Der Semmeltag

Semla

Heute ist in Schweden Semmeldagen, der Semmeltag. Mit “Semmeln” sind aber nicht einfache Brötchen gemeint, sondern das schwedische Pendant zum Krapfen oder Berliner. Letztere bekommt man hier auch das ganze Jahr über, semlor werden aber bevorzugt an den Dienstagen rund um den heutigen gegessen – eben wie Krapfen zur Faschingszeit in Deutschland.

Es gibt wichtige Unterschiede zwischen Semmeln und Krapfen: Semmeln sind zwar auch aus Hefeteig, aber größer und nicht frittiert. Anstatt mit Marmelade sind sie mit Mandelmasse gefüllt, was den Nachteil mit sich bringt, dass sie nach Marzipan schmecken. Außerdem ist der “Deckel” aufgeschnitten und wird auf den Berg Sahne über der Füllung gelegt (siehe Bild).

Dass der Semmeltag gerade heute ist, ist kein Zufall, denn morgen ist Aschermittwoch und da begann schließlich früher die Fastenzeit. Da man sich davor noch einmal richtig den Magen füllte, nennt man den Semmeltag auch Fettisdag (“fetter Dienstag”). Wie so oft ist der christliche Ursprung der Feierlichkeit den Schweden aber ziemlich egal und nicht wenige sehen heute als den Beginn der Semmelsaison, die sich auf die kommenden Dienstage erstreckt.

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Fildelning

Das schwedische Wörtchen fil kann vielerlei bedeuten.

  • Eine Spur einer Straße.
  • Eine Reihe.
  • Eine Feile.
  • Eine verkürzte Form von filmjölk, die schwedische Mischung aus Dickmilch und Joghurt.
  • Eine Datei auf dem Computer. *Fildelning* (wörtlich: Dateiteilen) ist dementsprechend der Dateitausch von vor allem Musik und Filmen über das Internet. Die letzten beiden Bedeutungen muss man kennen, um den Witz in folgender Werbung zu verstehen: [![Fildelning](/pic/fildelning_s.jpg "Fildelning")](/pic/fildelning_l.jpg) *Lange lebe der Dateitausch!* lautet die Überschrift und illustriert sehr schön, wie akzeptiert diese offiziell verbotene Tätigkeit in der schwedischen Gesellschaft ist. Ob die Anordnung der Pakete, so dass sich die in Chat-Kreisen übliche Abkürzung “afk” (away from keyboard) ergibt, Zufall oder Absicht ist, wissen wohl nur die Macher. ([via](http://www.falkvinge.com/2007/02/kul-annons-frn-arla-idag.html))
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FBI und MPA bilden schwedische Polizei aus

ComputerSweden berichtet (S), dass die sechs Polizisten, die gerade die Weiterbildung zu Urheberrechtsfragen, Raubkopien und Dateitausch beendet haben und bald einen Großteil der diesbezüglichen Untersuchungen leiten werden, von Repräsentanten der amerikanischen Filmlobbygruppe MPA und einem FBI-Agenten unterrichtet wurden.

Schweden, als Heimat der Pirate Bay, scheint den Rechteinhabern in den USA in der Tat ein Dorn im Auge zu sein.

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Verleumdung in Blogs

Blogs tragen dazu bei, dass sich die Anzahl der Verleumdungen und Beleidigungen im westlichen Nordschweden in den letzten zehn Jahren verdreifacht hat.

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Die Ostseepipeline in der Debatte

Die geplante Gaspipeline durch die Ostsee von Russland nach Deutschland wird in Schweden weiterhin diskutiert. Zuletzt kam die Frage auf, ob Schweden das Projekt überhaupt noch stoppen könnte. Außenminister Bildt bezweifelt das (S), weil die alte sozialdemokratische Regierung im Rahmen der Trans-European Networks (E) schon zugestimmt hatte.

Eine eigene Untersuchung der schwedischen Regierung widerspricht (S) dem jedoch und kommt zu dem Schluss, dass in der Sache kein bindender Beschluss gefällt wurde. Unterdessen werden lokale Proteste (S) gegen die Pipeline laut, vor allem auf den Ostseeinseln Öland und Gotland, an denen die Gasleitung vorbeigeführt werden soll. Eine Untersuchung der Umweltfolgen steht noch aus.

Mehr bei Radio Schweden.

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Reform der Alkoholsteuer

Ein Drittel des in Schweden getrunkenen Bieres wurde ins Land geschmuggelt, sagen Schätzungen. Um dem entgegenzusteuern, diskutiert die schwedische Regierung gerade einen Vorschlag (S), die Steuern auf Bier und Wein zu senken und dafür die auf starke Alkoholika zu erhöhen. Die Chancen für eine zustimmende Mehrheit scheinen nicht schlecht zu sein.

Aus rein egoistischen Gründen fände ich das natürlich gut, schließlich trinke ich sehr selten Alkohol in anderer Form als Bier oder Wein. Andererseits frage ich mich, ob Schweden damit nicht einen weiteren Schritt in Richtung “kontinentaler” Trinkgewohnheiten geht und als Resultat an mehr Tagen der Woche Alkohol getrunken wird.

Nachtrag, 20:00: Der Chef will nicht (S) und der Vorschlag scheint schon wieder vom Tisch zu sein.

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Arbeitsweg

Arbeitsweg

Das Gebäude rechts im Bild ist das Ångström Lab, in dem sich mein Arbeitsplatz versteckt.

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Eislaufen

Wer, wenn man “Schlittschuhlaufen” hört, an eine Halle und ständiges im Kreis fahren denkt, wäre wohl überrascht, was man hier damit meint. Langlaufschlittschuhe nämlich. Diese haben lange, flache Kufen, so dass der Fuß nah am Eis ist und durch die Länge der Kufen sehr geradlinig gleitet. Mit diesen und einiger Zubehörausrüstung für den Fall, dass man einbricht, begibt man sich auf die zugefrorenen Seen, um dort kilometerweit zu fahren und die Winterlandschaft zu genießen.

Eine der beliebtesten Strecken hier in der Nähe ist das Seegebiet Ekoln/Mälaren, das sich von einigen Kilometern südlich von Uppsala bis nach Stockholm erstreckt und wo bei Bedarf der Schnee auf langen Strecken geräumt wird. Heute fand dort das jährliche Wikingerrennen statt, bei dem Amateure und Profis die 80 Kilometer bis Stockholm durchfahren. Die schnellsten schaffen das in unter drei Stunden.

Ich hoffe ich komme dieses Jahr auch noch einmal dazu, eislaufen zu gehen.

Nachtrag: Bild mit Langlaufschlittschuhen nach dem Klick.

Langlaufschlittschuhe

Nachtrag 2010-02-24: Oben Link zu späteren Artikel über Sicherheitsausrüstung beim Eislaufen eingefügt.

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Wort der Woche: Kungens Kurva

Rainer schrieb gestern:

So und jetzt mache ich mich auf den Weg zu IKEA in Kungens Kurva, wo es wahrscheinlich von Menschen nur so wimmelt.

Kungens Kurva? In der Tat nennt sich der Platz in Huddinge, etwas südlich von Stockholm, an dem heute das Einkaufszentrum mit einem IKEA, dem Vergnügungszentrum Heron City und Filialen der verschiedenen Elektronikgroßmärkte liegt, Kungens Kurva, also die “Kurve des Königs”.

Das kam so. Der Urgroßvater des heutigen Königs, Gustav V., war 1946 auf dem Heimweg von der Jagd auf Schloss Tullgarn und aß im Fond des großen Cadillac mit einigen Mitreisenden zu Mittag. Die Stimmung war gut und Gustav wies den Chauffeur an, schnell zu fahren. Der Weg war damals noch nicht autobahnartig ausgebaut und es fanden Bauarbeiten statt, so dass der Fahrer wegen der hohen Geschwindigkeit leicht vom Weg abkam und die Kontrolle über das Auto verlor. Man landete im sumpfigen Straßengraben. Niemand kam zu Schaden und der König wurde im nachfolgenden Wagen seiner Söhne mitgenommen. Trotzdem war der Unfall die Sensationsnachricht des nächsten Tages.

Als kurz darauf an dieser Stelle eine Tankstelle aufmachte, bekam sie den Namen Kungens Kurva, der heute für das gesamte Viertel verwendet wird. Der Ursprung des Namens gerät derweil in Vergessenheit.

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