Brücke zwischen Schweden und Finnland

Karte des bottnischen MeerbusensUm von Schweden ins nahegelenene Finnland zu kommen, gibt es einige Möglichkeiten: Fähren von Stockholm aus über Åland, Flugzeuge und den verständlicherweise wenig genutzten Landweg rund um den bottnischen Meerbusen.

Eine direktere Wegverbindung gibt es allerdings nicht und dass man da auf die Idee kommt, eine Brücke oder einen Tunnel durch die Ostsee zu bauen liegt nahe. Vor einigen Jahren wurde untersucht, ob soetwas an der engsten Stelle zwischen dem schwedischen Umeå und dem finnischen Vaasa (siehe Karte) machbar ist, und die Antwort war Ja – im Prinzip.

Auch wenn jetzt eine schwedisch-finnische Arbeitsgruppe die Sache weiter untersuchen will, bezweifle ich, dass solche Pläne je in die Tat umgesetzt werden. Und zwar aus einem einfachen Grund: Der Bedarf ist nicht groß genug, weil so weit nördlich die Bevölkerungsdichte auf beiden Seiten sehr klein ist. Umeå und Vaasa sind Städtchen mit 50 bzw. 80 Tausend Einwohnern und es wäre völlige Geldverschwendung, ein solch großes Verkehrsprojekt in einer menschenarmen Gegend durchzuführen.

Nachtrag: In diesem schwedischen Blogeintrag sieht man eine genauere Karte der Brückenplanung (grün) und im Vergleich dazu die Öresundbrücke (orange). Der Schreiber kommt zu dem gleichen Schluß wie ich: Nur weil es möglich ist, ist es noch lange keine gute Idee.

(Quellen: Meldung (S), Karte)

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Explosives entsorgen

Heute flatterte eine Broschüre ins Haus, die einem erklärt, was man mit Sondermüll im Haushalt tun sollte, also z.B. mit Batterien, Farb- oder Kleberresten. Auf der letzten Seite fasst eine Tabelle die Entsorgungsmöglichkeiten verschiedener Dinge zusammen und eine Zeile fiel mir darin besonders ins Auge. Zwischen Elektrogeräten und Fernissa (Lacke) standen nämlich explosive Materialien. Und die nimmt auch nicht der Recyclinghof an, sondern man möge doch bitte mit der Polizei Kontakt aufnehmen.

Wer hätt’s gedacht.

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Elterngeld den Schweden abgeguckt

Jetzt hat sich also die deutsche Regierung dazu durchgerungen, das Elterngeld einzuführen. Es geht um 67% Lohnfortzahlung für 12 Monate und zwei Monate extra, wenn der Mann auch mitmacht. Dass sich Konservative damit schwer tun, ist leicht vorstellbar.

Als Vorbild für diese Regelung gilt Schweden, wo es 80% des Lohns für 16 Monate gibt und auch zwei Monate wegfallen, wenn nur einer der Partner freinimmt. Ja, das funktioniert prima hier und einige meiner männlichen Kollegen und Professoren verabschieden sich ab und zu in den Pappaurlaub. Das ist hier so normal, dass ich erst jetzt durch die Diskussion in Deutschland daran erinnert wurde, dass ja da nicht so war.

Der DLF hat ein sehr informatives Interview dazu, das die etwas andere Stimmung hier sehr schön beleuchtet.

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Wort der Woche: Valborg

Valborg ist der alte Name der heiligen Walburga, nach der auch die Walpurgisnacht benannt ist, die Nacht auf den 1. Mai. Diese, und auch der zugehörige Tag davor, wird in Schweden Valborgsmässoafton genannt, oder in der gebräuchlichen Kurzform einfach Valborg.

Heute ist Valborg, oder auch – schlicht nach dem Datum – sista April.

Im Allgemeinen ist das in Schweden kein großes Fest – es werden lediglich hie und da Maifeuer angezündet. In den Studentenstädten Uppsala und Lund hat sich am sista April aber eine recht spezielle Tradition entwickelt, die Valborg zweifelsohne zu einem der Höhepunkte des hiesigen Studentenlebens macht. Da auch der nichtstudentische Teil der Stadt auf der Straße ist, ist Valborg einer der lebendigsten Tage in Uppsala und man feiert in ausgelassener Stimmung den lange erwarteten Frühling. Im Folgenden will ich einen typischen Ablauf an Valborg nachzeichnen und mit Bildern aus den letzten Jahren illustrieren.

Nachtrag: Die Bilder von diesem Jahr sind jetzt auch online.

Es beginnt schon an den Tagen vorher mit den Vorbereitungen. Sofern man nicht am Bootsrennen oder einer anderen Aktivität teilnimmt, muss man zumindest vorsorglich seine Getränke kaufen. Denn auch wenn Valborg nicht wie dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, hat der Systembolaget geschlossen, um sich vor anstürmenden Studentenmassen zu schützen. Desweiteren ist es ratsam, das Essen (s.u.) voher einzukaufen und die Kartoffeln zu kochen.

Der Tag an Valborg selbst zerfällt normalerweise in sechs Abschnitte: Sektfrühstück, Bootsrennen, Heringessen, Rektor beim Mütze aufsetzen zuschauen, Champagnegalopp in den Nationen und als Abschluss ein Grillfest oder beliebige andere Abendaktivität.

Sektfrühstück: Wie der Name schon sagt, beginnt der Tag schon mit Alkohol. Dazu meist die ersten Erdbeeren des Jahres oder andere Früchte und ein Magenfüller, z.B. viel Brot und Käse. Eine Tradition, die ich bisher immer ausgelassen habe, ist Haferbrei mit Whisky. Man trifft sich meist in einer Gruppe, entweder privat in den Studentenheimen oder bei schönem Wetter wie heute im Park zum Picknick.

Bootsrennen Bootsrennen: Ab 10 Uhr bewegt man sich Richtung Fyrisån, dem hiesigen Fluss, denn dort kann man bizarr gekleideten Studenten dabei zusehen, wie sie auf selbstgebastelten Booten den Fluss hinuntertreiben. Es gibt kleine Wasserfälle an zwei Stellen, an denen einige der meist aus Styropor bestehenden Boote in ihre Teile zerfallen. Die Besatzungen verhalten sich dem Thema ihres Bootes entspechend (siehe Bild) oder bekämpfen sich und die zahlreichen Zuschauer mit Wasserpistolen. Es werden nicht alle Boote gleichzeitig losgeschickt, sondern schön der Reihe nach, so dass das Spektakel bis nach zwölf Uhr dauert. Dieses Jahr dürfte es besondern witzig werden, weil der Fluss wegen der späten Schneeschmelze heuer viel mehr Wasser führt als üblich. Das macht nicht nur die kleinen Stromschnellen noch gemeiner, sondern auch den Platz unter der letzten Brücke wirklich niedrig. Spaß für die Zuschauer und viel Arbeit für die Taucher, die zur Sicherheit im Wasser ausharren, ist also vorprogrammiert.

BootsrennenHeringessen: Wenn man sich an den Booten sattgesehen oder erst gar keinen Platz am Ufer ergattert hat, begibt man sich an den Schlosshügel (_Slottsbacken_) oder nahegelegene Parks, wo man sich dicht gedrängt mit anderen Gruppen niederlässt und sein Picknick aufschlägt (siehe Bild). Wie auch schon während des Bootsrennens, trinkt man v.a. Bier um diese Zeit. Zum Mittagessen gibt es eingelegte Heringe (_Sill_) in verschiedenen Soßen und dazu die vorgekochten Pellkartoffeln. Zum Sillunch gehört auch notwendigerweise ein Glas schwedischer Snaps [1], dessen brennenden Geschmack man mit mehr Bier nachspült.

Mützeaufsetzen: Bis zum frühen Nachmittag harrt man dann vor Ort aus, denn dann findet das nächste Ereignis statt. Direkt neben den Schlosshügel liegt die Unibibliothek und die Straße führt geradewegs den Hügel hinauf auf das Gebäude zu. Um 15 Uhr kommt der Rektor der Uni auf den Balkon und gibt eine kurze, jedes Jahr identische Rede, bevor er seine Studentenmütze aufsetzt und Tausende von Menschen, die sich vor der Bibliothek versammelt haben, es ihm gleichtun. Für pathetisch Gestimmte sicherlich ein erhebender Anblick.

Champagnegalopp: Danach ist keine Zeit zu vertrödeln, denn jetzt ist Champagnegalopp. Das bedeutet nichts anderes, als dass man sich, um lange Wartezeiten in der Schlange zu vermeiden, auf dem schnellsten Weg in eine der Nationen [2] begibt. Dort trinkt man überteuerten billigen Sekt, trifft die Leute, die man den ganzen Tag verpasst hat und feiert bis zum frühen Abend. Wir gehen meist zu Uplands Nation, weil es dort einen sehr gemütlichen Garten zum draußensitzen gibt.

Abends: Ab 18 Uhr wird man aus den Nationen wieder hinausgeworfen, denn es muss die Party am Abend vorbereitet werden. Zu dieser Zeit scheiden sich die Wege und es gibt keine vorherrschende Aktivität für den Abend, aber umso mehr Möglichkeiten. Sehr populär sind Grillfeste rund um die Studentenviertel. Es soll auch vorkommen, dass man sich im Laufe des Tages etwas am Alkohol übernommen hat und deshalb abends nicht mehr gesellschaftsfähig ist, was allerdings auf schlechte Planung schließen lässt.

Zum Abschluss soll darauf hingewiesen sein, dass der eben beschriebene Ablauf zwar typisch ist, aber eben doch nur eine von mehreren Varianten. Ja, es wird viel Alkohol getrunken an Valborg, aber wie ich schon einmal erwähnt habe, ist es in der schwedischen Trinkkultur eher üblich, zu bestimmten Gelegenheiten viel zu trinken, als regelmäßig. Valborg markiert die Ankunft des Frühlings, nicht nur symbolisch, sondern auch insofern, dass jetzt wirklich mehr als nur die ersten Blumen blühen und auch Bäume sehr bald ausschlagen werden. Nach einem halben Jahr Winter ist das allemal ein Grund zu feiern!

[1] Natürlich ist das das gleiche Wort wie Schnaps, aber bei schwedischem Snaps handelt es sich um stark gewürzten Branntwein, auch Aquavit genannt.

[2] Nationen sind nach schwedischen Landstrichen aufgeteilte Studentenhäuser, historisch den Verbindungen in Deutschland nicht unähnlich, aber ohne politische Ausrichtung. Jeder, der in Uppsala studiert, ist Mitglied einer der 12 Nationen.

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Schwedens größtes Teleskop

Es ist wirklich keine gute Idee, in Schweden ein neues Teleskop zu bauen – das Wetter ist einfach zu schlecht. Im Rahmen der Europäischen Südsternwarte (ESO) benutzten schwedische Astronomen heute meist die großen Teleskope in Chile.

Dennoch kommt in Kürze ein Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 1.4m nach Lund in Südschweden und wird den Platz des größten hierzulande einnehmen. Es hat sich nämlich als billiger erwiesen, ein altes ungenutztes Teleskop aus Chile, das in den 70er Jahren von Schweden mitkonstruiert wurde, zurückzuholen, als ein neues zu bauen.

Es nennt sich Coudé Auxiliary Telescope, kurz CAT, und hatte seinen Platz bisher in der kleineren Kuppel direkt neben dem 3,6m-Teleskop der ESO am La Silla Observatorium in Chile (siehe Bild). Zur Zeit befindet es sich in Container verpackt auf dem Wasserweg und soll in zwei Wochen ankommen. Wer des Schwedischen mächtig ist, findet hier noch etwas mehr Information.

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Blåsippa

Auf deutsch heißen die wohl Leberblümchen und sind eine hier häufige lila Variante der Buschwindröschen (schw. vitsippa).

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Die jagenden Norweger

Das Verhältnis der Schweden zum kleineren Nachbarn, der sich ja erst vor 100 Jahren abgespalten hat, ist ein ganz eigenes. In gewisser Weise sind Norweger für Schweden so wie Österreicher für Deutsche. Sie reden ein wenig seltsam, aber man versteht sie größtenteils. Man macht Witze über sie aber mag sie eigentlich doch recht gern.

Es gibt aber auch echte Unterschiede und ich will hier nur einen herausgreifen: das Jagen von Wildtieren. Dazu muss man wissen, dass die Grenze zwischen Schweden und Norwegen größtenteils völlig offen ist und Tiere sich verständlicherweise wenig um einen Strich auf der Karte scheren. Norweger halten aber (leider) von Artenschutz nicht so viel und das nicht nur im Wasser (Walfang!) sondern auch an Land. So kommt es vor, dass schwedische Tierschützer und Forscher die wenigen wildlebenden Wolfsrudel, die es noch gibt, mit Peilsendern versehen, um ihre Bewegungen zu verfolgen – und dass dann die Norweger auf der anderen Seite ebendiese Peilsender ganz toll finden, weil sie es einfacher machen, die Wölfe zu erschießen.

Gerade regen sich die Norweger auf, dass Schweden die Jagdsaison für Schneehühner verkürzt hat (S) und wollen es mit gleicher Münze heimzahlen. Denn auch in Schweden gibt es Jagdverrückte, die natürlich gerne nach Norwegen reisen.

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eBay kauft Tradera

Wer sich schon einmal auf ebay.se verirrt hat, hat gesehen, wie rudimentär das Angebot ist im Vergleich zum deutschen. Das liegt vor allem an der lokalen Konkurrenz, nämlich Tradera, das sich in Schweden als meistgenutzte Auktionsplattform etabliert hat.

Und was kann man tun, um unliebsame Konkurrenz loszuwerden? Man kauft sie! Und wieder ist ein Schritt auf dem Weg zur Monopolisierung der Internet-Märkte getan.

(via)

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Radio Schweden, auch als Podcast

Neulich habe ich Radio Schweden entdeckt, eine deutschsprachige Radiosendung der schwedischen Rundfunkanstalt SR (S). Das Programm ist über Kurz- und Mittelwelle auch in Deutschland zu empfangen, kann aber auch direkt auf der Homepage angehört werden. Außerdem sind sie modern genug, einen Podcast [1] eingerichtet zu haben.

Eine Ausgabe ist etwa 10 Minuten lang und besteht aus Kurzmeldungen, einem Thema als Schwerpunkt und einem Rätsel am Schluss. Wer lieber liest anstatt hört, findet die Kurzmeldungen im gleichen Wortlaut auf der Homepage und kann auch den zugehörigen RSS-Feed abonnieren, der aber leider nur Anreißer und nicht die vollen Texte enthält.

[1] Podcasts sind meist kurze Hörstücke im Mp3-Format, die in ein Textdokument eingebettet sind, das man mit einem RSS-Leser bewachen kann, um benachrichtigt zu werden, wenn eine neue Ausgabe vorliegt. Mehr dazu im Wikipedia-Artikel über Podcasts.

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Neuer schwedischer Buchstabe: W

Ja, das W gehörte in Schweden bisher nicht zum Alphabet, was wohl auch daran liegt, dass V immer wie W ausgesprochen wird und dieses somit überflüssig ist. Nur in Eigennamen und Fremdwörtern kam W vor. Letztere werden aber auch im Schwedischen immer mehr und somit findet das W jetzt seinen Platz im Wörterbuch.

Ein weiteres Kuriosum des schwedischen Alphabets sind die Umlaute, die eben gerade keine solchen sind, sondern als eigene Buchstaben gesehen werden. Å, Ä und Ö haben ihren Platz in dieser Reihenfolge am Ende des Alphabets – wichtig beim Nachschlagen.

(via)

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