin, dass er findet, “Blog” sei Neutrum, und dass es deshalb in der Titelzeile von Fiket “das Weblog” anstatt “der Weblog” heißen müsste. Ich glaube, dass man sich zumindest in Bloggerkreisen auf “das Blog” geeinigt hat; das bedeutet aber ja nicht, dass das so sein muss und dass es sich bei der Majorität der Nicht-Blogger so durchsetzt.

“Blog” ist kurz für “Weblog” und weil das mit “Internet-Tagebuch” eher schlecht übersetzt wäre, hat man eben das Wort eingedeutscht. Als Wortneuschöpfung könnte es prinzipiell jedes Geschlecht annehmen, aber es gibt eine Argumentationskette, die einigermaßen naheliegend ist: Dazu muss man lediglich “das Log” als Kurzform für “das Logbuch” akzpetieren, dann ist man über “das Weblog” schon gleich bei “das Blog”. “Das Log” ist standardsprachlich allerdings ein maritimes Messgerät und die Verwendung des englischen “log” anstatt “Logbuch” ist allenfalls Umgangssprache.

Auch wenn deshalb ein Glied in der Argumentationskette fehlt und “das Blog” den Google-Vergleich mit “der Blog” nur 1,5:1 gewinnt, gibt es doch zumindest dieses einleuchtende Argument für den Artikel “das”, während sich für “der Blog” meines Wissens nichts Ähnliches anführen lässt. Da ich selbst in letzter Zeit häufiger “das Blog” verwende, habe ich den Titel dieses Blogs gerade dementsprechend geändert.

Im Schwedischen schreibt man Blog übrigens “blogg” und das grammatikalische Geschlecht ist nicht Neutrum, sondern man sagt “en blogg”.

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Mittsommer

Der midsommarafton, zu deutsch “Mittsommer(abend)”, ist eines der großen Feste in Schweden und vielleicht das landestypischste. Anlass ist der längste Tag des Jahres, der 21. Juni, aber man hat sich darauf geeinigt, immer an einem Freitag zu feiern. Das Datum variiert deshalb zwischen dem 19. und 25. Juni und heuer ist es eben der 23. – heute.

Das Mittsommerfest gab es schon vor der Christianisierung Schwedens und war ursprünglich ein Fruchtbarkeitsritual. Das deutlichste Überbleibsel dieser Tradition ist die Mittsommerstange, ein in Blätter und Blumen gekleideter Baumstamm mit einer Querstange oben, an deren Enden zwei Ringe hängen. Was das darstellen soll, kann sich jeder denken. Wahrscheinlich brachten deutsche Einwanderer um 1400 den Maibaum mit nach Schweden, wo er dann der späteren Vegetationszeit entsprechend in den Juni wanderte. Mancherorts wird die midsommarstång auch immer noch majstång genannt. Eine alternative Erklärung hat mit dem Verb maja zu tun, das so viel wie “grün anziehen” bedeutet.

An Mittsommer macht Schweden dicht und die Bevölkerung begeht Stadtflucht. Es ist gleichzweitig für viele der Beginn des Jahresurlaubs, den man verständlicherweise in den kurzen Sommer legt. Wenn man an Mittsommer nicht gerade um den Maibaum tanzt, isst man frische Kartoffeln mit Dill zum Standardessen bei schwedischen Festen: eingelegte Heringe in alllerlei Geschmacksrichtungen. Dazu trinkt man Bier und Aquavit und lässt sich zur Nachspeise die Erdbeeren mit Sahne schmecken. Es müssen schwedische Erdbeeren sein und es ist hierzulande wirklich eine Nachricht wert, ob sie denn dieses Jahr rechtzeitig reif werden.

Ob man nun um die Mittsommerstange tanzt oder nicht, traditionelle Kleidung der jeweiligen Region trägt, oder einfach nur feucht-fröhlich feiert und singt – Mittsommer ist ein willkommener Anlass dazu und den lange erwarteten Sommer willkommen zu heißen, bevor er in wenigen Wochen wieder vorbei ist.

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